Tipps für ein ausgewogenes Depot
Anlagestrategien für das kommende Jahr

Auf ein Neues: Spätestens zum Ende des Jahres werfen Anleger einen kritischen Blick auf ihr Depot und stecken die Marschroute für das nächste Jahr fest. Zur Orientierung startet das Handelsblatt eine kleine Serie, in der Strategien für drei Risikoprofile vorgestellt werden: Dynamisch, ausgewogen und konservativ.

DÜSSELDORF. Wenn Investoren in diesen Tagen ihre Bücher schließen, werden sie das Anlagejahr 2001 schnell abhaken wollen. Der Blick geht nach vorn, denn Volkswirte erwarten in der Mehrzahl, dass sich die wirtschaftliche Lage in den USA in der zweiten Jahreshälfte wieder belebt.

Doch wie sollen sich private Anleger für das neue Jahr aufstellen? Dazu hat das Handelsblatt verschiedene renommierte Bankhäuser befragt und sie um Musterdepots für die drei klassischen Risikoprofile dynamisch (Aktienschwerpunkt), ausgewogen (Aktien/Renten je zur Hälfte) und konservativ (Rentenschwerpunkt) gebeten. Im ersten von drei Artikeln stellt das Handelsblatt Strategien für ein ausgewogenes Depot vor.

Grundsätzlich empfehlen die beiden Privatbanken M.M. Warburg und Sal. Oppenheim Anlegern, weiterhin vorsichtig zu sein. Beide Institute rechnen zwar mit einer konjunkturellen Erholung in den USA im nächsten Jahr; doch die Experten von M.M. Warburg warnen bereits vor zu großem Optimismus und vor einer möglichen Korrektur: "Getrieben durch die Liquidität sind die Kurse bereits recht stark gestiegen. Die Bewertungen müssen noch durch entsprechendes Gewinnwachstum gerechtfertigt werden. Da wird es Enttäuschungen geben", meint Ernst- Ludwig Drayß, Chief Investment Officer bei M.M. Warburg. Sein Rat: Anleger sollten Renten gegenüber Aktien den Vorzug zu geben (55 Prozent Renten; 45 Prozent Aktien).

Bei Oppenheim zeigt man sich optimistischer: "Wir empfehlen der Mehrzahl unserer Kunden eine Gewichtung von Aktien von 50 Prozent, Renten von 49 Prozent und einem Prozent Liquidität", sagt Christoph Hott, Leiter Investmentstrategie Privatkunden der Kölner Privatbank. Seiner Ansicht nach sind die Bedingungen für eine wirtschaftliche Erholung so günstig wie nie: niedrige Zinsen, hohe Liquidität, moderate Ölpreise und Umstrukturierungsbemühungen auf Seiten der Unternehmen. Um das Risiko zu dämpfen, empfiehlt Hott jedoch, europäischen Titeln mit einem Anteil von 68 Prozent der Aktienmittel vor US-Titeln (27 Prozent Anteil) den Vorzug zu geben. Fünf Prozent der Aktien-Gelder sollten seiner Meinung in japanische Werte angelegt werden.

Im Aktiendepot setzt Oppenheim bei drei Sektoren Schwerpunkte: Finanzen (27 Prozent des Aktienanteils), Technologie, Telekom und Medien (zusammen 29 Prozent) und Energie (21 Prozent) (ausgewählte Einzelempfehlungen siehe Tabelle). Das große Gewicht bei Tech-Titeln verteidigt Hott angesichts der permanenten Gewinnrevisionen wie folgt: "Analysten handeln prozyklisch und erkennen die Wendepunkte nicht, ab denen es wieder aufwärts geht. Der seit 1977 aufwärts gerichtete Trendkanal beim Nasdaq Composite ist nach wie vor stabil, den halte ich für aussagekräftiger."

Ähnlich stellt sich M.M. Warburg auf. Auch Stratege Drayß rät, rund ein Drittel der Aktienmittel in günstig bewertete TMT-Werte wie Deutsche Telekom anzulegen. "Etwa die Hälfte ihrer Aktienquote sollten Anleger in unterbewertete Substanzwerte mit Bilanzqualität investieren", erklärt Drayß. Dazu zählt er Daimler-Chrysler, Lufthansa, MAN und VW. Als Beimischung setzt er auf Aktien mit "natürlichem" Wachstum; das sind für ihn Tourismuswerte (Preussag), oder Unternehmen, die in Wachstumsmärkten wie China tätig sind. "Diese Themen sollten Anleger aber über einen Fonds abdecken", rät er.

Auf der Rentenseite präferieren beide Privatbanken kurze bis mittlere Laufzeiten (Schwerpunkt drei bis fünf Jahre). "Die Hälfte des Rentenportfolios bestücken wir mit Staatsanleihen mit AAA-Rating; 28 bis 20 Prozent gehen in Fonds für Unternehmensanleihen mit einem guten Rating", erläutert Drayß von M.M. Warburg. Der Grund: Infolge des Performance-Drucks von institutionellen Anlegern rechnen die Hamburger mit einer deutlichen Belebung des Segments. "Von High Yield Bonds lassen wir aber die Finger".

"Wir setzen auf Pfandbriefe und Genussscheine", sagt dagegen Oppenheim-Experte Hott. Er glaubt, dass Unternehmensanleihen für private Anleger aus steuerlichen Gesichtspunkten wegen des hohen Kupons weniger interessant sind; bei einer Nachsteuerbetrachtung lohne das erhöhte Risiko der Corporates unter dem Strich nicht.

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