Titel entwickelt sich immer mehr zum Spekulationspapier
Intershop-Zahlen vergraulen die Analysten

Es steht schlecht um Intershop. Der Anbieter von E-Commerce-Software genießt kaum noch Vertrauen bei Analysten. Nach der jüngsten Gewinnwarnung gibt es kaum noch institutionelle Anleger, die den Wert im Portfolio haben. ABN Amro sieht mittelfristig sogar Fragezeichen bei der Liquidität des Unternehmens. Das Restrukturierungsprogramm überzeut die Analysten nicht; ein Erreichen der Gewinnzone in nächster Zeit halten sie für unwahrscheinlich.

mr/rtr DÜSSELDORF. "Dass es dem Unternehmen derzeit nicht allzu gut geht, das war klar. Aber dass die Umsatzerwartungen in dieser Höhe zurückgeschraubt werden, das ist schon sehr überraschend", sagte Oliver Graf Rangel vom Bankhaus Merck Finck & Co. im Gespräch mit Handelsblatt.com und sprach damit für viele einer Kollegen. Rangel hatte bislang mit einem Umsatz von 28 bis 29 Millionen Euro gerechnet.

Rangels Einschätzung nach gebe es auf mittlere Sicht kein institutionelles Investoreninteresse mehr. "Es halten nur noch wenige institutionelle Anleger Positionen von Intershop. Und mit dieser Nachricht haben sie vermutlich auch die letzten vergrault", glaubt der Analyst, der seine "Verkaufs"-Empfehlung für das Papier bekräftigte. "Die Luft ist raus", bestätigte ein anderer Händler. Der Titel entwickele sich nun immer mehr zu einem Spekulationspapier.

Auch die Analysten der ABN Amro Bank empfehlen weiter, die Aktie zu "reduzieren". Die Mitteilung von Intershop habe den Markt negativ überrascht und werfe trotz des Restrukturierungsprogramms Fragen hinsichtlich der mittelfristigen Liquiditätssituation von Intershop auf, schrieben die Analysten in einer Kurzstudie.
"An Spekulationen beteiligen wir uns nicht. Wir haben uns mit unserem Restrukturierungsprogramm auf die neue Absatzsituation eingestellt", sagte ein Intershop-Sprecher dazu. Die ABN-Analysten waren nach eigenen Angaben von einem Umsatz von 28 Millionen Euro und von einem Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 9 Millionen Euro für das erste Quartal ausgegangen.

Ein Unternehmens-, kein Branchenproblem

Ein Analyst der Vereins und Westbank - sagte, er behalte die Aktie weiter auf "untergewichten". Nach der Gewinn- und Umsatzwarnung für das vierte Quartal 2000, habe er diese Zahlen fürs erste Quartal erwartet. Die nicht erfüllten Umsätze seien eher ein unternehmens- als ein branchenspezifisches Problem. Intershop werde frühestens Mitte 2002 Gewinne machen.

Ähnlich urteilt Oliver Graf Rangel. "Ich glaube nicht an einen Break Even noch in diesem Jahr." Enttäuscht zeigte er sich auch von der Kostenentwicklung, hatte er doch damit gerechnet, dass diese rückläufig sein werden. Wie es mit Intershop weiter geht, darüber wagt er derzeit noch nicht zu urteilen. "Das geplante Restrukturierungsprogramm ist bislang noch zu schlecht kommuniziert worden, um es wirklich beurteilen zu können. Aber es wird jetzt schnell zeigen müssen, was es wert ist." Ob der Softwarespezialist das Schlimmste hinter sich hat? "Ich hoffe es." Licht am Ende des Tunnels sieht Rangel für Intershop dennoch frühestens im dritten Quartal.

Dirk Reiche, bei Intershop für das weltweite Finzgeschäft zuständiger Global President Finance, bekräftigte indes, dass Intershop bei Erreichen der Gewinnschwelle auf Quartalsbasis gegen Ende 2001 im Gesamtjahr einen ähnlich hohen Verlust wie 2000 und einen Umsatz von 140 bis 160 Millionen Euro erwirtschaften wolle. Intershop hat nach früheren Angaben 2000 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 166 Prozent auf 123,0 Millionen Euro gesteigert und einen Nettoverlust von 38,9 Millionen Euro nach 18,4 Millionen Euro erzielt.

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