Titelkampf und Abstiegsangst
Dortmund bleibt dran - Freiburg taumelt

Borussia Dortmund hat seine Meisterschafts-Chancen gewahrt, während für Freiburg der Abstieg immer wahrscheinlicher wird. Drei Tage nach der Europapokal-Gala gegen den AC Mailand bewiesen die Westfalen, dass sie sich im Titelkampf noch längst nicht aufgegeben haben.

HB/ dpa/ Dortmund. Drei Tage nach der Europapokal-Gala gegen den AC Mailand bewiesen die Westfalen am Sonntag beim 2:1 (2:1) gegen den TSV 1860 München, dass sie sich im Titelkampf mit Tabellenführer Bayer Leverkusen noch längst nicht aufgegeben haben.

Vor 66 0000 Zuschauer gerieten die Dortmunder zwar schon nach elf Minuten durch den Treffer von "Löwen"-Stürmer Markus Schroth in Rückstand. Doch Sebastian Kehl (20.) mit seinem ersten Tor für die Borussia und Nationalspieler Jörg Heinrich (25.) brachten die Gastgeber noch vor der Pause auf die Erfolgsstraße. In der zweiten Hälfte versäumten die Dortmunder einen höheren Sieg, als sie acht klare Chancen kläglich vergaben.

"Wenn man die Chancen nicht nutzt wie wir, muss man bis zum Schluss zittern", sagte Borussias Trainer Matthias Sammer. "Ich muss dennoch meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat gefightet, hätte sich aber das Leben leichter machen können." Sein Münchener Kollege Peter Pacult war indes verärgert über seine Spieler: "Wir haben die erste Halbzeit nach unserer Führung leichtfertig verschenkt. Das darf nicht passieren."

Nach dem Erfolg haben die Dortmunder (61 Punkte) noch immer vier Punkte Rückstand auf Bayer Leverkusen (65) und liegen im Rennen um einen Champions-League-Platz weiterhin drei Zähler vor Schalke 04 (58). "Wir müssen die restlichen vier Spiele gewinnen. Dann wir man weiter sehen", sagte Sammer über die Titelaussichten. Die Münchener (42) müssen nach der Niederlage ihre letzten Ambitionen auf einen Platz im UEFA-Pokal aufgeben. Auch der Start im UI-Cup ist gefährdet.

Sammer hatte seine Mannschaft nach dem 4:0 gegen den AC Mailand auf einigen Positionen umstellen müssen. Der Brasilianer Amoroso, am Donnerstag noch dreifacher Torschütze, fehlte wegen einer Gelbsperre. Torhüter Jens Lehmann musste ebenfalls wegen einer Sperre aussetzen. Zudem war Dede wegen Adduktorenverletzung nicht dabei. Für Stefan Reuter rückte der im Europapokal noch nicht spielberechtigte Kehl ins Team. Bei den Gästen wog vor allem der Ausfall des gesperrten österreichischen Spielmachers Markus Weissenberger schwer.

Dennoch erwischten die "Löwen" den besseren Start. Zwar bemühte sich Dortmund, sofort Druck zu machen. Doch unter der Regie des Ex- Dortmunders Thomas Häßler kontrollierten die Münchener das Spiel. Der ehemalige Nationalspieler bereitete auch die Führung seiner Mannschaft vor. Er passte mustergültig zu Schroth (11.), der aus kurzer Entfernung die erste Chance der Gäste gleich nutzte.

Das Gegentor weckte die Dortmunder auf. Angetrieben vom überragenden Kehl drängten sie den Gegner zurück. Nach einem tollen Zusammenspiel mit Otto Addo schaffte der Nationalspieler (20.) per Kopf den Ausgleich. Nur fünf Minuten später traf Heinrich nach einem Eckball von der Strafraumgrenze zur Führung. Dabei half Gäste- Torhüter Simon Jentzsch kräftig mit. Erst verursachte er völlig unbedrängt den Eckball, dann ließ er den Ball nach dem Schuss von Heinrich unter seinem Körper durchrutschen. Auch in der Folgezeit hatten die Dortmunder durch Addo (28., 30.) und Evanilson (35.) weitere Möglichkeiten, das Ergebnis auszubauen.

Nach dem Wechsel bestimmten die Dortmunder weiter die Partie und hatten zahlreiche Chancen. Doch Evanilson (49.), Ewerthon (59., 64., 69., 75.), Christoph Metzelder (70.) und Jan Koller (73., 76.) vergaben fahrlässig. Von den Münchenern war im zweiten Abschnitt nur noch wenig zu sehen. Für die einzige Aufregung sorgte Häßler bei seiner Auswechslung in der 77. Minute. Aus Wut über die Entscheidung des von ihm ungeliebten Trainers Pacult trat er gegen die Bande.

