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Tod dem Teuro-Sheriff

Es war schon immer billigster Populismus, wie der Teuro-Sheriff niedrigere Preise zu fordern. BBDO-Chef Dr. Rainer Zimmermann (Foto) erklärt, warum die Preise sogar noch steigen müssen.

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Daß es einen Zusammenhang geben könnte zwischen erodierenden Margen in der Wirtschaft und mangelnder Investitionsbereitschaft in den Arbeitsmarkt, gehört in den Bereich tabuisierter Erkenntnisse. In einem Land, wo die Preise und die Argumente miteinander wetteifern, wer von beiden billiger ist, wird ein Plädoyer für höhere Preise in der Regel sofort niedergeschrien. Versuchen wir es trotzdem. Erstens: In dem Maße, in dem der Verbraucher Aktionär ist, muß er die Kosten des Wettbewerbs und auch des Margenverfalls mittragen. Was ihm als Verbraucher nutzt, schadet ihm als Aktionär. Die Preissenkungen der Telekom beispielsweise sind in der eingebrochenen Marktkapitalisierung zu besichtigen. Zweitens: Preissenkungen und Arbeitsplatzabbau gehen Hand in Hand. Gerade in den Bereichen, in denen Verbraucherschützer, Kartell- und Deregulierungsbehörden sich rühmen, niedrigere Preisniveaus für den Verbraucher durchgesetzt zu haben, werden die Arbeitsplätze zehntausendfach abgebaut. So zum Beispiel in der Telekommunikation, im Energiesektor, bei den Finanzdienstleistungen. Drittens: Das Niveau der Preise liegt in Deutschland in weiten Teilen unterhalb des europäischen Durchschnitts, gleichzeitig liegen die Gehalts- und Lohnnebenkosten bekanntlich höher. Diese Rechnung kann schwerlich aufgehen, da wundert es nicht, wenn Deutschland die rote Laterne in Europa innehat. Die Lebensmittelpreise schwanken seit drei Jahren zwischen 5% und 8% unterhalb des europäischen Durchschnitts. Selbst bei solchen Produkten, die bspw. in Portugal vermeintlich 15% billiger sind, sollte man bedenken, daß der durchschnittliche portugisische Angestellte etwa 30% unter dem Gehaltsniveau des durchschnittlichen deutschen Angestellten liegt. Subjektiv für den einzelnen Verbraucher ist es in Portugal deutlich teurer als bei uns. Viertens: Es ist ja einfach nicht wahr, daß des dem deutschen Verbraucher so schlecht geht, daß er sich sein Bierchen nicht mehr leisten kann. Auch im Sinne einer ganzheitlichen und volkswirtschaftlich sinnvollen Politik wäre es doch vorzuziehen, wenn der Verbraucher abends zwei Bier trinkt, an denen die Brauerreiwirtschaft und die Gastronomie gut verdienen, anstelle von vier Bier zum gleichen Preis, die alle Beteiligten sukzessive ruinieren. Kaufkraft ist in Deutschland vorhanden, allein die Generation der Erben könnte die Binnenkonjunktur mühelos heben. Alles in allem geht die Stimmungsmache der Medien in die völlig falsche Richtung. Das ist erstaunlich, denn gerade die Medien gehören zu den größten Leidtragenden des Discount- und Dumpingwesens. Der Anzeigenschwund ist direkt darauf zurückzuführen. Anstatt den Verbraucher immer wieder in seinem Recht auf noch niedrigere Preise zu bestätigen, sollte man ihm lieber erklären, daß er seine nächste Gehaltserhöhung an der Ladentheke erst finanzieren muß. Der Teuro-Sheriff sollte also lieber das Shoot Out verlieren. Aus Gründen der Selbstverteidigung muß eine prosperierende Wirtschaft ihre Preise nämlich erhöhen. Grundsätzlich. (*) Dr. Rainer Zimmermann ist seit Januar 2000 Chief Executive Officer (CEO) und Managing Partner der BBDO Group Germany. Lesen Sie mehr über den BBDO-Chef in seinem Portrait weiter ...

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