Timothy Koogle tritt zurück
Yahoo-Chef zieht die Konsequenzen

Yahoo hat der Wirtschaftsflaute in den USA gestern gleich doppelt Tribut gezollt. Nach überraschend schlechten Quartalsergebnissen hat Vorstandschef Timothy Koogle den Hut genommen, gleichzeitig verlor die Aktie nach der schlimmen Enttäuschung beim Ergebnis gestern gut 16%.

hus HB NEW YORK. Der Konzern aus Santa Clara/Kalifornien, der bisher als besonders solides Internetunternehmen mit einer langen Serie von Quartalsgewinnen galt, hatte in der Nacht zum Donnerstag einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang sowie den Rücktritt des Vorstandschefs angekündigt.

Yahoo rechnet jetzt mit einem Umsatz von 170 bis 180 Millionen Dollar für das erste Quartal. Analysten hatten in bereits revidierten Prognosen mit 230 Millionen Dollar gerechnet. Das operative Ergebnis ohne Sonderabschreibungen und Einmalposten werde um null liegen.

Als besondere Überraschung gilt die Tatsache, dass ein Nachfolger für Koogle außerhalb des Unternehmens gesucht wird. Koogle, der im August 1995 als siebter Angestellter zu Yahoo kam, gilt als Führungsfigur in der Entwicklung des Internetportals für breite Nutzerschichten. Es sei Zeit, neue Sichtweisen in das Unternehmen zu bringen, sagte der 49-jährige Koogle. "Wir haben entschieden, dass wir einen neuen Partner im Team haben wollen, sobald wir uns von der gegenwärtigen Situation erholt haben." Koogle wird Präsident im Unternehmen bleiben, eine Position, die der eines Aufsichtsratsvorsitzenden vergleichbar ist.

Yahoo, einst bekannt für die Einhaltung der Prognosen, hatte bereits Anfang Januar seine Vorhersagen gesenkt und nahm diese nun erneut zurück. Händler sagten, die jüngste Gewinnwarnung des Branchenführers könnte bedeuten, dass auch andere Internet- und Medienunternehmen größere Probleme bekommen könnten. Es sei offensichtlich geworden, dass sich die Wirtschaftsaussichten in den USA weiter verschlechtert hätten. Analysten zeigten sich enttäuscht, aber nicht hoffnungslos. "Fünf Jahre lang musste man über dieses Unternehmen keine schlaflosen Nächte verbringen", sagte Wertpapieranalyst Paul Noglows von der Investmentbank J.P.Morgan H&Q. Jetzt sei harte Arbeit nötig, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. "Yahoo ist am Boden, aber nicht weg vom Fenster", meint Wertpapieranalyst Lanny Baker von der Investmentbank Salomon Smith Barney. Die Zahl der Benutzer wachse weiter. Deshalb blieben auch die langfristigen Gewinnaussichten positiv.

Internetanalyst Henry Blodget von der Investmentbank Merrill Lynch wertete die Aktie auf "neutral" ab. Er begründete das mit der verschlechterten finanziellen Situation, dem Managementwechsel und der langsameren Zunahme der Benutzerzahlen. Langfristig bleibe die Aktie allerdings auf der Kaufliste, weil Yahoo mit seiner globalen Nutzergemeinde von 185 Millionen Menschen pro Monat Seltenheitswert habe. Auch Lanny Baker von Salomon Smith Barney behält Yahoo auf der Kaufliste: "Das Unternehmen bleibt im Internet ein Schlüsselkonzern", glaubt er.

Yahoo leidet so wie die Konkurrenz unter Ausfällen im Werbegeschäft und will das künftig mit mehr gebührenpflichtigen Dienstleistungen ausgleichen. Die Warnung des US-Unternehmens berührte die europäischen Börsen gestern zunächst wenig. Erst am Nachmittag drehten sie ins Minus, unter die Räder kamen dabei besonders die Internettitel am Neuen Markt. Yahoo-Konkurrent T-Online büßten rund 6% auf 11,85 Euro ein. Die Papiere des Internet-Portalbetreibers Lycos Europe gaben um fast 6% auf 2,50 Euro ab.

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