Titel sind ambitioniert bewertet
Internet-Aktien boomen

Die Börsen-Baisse begann mit dem Absturz der Technologie-Titel. Doch an Internet-Werten wie Ebay geht die Talfahrt vorüber. Selbst hohe Bewertungen können einigen Aktien nichts anhaben - bislang. Lange Zeit galten Aktien von Internetdienstleistern als Luft- blasen-Investition, doch die ersten Monate dieses Jahres haben erneut die großen Unterschiede innerhalb der Branche ans Tageslicht gebracht.

NEW YORK. Deutliche Gewinne verbuchten zuletzt Schwergewichte wie das Internet-Portal Yahoo und der Online-Buchhändler Amazon, dessen Aktien Ende März bei rund 28 $ ein Zweijahreshoch markierten.

Check Point Software dagegen, Hersteller von Zugangsschutz-Programmen für das Internet, konnte seit Jahresbeginn kaum Boden gutmachen und notiert zurzeit rund 50 % unterhalb der Kurse von April 2002. Und das bei soliden Unternehmensgewinnen und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15.

Eine solchermaßen zwiegespaltene Entwicklung ist zurzeit typisch für den Internet-Sektor, sagen Experten großer US-Banken: "Die gezielte Auswahl von Titeln ist entscheidend in der Internetgruppe", erklärt etwa Lanny Baker von Salomon Smith Barney. "Bisher ist 2003 ein Nullsummenspiel - die Gewinne und Verluste innerhalb der Branche gleichen sich gegenseitig aus. Etwa die Hälfte aller Aktien, die wir aus diesem Bereich beobachten, hat zum Beispiel im Februar höhere Gewinne erzielt als der S&P-500-Index, und zwar im Schnitt um rund zehn Prozentpunkte besser. Die andere Hälfte dagegen ist um durchschnittlich 18 Prozentpunkte hinter dem Index zurückgeblieben."

Auf der Gewinnerseite stehen im ersten Quartal Titel, die sich die angeschlagene Wirtschaftssituation und die unsichere außenpolitische Lage zu Nutze machen. Dazu zählt das Online-Auktionshaus Ebay, das zurzeit anders als der reguläre Einzelhandel Umsatz und Gewinn verbessert. Die Aktie erreichte Ende März bei 90 $ ein neues Zwölfmonatshoch und notiert aktuell nur knapp darunter. "Während der gesamte Einzelhandel von positiven Zahlen nur träumen konnte, hat Ebay in den USA einen Zuwachs von 46 % erreicht", sagt Christa Sober von der Investmentbank Thomas Weisel, die ihre Gewinnprognose für das laufende und das kommende Geschäftsjahr anhob. "Das ist das Schöne an diesem Geschäftsmodell: Ebay braucht keine Lagerbestände aufbauen, die dann vielleicht der Nachfrage nicht gerecht werden. Statt dessen kann sich das Unternehmen darauf konzentrieren, spontan die Kundenwünsche aufzusaugen, die die regulären Läden nicht befriedigen können."

Von verändertem Einkaufsverhalten profitiert auch Amazon, einer der Pioniere des Onlinehandels. "In dieser unsicheren Zeit steigt die Dauer der Internetbesuche, und das hat Amazon trotz der Schwäche im nicht-vernetzten Einzelhandel deutlich geholfen", sagt Heath Terry von Credit Suisse First Boston. Dazu kommt der bisherige Erfolg des Branchenführers. "Gesunde Unternehmen, die eine offenbar erfolgreiche Strategie präsentieren können, erzielen schneller und größere Kursgewinne als der Marktdurchschnitt", kommentiert Lanny Baker. "Und die prominentesten Mitglieder dieser Gruppe sind Yahoo, Amazon und Ebay."

Doch inzwischen wird auch die Kehrseite des Erfolgs spürbar: Alle wollen daran teilhaben. Steigende Gewinne und solide Bilanzen sorgen dafür, dass die Aktienkurse der Internet-Lieblinge inzwischen in die Höhe schnellen - und deshalb für die Anleger nicht mehr so attraktiv sind. Ebay und Yahoo beispielsweise notieren mit einem KGV, das mit knapp unter 100 an die Zeiten des Internet- Booms erinnert.

Einige Analysten haben deshalb ihre Anlageurteile herabgesetzt: Heath Terry etwa vergibt für die Amazon-Titel statt "Outperform" (überdurchschnittliche Marktentwicklung) nur noch ein "Neutral", nachdem die Aktie sein Kursziel von 25 $ überschritten hatte. Mark Zadell von der Investmentbank Blaylock erklärte zu seiner Halten-Empfehlung für Ebay: "Trotz des jüngsten rapiden Wachstums ist die Aktie inzwischen fair bewertet." Zudem steht der Branche jetzt das traditionell magerere Halbjahr ins Haus: In den wärmeren Monaten verbringen die Internet-Surfer und damit potenziellen Konsumenten mehr Zeit im Freien und kürzen daher die Dauer ihrer Online-Besuche.

Quelle: Handelsblatt

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