Titel der so genannten „Old Economy“ feierten zuletzt ein Comeback
Die Aktien von Automobil-Herstellern überflügeln den Dax

In den vergangenen drei Monaten entwickelten sich die Aktien von Volkswagen, BMW und Porsche besser als der Deutsche Aktienindex (Dax). Analysten sprechen indes von einem verhaltenen Ausblick.

DÜSSELDORF. Wer vor einem halben Jahr Volkswagen-Aktien gekauft hat, kann sich bislang nicht beklagen: Der Kurs kletterte zwischenzeitlich um fast 50 % auf ein Zwölfmonatshoch.
Auch BMW, Porsche und Daimler-Chrysler haben sich zuletzt ordentlich entwickelt. Bis auf Daimler-Chrysler schlugen die Aktien der Fahrzeughersteller in den vergangenen drei Monaten den Deutschen Aktienindex (Dax). Doch taugen die Titel der deutschen Autobauer als Alternative zu den schwächelnden Technologiewerten und zur abgeflautem New Economy-Euphorie?

Autoabsatz in Deutschland schwach

Experten wollen die Autobranche nicht allgemein als Ausweichstrategie empfehlen. Für Auto-Analyst Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank rührt der aktuelle Aufwind bei den Aktienkursen der Fahrzeughersteller aus dem Effekt der "Sektorrotation", sprich der Flucht aus Telekommunikations- und High- Tech-Aktien hin zu zyklischen Titeln der so genannten Old Economy. "Wer bei Autoaktien groß einsteigen will, muss schon auf diese Wellenbewegung spekulieren", sagt Breitsprecher. Die Fundamentaldaten rechtfertigten dagegen eine größere Investition nicht.

Der Auto-Analyst der WGZ-Bank, Klaus Weihermann, stimmt zu. Er sieht keinen dauerhaften Favoritenwechsel hin zu Automobilaktien. Die Zukunftsaussichten der Branche sind den Analysten zufolge durchwachsen. Das Inlandsgeschäft der deutschen Autobauer leidet unter den hohen Spritpreisen.

Im Oktober wurden in Deutschland 11 % weniger Pkw abgesetzt als im Vorjahr, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) bekannt gab. Auch der Pkw-Export ging im Vergleich zum Oktober vergangenen Jahres um 2 % zurück. Der Export an Nutzfahrzeugen legte dagegen zu, und zwar um 8 %. Gute Zahlen meldeten die deutschen Autobauer für den US-Markt: BMW steigerte seinen Pkw-Absatz laut Agenturmeldungen im Oktober um 30,9 % gegenüber dem Vorjahr, Daimler-Chrysler verkaufte in den USA 3,5 % mehr Automobile der Marke Mercedes.

US-Markt macht Chrysler zu schaffen

Doch gerade der heiß umkämpfte US-Markt sei für den deutsch-amerikanischen Konzern ein Problem, sagt die Auto-Analystin des Bankhauses Merck Finck, Pia-Christina Schulze. Um im Preiskampf zu bestehen, müsse die US-Sparte Chrysler immer neue Kaufanreize gewähren, etwa günstige Finanzierungskonditionen und Preisnachlässe. Die Käufer in den USA seien derart verwöhnt, dass Chrysler gezwungen sei, selbst beim neuen Minivan die Leasingraten zu senken, um ihn überhaupt los zu werden. Chryslers Verluste in den USA von knapp 600 Mill. Euro im dritten Quartal belasteten den gesamten Konzern. Deswegen werde sie Daimler-Chrysler wohl noch länger mit dem Anlageurteil "Underperform" (unterdurchschnittliche Kursentwickung) bewerten, schätzt Schulze.

Analyst Klaus Weihermann von der WGZ-Bank dagegen sieht Daimler-Chrysler als Unternehmen mit langfristigem Potenzial Er schätzt, dass der Aktienkurs in den kommenden sechs Monaten um 20 bis 25 % steigen könnte. Sein Rating für Daimler-Chrysler lautet "Outperformer" (überdurchschnittlich).

Weihermanns Favorit ist aber Porsche. Sein langfristiges Kursziel liegt bei 5400 Euro, was einer Kurschance von über 40 % gegenüber der aktuellen Notierung entspricht. "Es gibt Spekulationen auf einen Aktiensplit bei Porsche", sagt Weihermann, "die Entscheidung wird auf der Hauptversammlung fallen."

Der WGZ-Bank-Analyst sieht die Zukunft der Porsche-Aktie rosig, weil der Sportwagen-Hersteller von einem möglichen Einbruch der Automobilkonjunktur in den nächsten Jahren abgekoppelt sei. Auch Deutsche-Bank-Experte Breitsprecher favorisiert Porsche. Er sieht Wachstumschancen durch das für 2002 geplante Geländemobil "Cayenne". Pia-Christina Schulze hält Porsche-Aktien dagegen inzwischen für zu teuer.

Auch die BMW-Aktie sei nicht billig, sagt Schulze. Dennoch steht BMW bei ihr auf "Outperform" (überdurchschnittlich), weil der Kurs bisher auch gegen den Markttrend immer stabil geblieben sei. Analyst Weihermann hält dagegen: "Mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von knapp 20 ist bei BMW die Luft raus. Die Aktie ist schon sehr hoch bewertet."

Volkswagen beeindruckt die Analysten

Merck-Finck-Analystin Schulze zeigt sich - wie gegenwärtig viele Experten - von Volkswagen stark beeindruckt. Das liege nicht nur an den jüngst präsentierten, herausragenden Neunmonatszahlen, sagt sie. Vielmehr überzeuge die Strategie der Wolfsburger. Künftig wird es statt bisher vier markenübergreifenden Plattformen elf modulare Systeme geben (Handelsblatt vom 6.11.2000). Dort wo es sich anbietet, sollen verstärkt gleiche Bauteile eingesetzt werden. So will VW laut Vorstandschef Piëch pro Auto bis zu 1000 DM einsparen. Das würde die Kosten insgesamt um 2 bis 3 Mrd. Euro jährlich senken.

Ähnliches, sagt Schulze, sei auch schon BMW mit der "Gleichteile-Strategie" gelungen. Die Privatbank M.M. Warburg stufte die Volkswagen-Aktien vor wenigen Tagen auf "Kaufen" hoch und nennt als Kursziel 72 Euro.

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