Tipps der Profis für erfolgreiches Trading
In der Baisse kurzfristige Gewinnchancen nutzen

"Die Bahn der Himmelskörper kann ich auf Zentimeter und Sekunden genau berechnen, aber nicht, wie eine verrückte Menschenmenge die Börsenkurse in die Höhe oder Tiefe treiben kann", sagte einst Isaac Newton. Damit skizziert er das Problem aller Analysten: Ihre Prongosen basieren nur auf Wahrscheinlichkeiten.

qdt FRANKFURT/M. So raten Chartanalysten, sich nie gegen einen intakten Trend zu stemmen, weil der sich wahrscheinlich fortsetzen werde. In einer Abwärtsbewegung sollten Anleger Aktien links liegen lassen. "Doch das gilt nur für Investoren mit mittel- oder langfristiger Perspektive, nicht für kurzfristig orientierte Trader", präzisiert US-Experte Larry Williams auf den Trading-Tagen in Frankfurt. Der renommierte Futures-Trader betont: "In einem Bärenmarkt ziehen die Kurse zwischendurch kräftig an." Auf kurze Sicht kommt es an der Börse oft zu Gegenbewegungen, weiß Williams, der beim Händler-Wettstreit Robbins-World-Cup 1987 innerhalb eines Jahres aus 10 000 Dollar 1,14 Millionen Dollar machte. Daraus folgern Experten wie er: Trading lohnt sich zurzeit. Williams Tipps hören sich gar nicht spektakulär an: Dass sinkende Zinsen die Kurse von Anleihen und Aktien beflügeln, ist nichts Neues. Wenig bekannt ist dagegen ein Zusammenhang zwischen Futures auf 30jährige US-Staatsanleihen und Futures auf den Index S&P 500, den der Tradingexperte beobachtet hat.

"Beim S&P 500 locken an Montagen Kursgewinne"

Schließen die Bondfutures gegenüber dem Vortagsniveau im Plus und eröffnen am darauffolgenden Tag noch höher, während die S&P-500-Futures zum selben Zeitpunkt stetig sinken (also die Eröffnungskurse unter die Schlusskurse fallen), sei dies für den Aktienanleger ein Kaufsignal. Denn man könne mit einem kurzfristigen Anstieg der Aktien-Futures rechnen. Im umgekehrten Fall sieht Williams ein Verkaufssignal, rechnet er doch mit einem Rückgang der S&P-500-Futures.

Darüber hinaus hat er beobachtet, dass die Kurse an bestimmten Tagen tendenziell steigen und an anderen eher sinken. So sieht Williams bei den S&P-500-Futures an Montagen gute Chancen auf Kurserholung. "Am Donnerstag und Freitag würde ich dagegen eher verkaufen", fügt er hinzu.

Indessen setzt Uwe Gresser, der als Seminartrainer und Buchautor bekannt ist und in seiner Leipziger Firma Gresser Trading auch Depotberatung anbietet, auf Tagestendenzen: "Im ersten Drittel des Tages entscheidet sich oft der Markt." Entwickele sich in dieser Zeit eine stabile Tendenz, könnten Investoren davon ausgehen, dass diese Entwicklung anhalten werde. Gresser empfiehlt Anlegern, beim Gebrauch technischer Indikatoren auf jeden Fall die Volatilität (Schwankungsbreite der Kurse) einzubeziehen, etwa in Kombination mit gleitenden Durchschnitten. Einstiegssignale, die die Indikatoren oder Charts lieferten, seien bei niedriger Volatilität ernster zu nehmen als bei hoher. Der Grund: Ist die Volatitlität hoch, dürften sich viele ängstliche Marktteilnehmer am Markt tummeln, die Rückschlagsgefahr sei höher.

Experten raten zum Einsatz von Stopp-Marken

Wer erfolgreich traden wolle, sollte sich immer wieder vor Augen halten, dass er nicht alles auf eine Karte setzen sollte, ergänzt Erich Florek vom M.T.H.-Midas Trading House aus Hallein. Investoren sollten darauf achten, die Risiken zu streuen - eine Regel, die Daytrader nur allzu oft missachten, wenn sie sich von Emotionen mitreißen lassen. Auch rät Florek dazu, mehrere Instrumente der technischen Analyse miteinander zu kombinieren. Das Wichtigste sei jedoch: Anleger sollten Handelsregeln erstellen und testen, bevor sie beginnen zu traden - und sich diszipliniert daran halten.

Da Investoren meist an Verlustpositionen zu lange festhalten - wer will sich schon falsche Prognosen eingestehen -, raten Chartexperten zum Einsatz von Stop-Loss-Marken. Erreichen die Kurse ein bestimmtes Niveau bzw. fallen sie darunter, werden automatisch Verkäufe ausgelöst. Auch den maximalen Einsatz sollten Anleger vor Handelsbeginn festlegen. Florek rät, maximal drei Prozent des Kapitals pro Handelsposition zu risikieren. Williams ist der Meinung, fünf Prozent seien für risikoscheue Anleger angemessen. "Aber das hängt natürlich vom Alter ab", schmunzelt der 59jährige Profi. "Früher hätte ich bis zu 30 Prozent riskiert - heute setze ich maximal zehn Prozent aufs Spiel."

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