Tochter soll etwa 110 Millionen Euro bringen: Telekom will Filetstück von T-Systems verkaufen

Tochter soll etwa 110 Millionen Euro bringen
Telekom will Filetstück von T-Systems verkaufen

Die Deutsche Telekom nimmt offenbar den Umbau ihres IT-Dienstleisters T-Systems in Angriff. In einem ersten Schritt trennt sich der Konzern von einem kleinen T-Systems-Filetstück: Telecash. Das Unternehmen wickelt elektronische Zahlungen über EC- und Kreditkarten ab und ist dabei in Deutschland Marktführer. Telecash stehe unmittelbar vor dem Verkauf, verlautete am Wochenende aus Konzernkreisen.

DÜSSELDORF. Telecash setzte im vergangenen Jahr 80,5 Mill. Euro um. Das Unternehmen betreibt 166 000 Karten-Lesegeräte, die hauptsächlich im Einzelhandel stehen, und arbeitet nach Angaben aus der Branche sehr rentabel. Telecash soll an den US-Anbieter First Data, den Weltmarktführer bei elektronischer Zahlungsabwicklung, verkauft werden. Dieser hat nach Angaben aus dem Telekom-Umfeld 109 bis 113 Mill. Euro für Telecash geboten. Damit will die Telekom ihre Schulden von zuletzt 64 Mrd. Euro weiter senken.

Der Verkauf von Telecash an First Data ist nach Angaben aus Kreisen innerhalb des Konzerns aus mehreren Gründen umstritten: Demnach gibt es zum einen Gegner eines Verkaufs von Telecash, da die Tochter dem Konzern beim Betrieb des Online-Zahlungssystems T-Pay sehr nützlich sei. Zum anderen gibt es Befürworter eines Verkaufs an andere Unternehmen als First Data. Nach Informationen aus dem Telekom-Umfeld habe auch der Sparkassenverband Ende Dezember Interesse an Telecash bekundet. Die Sparkassen sind ein wichtiger Vertriebspartner für Telecash. "Zudem will T-Systems den Auftrag für ein Outsourcing-Projekt der Sparkassen. Es würde also Sinn machen, mit den Sparkassen stärker zu kooperieren", heißt es im Umfeld der Telekom. "Aber offenbar stellt die Telekom ihre eigenen Interessen über die von T-Systems."

Die Telekom soll auch mit der Postbank, die gemeinsam mit First Data ein Unternehmen für bargeldlosen Zahlungsverkehr betreibt, über den Telecash-Verkauf gesprochen haben. Zudem soll es noch andere Interessenten gegeben haben, die angeblich auch mehr für Telecash zu zahlen bereit gewesen wären. Doch man habe sich mit First Data auf Exklusiv-Verhandlungen eingelassen, verlautete aus informierten Kreisen. Offiziell wollte der Konzern das nicht kommentieren.

Die Zukunft von T-Systems gilt in der Branche schon länger als offen. Die Sparte gilt als zu klein, um international auf dem Markt für IT-Dienstleistungen erfolgreich zu sein. Für eine Expansion fehlt der Telekom aber das Geld.

Mit ihrer 100prozentigen Tochter Telecash, die nun verkauft werden soll, hatte T-Systems nach Angaben aus Kreisen ursprünglich andere Pläne: Das Geschäft für elektronischen Zahlungsverkehr sollte mit dem Branchenzweiten Easycash zusammengeführt werden, um so die Marktführerschaft auszubauen und Kosten deutlich zu senken. T-Systems bekam jedoch nicht den Zuschlag für Easycash. Die ehemalige Tochter der Deutschen Bank ging an die GZS Gesellschaft für Zahlungssysteme. Daraufhin habe Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick das Ruder bei den Verhandlungen über die Zukunft von Telecash übernommen, heißt es in Branchenkreisen.

Der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat seit seinem Amtsantritt Mitte November 2002 für insgesamt etwa 4 Mrd. Euro Unternehmensteile verkauft. Unter anderem trennte sich die Telekom von ihren TV-Kabelnetzen. Die Schulden des Konzerns sollen bis Ende dieses Jahres um mindestens 12 Mrd. Euro auf 52 Mrd. Euro sinken.

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