SC Freiburg im Abstiegsstrudel

Der SC Freiburg versinkt immer tiefer im Abstiegsstrudel. Durch das 0:2 (0:0) gegen den VfB Stuttgart am Sonntag im baden-württembergischen Derby konnten die Breisgauer den Abstand zum Tabellen-15. 1. FC Nürnberg (28) nicht verkürzen und sind mit nur 24 Zählern vier Spieltage vor Schluss ein heißer Abstiegskandidat. Im mit 25 000 Zuschauern ausverkauften Dreisamstadion erzielten der portugiesische Nationalspieler Fernando Meira in der 79. Minute und Joker Steffen Handschuh (88.) die Treffer für Stuttgart. Die Schwaben kamen ihrem Ziel UI-Cup-Teilnahme einen Schritt näher. Am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga kletterten sie durch den Punktgewinn auf den begehrten achten Rang.

VfB-Trainer Felix Magath resümierte nach der Partie: "Wir haben das Spiel von Beginn an kontrolliert. In der ersten Halbzeit haben wir nicht zwingend auf das gegnerische Tor gespielt. Wir wussten aber, dass unsere Chance kommen wird." Volker Finke bilanzierte: "Bereits in der ersten Halbzeit hat man gesehen, dass sich bei beiden Mannschaften die Tabellensituation im Spiel niedergeschlagen hat."

Seit nunmehr elf Spielen ist Freiburg seinen Fans einen Sieg schuldig und damit das schwächste Rückrunden-Team der Liga. Ein bittendes Transparent der Zuschauer "Lieber Fußballgott, schau bitte mal wieder vorbei" blieb ungehört.

Der personell arg gebeutelte SC musste wie auch schon im letzten Spiel in Cottbus auf die Langzeitverletzten Richard Golz (Muskelbündelriss) und Ibrahim Tanko (Kreuzbandriss) verzichten. Außerdem fehlte der Mannschaft von Trainer Volker Finke Stürmer Alexander Iaschwili (Zerrung des Syndesmosebandes). Der von Muskelproblemen genesene Adel Sellimi übernahm nach nur einer Trainingseinheit die zweite Sturmspitze neben Abder Ramdane.

Stuttgarts Coach Magath kehrte zur 4-2-3-1-Taktik zurück. Für Sean Dundee, der überraschend wegen einer Bauchmuskelzerrung ausfiel, spielte Ioan Viorel Ganea die einzige Sturmspitze. Wegen Muskelproblemen musste er aber nach nur 19 Minuten gegen Adhemar ausgewechselt werden. Krassimir Balakow stand nach seiner Pause beim 3:2 gegen Dortmund wieder in der Anfangsformation.

In einer Partie ohne viel Klasse war Stuttgart anfangs zwar die aktivere Mannschaft, blieb aber gute Torchancen schuldig. Nach verhaltenen 13 Minuten vergab Ganea die erste Möglichkeit, als er nach einem Abpraller von Freiburgs Keeper Timo Reus den Ball am rechten Pfosten vorbeischoss. In der 37. Minute wurden die Stuttgarter um den Führungstreffer "betrogen". Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer erkannte einen Treffer von Christian Tiffert nicht an. Die Fernsehbilder zeigten jedoch deutlich, dass der 20-Jährige nicht im Abseits gestanden hatte. Mittelfeldspieler Jochen Seitz erhielt seine fünfte Gelbe Karte und wird in der Partie gegen Energie Cottbus fehlen.

Das Fehlen von Tanko beim SC war deutlich zu spüren. Nicht nur die Chancenverwertung ließ zu wünschen übrig, es mangelte den Breisgauern auch an der notwendigen Kampfeslust. Andreas Zeyer köpfte nach einer Faustabwehr von VfB-Keeper Thomas Ernst knapp über die Latte (19.). Adel Sellimi (25./36.) hätte die Breisgauer in Front bringen können, scheiterte aber an Ernst wie auch Wladimir But (43.).

Im zweiten Durchgang gingen die Freiburger etwas bissiger zu Werke, richtige Derby-Stimmung wollte aber nicht aufkommen. Soumaila Coulibaly (59.) vergab die Chance auf einen Kopfballtreffer. Die Strafe folgte 11 Minuten vor Schluss, als Meira den Sieg nach einem Freistoß von Balakow einleitete. Den Schlusspunkt setzte der in der VfB-Regionalliga-Mannschaft spielende Handschuh zwei Minuten vor Schluss nach einem Klasse-Pass von Adhemar. Für Handschuh war es der erste Bundesliga-Einsatz überhaupt. "Das ist wie im Traum", freute sich der Joker nach der Partie.

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