Tischtennis-Star Timo Boll
Nur noch sympathisch

Die Chinesen schwärmen für ihn, als erster Europäer überhaupt durfte er im Pekinger Staatstrainingszentrum üben und in der chinesischen Super League mitspielen: Timo Boll ist in China ein gefeierter Star, bloß schlagen kann er die heimischen Größen nicht. Dabei war das deutsche Tischtennis-Ass mal mehr als nur ein Sympathieträger.

PEKING. Zwei Satzgewinne, mehr sind es nicht geworden für die deutschen Tischtennisspieler im Olympia-Finale gegen China. Und Timo Boll (27) war natürlich an beiden beteiligt: im Einzel holte er den zweiten Durchgang gegen Ma Lin und im Doppel mit Christian Süss den ersten gegen Wang Hao und Wang Liquin . Ansonsten ging alles ziemlich schnell und einseitig über die Bühne der Pekinger Universitätshalle. Am Ende stand ein erwartet deutliches 0:3.

Die Chinesen weinten Freudentränen, und dennoch war Timo Boll der letzte Spieler, der sich danach aus den Trauben von Kameraleuten und Fotografen befreien konnte. Eigene Tischtennisstars haben sie ja genug in China. Aus fernen Ländern aber gibt es eigentlich nur Boll. Als der Deutsche 2003 die Weltrangliste anführte, begannen die Chinesen, für ihn zu schwärmen. Ein siebenwöchiger Aufenthalt im Sommer 2006 verstärkte die Bindungen. Boll durfte damals mit den Chinesen trainieren und in der Super League mitspielen. Im Jahr darauf übte er als erster Europäer überhaupt im Pekinger Staatstrainingszentrum.

Die Wertschätzungen haben viel zu tun mit einem Achtelfinalspiel bei der WM 2005 in Schanghai gegen den Chinesen Liu Guozheng. Bei Matchball für Boll schlug der Lokalmatador den Ball scheinbar ins Aus - tatsächlich aber hatte die Kugel leicht die Kante touchiert. Der Schiedsrichter hatte es nicht gesehen. Boll schon. Er machte den Referee darauf aufmerksam, das Spiel ging weiter. Boll verlor.

Aber er hat durch diese Aktion nicht nur zahlreiche Fair-Play-Preise gewonnen. In Peking und Schanghai prangt er an riesigen Werbefotos vor Kaufhäusern. Die Teenager kreischen, wenn sie ihn sehen, und auch das deutsche Tischtennisteam profitiert von dem Hype. Dank Boll bekam es den in einer Randsportart so dringend benötigten Werbevertrag. Für Metro Cash & Carry soll Timo Boll den chinesischen Markt öffnen. Dafür prangt der Name des Sponsors in chinesischen Schriftzeichen auf den Trikots der Nationalmannschaft.

Aber ist es überhaupt noch der alte Boll, den alle meinen? Die "sympathische Bedrohung" (Deutschlands Tischtennis-Ehrenpräsident Hans-Wilhelm Gäb)? Der Boll also, der 2005 bei einem Weltcup-Turnier innerhalb von 24 Stunden Wang Liqin, Wang Hao und Ma Lin schlug - exakt das chinesische Finaltrio vom Montag. Wiederholte Verletzungen im Knie- und Rückenbereich haben ihn zurückgeworfen, gleichzeitig haben die Chinesen noch einmal zugelegt. Nun hat Boll seit mehr als zwei Jahren gegen keinen dieser drei Chinesen mehr gewonnen.

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