Titel leidet unter politischem Wirbel: Aktie unter der Lupe: Deutsche Post

Titel leidet unter politischem Wirbel
Aktie unter der Lupe: Deutsche Post

Der politische Rummel im Zusammenhang mit der Umsatzsteuerbefreiung der Deutschen Post zieht die Aktie Gelb ins Minus. Die Privatanleger sind irritiert, auch wegen der Verlautbarungen der Aktionärsvertreter. Analysten reagieren dagegen gelassen auf die Neuauflage der alten Debatte.

BONN. Die Debatte über die Umsatzsteuerbefreiung der Deutschen Post entwickelt sich zu einem Wahlkampfschlager. Jetzt prüfen bereits die Steuerbehörden in Nordrhein-Westfalen, "ob die Post Geschäftskunden abzockt", wie die Bild-Zeitung vermutet. Die Post soll zu Unrecht Umsatzsteuer von ihren Kunden kassiert haben.

Da kann sich der gelbe Riese noch so sehr darauf berufen, dass die Post nach europäischem und nationalem Recht im Bereich des Universaldienstes - also im wesentlichen dem Briefbereich - von der Umsatzsteuer befreit ist. Und dass sie bei gewerblichen Paketkunden wie ihre Wettbewerber Umsatzsteuer erhebt, die auch an die Finanzverwaltung abgeführt wird. Es hilft nichts. Das Thema bleibt ein politischer Dauerbrenner - und zwar mit Auswirkungen auf die Börse. Der Kursverlauf der Aktie Gelb kennt vor Karneval nur eine Richtung: nach unten.

Irritationen sind aus der Welt geschafft

Martin Ziegenbalg, Leiter des Zentralbereichs Investor Relations bei der Post, räumte ein, dass die Diskussion kurzfristig bei den institutionellen Investoren zu "Erklärungsbedarf" geführt habe. Zunächst feststellbare Irritationen bei den Privatinvestoren seien mittlerweile ebenfalls aus der Welt geschafft, sagte Ziegenbalg, der dafür wohl so manches Telefonat führen musste. Ausgelöst wurde die Debatte durch den Bundesrechnungshof, der der Bundesregierung Mauscheleien im Vorfeld des Börsengangs der Post vorgeworfen hatte.

Christian Obst von der Hypo Vereinsbank kann die Debatte kaum noch nachvollziehen. Das Thema sei uralt. Nach wie vor lautet seine Empfehlung für die Post-Aktie "Kaufen". Obst erwartet wegen der eindeutigen Rechtslage keine Belastungen für die Post. Obst rechnet erst ab 2008 mit einem Ende der Vergünstigungen für die Postgesellschaften in Europa. Dann steht EU-weit die Liberalisierung der Postmärkte auf der Tagesordnung.

Welche Blüten die Diskussion dennoch treibt, zeigte vor allem die Reaktion der Vertreter der Kleinaktionäre. Sowohl die Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) als auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigten in einer ersten Reaktion Schadensersatzklagen gegen die Post an. Zahlreiche Oppositionspolitiker in Berlin bliesen ins gleiche Horn. Bestand doch der Verdacht, dass im Börsenprospekt der Post nicht auf die Risiken durch die Umsatzsteuerbefreiung hingewiesen worden ist.

Regressansprüche nicht aussichtsreich

Tatsächlich ist der Börsenprospekt mit über 250 Seiten und einem ebenso umfangreichen Anhang nicht unbedingt etwas für Überflieger. Doch auf den Seiten 180/181 und 210 wird auf die Risiken aus der Umsatzsteuerbefreiung und einer möglichen Umsatzsteuernachzahlung hingewiesen. Regressansprüche gegen die Post dürften damit kaum durchzusetzen sein. Dies haben dann auch SdK und DSW gemerkt. Beide ruderten zurück und fühlten sich nur noch missverstanden.

Analysten sehen die Diskussion gelassener. An ihrem Anlageurteil hat sich nichts geändert. Die meisten von ihnen raten weiterhin zum Kauf der Aktie Gelb. Maarten Bakker von der Fortis Bank meint sogar, dass der Kursrückgang weniger eine Bedrohung, sondern eher eine neue Chance zum Einstieg in den Wert darstelle. "Die Auswirkungen auf das Ergebnis je Aktie ist jedenfalls gleich Null," sagte Krista Kepler von Merck Finck.

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