Archiv
Tod der 118 "Kursk"-Seeleute offiziell bestätigt

Für die 118 Seeleute an Bord des in der Barentssee gesunkenen russischen Atom-U-Bootes "Kursk" gibt es keine Hoffnung mehr.

Reuters MURMANSK. Der Kommandeur der russischen Nordmeerflotte, Wjatscheslaw Popow, teilte am Montag mit, russische und norwegische Experten seien sich einig, dass die gesamte Mannschaft tot sei. Die "Kursk" voll Wasser gelaufen. Der Militärrat der Nordmeerflotte spreche den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Interfax veröffentlichten Erklärung. Norwegische Taucher hatten zuvor die äußere und innere Luke des U-Bootes geöffnet. Verteidigungsminister Igor Sergejew verteidigte im Fernsehen Präsident Wladimir Putin gegen Kritik, nicht zur Unglücksstelle gefahren zu sein und übernahm die Verantwortung für den Rettungseinsatz.

Der Leiter des norwegischen Rettungseinsatzes, Konteradmiral Einar Skorgen, sagte, die Taucher hätten die hintere Luke geöffnet und im hinteren Teil des U-Bootes keine Anzeichen für Überlebende gefunden. Das gesamte U-Boot sei mit Wasser voll gelaufen. Es bestehe keine Aussicht, noch irgendjemanden lebend bergen zu können. Erhöhte radioaktive Strahlung hätten die Taucher am Boot in 108 Metern Tiefe nicht festgestellt. Die Mannschaft hatte die Reaktoren nach Angaben der Nordmeerflotte vor dem Sinken heruntergefahren. Norwegen bot an, das Innere des Wracks mit einer ferngesteuerten Kamera zu untersuchen und den Film den russischen Behörden zu übergeben. Anschließend sollte die Aktion beendet werden.

Im Laufe des Tages nahm die Kritik am Verhalten der russischen Behörden im Zusammenhang mit dem Unglück weiter zu. Ein russischer Politiker warf der Leitung der Nordmeerflotte vor, das Geschehen nicht richtig eingeschätzt zu haben. Auch Konteradmiral Skorgen beklagte die schwerfällige russische Bürokratie, insbesondere was die Weitergabe von Fakten anging.

Verteidigungsminister Sergejew sagte dagegen, er könne nicht erkennen, dass bei den Rettungsbemühungen größere Fehler gemacht worden seien. Er könne allerdings nicht ausschließen, dass es zu kleineren Fehlern gekommen sei. Zugleich übernahm Sergejew in einem Interview mit dem Sender ORT die Verantwortung für die Rettungsoperation.

Auch nahm Sergejew Präsident Putin gegen heftige öffentliche Kritik in Schutz, nicht selbst an die Unglücksstelle geflogen zu sein. Putin habe ihn gefragt, ob er an den Unglücksort fahren sollte, und er habe dem Präsidenten abgeraten, sagte Sergejew. Er glaube, dass diese Entscheidung richtig gewesen sei. Am Montag war spekuliert worden, die heftige öffentliche Kritik an den Rettungsarbeiten und an Putins passiver Reaktion könne zu personellen Konsequenzen führen, etwa auch zur Ablösung Sergejews.

Der Duma-Abgeordnete Boris Nemzow von der liberalen Union der Rechten Kräfte forderte eine parlamentarische Untersuchungskommission zu dem Unglück. Diese solle die Unglücksursache klären und herausfinden, ob die Regierung und das Militär alles unternommen hätten, um die Seeleute zu retten, sagte er dem Fernsehsender NTW. Der kommunistische Duma- Präsident Gennadi Selesnjow machte das Militär mitverantwortlich. Diese habe Präsident Wladimir Putin anfangs nicht über das volle Ausmaß der Katastrophe informiert. Putin war kritisiert worden, weil er seinen Urlaub nicht abgebrochen hatte, um zum Unglücksort zu reisen.

An den Stützpunkten der Nordmeerflotte nahmen Trauer und Wut zu, als der Tod aller Seeleute bestätigt wurde. "Wir hätten nicht eine Woche mit der Entscheidung warten sollen, ob wir norwegische Hilfe annehmen oder nicht. Ich halte dies für eine verbrecherische Nachlässigkeit", sagte Unteroffizier Alexander Bobrow in Seweromorsk Reuters. Dort und im Heimathafen der "Kursk", in Widjajewo, trafen mehr als 300 Angehörige der Besatzung ein.

Das U-Boot war am 12. August nach einem Unfall gesunken und liegt seitdem in 108 Metern Tiefe auf der Seite. Nach offiziellen Angaben hat es Bord ein oder zwei Explosionen gegeben. Möglicherweise habe sich zuvor eine Kollision ereignet.

Der russische Fernsehsender RTR berichtete von Bord eines Kreuzers an der Unglücksstelle, in einer der hinteren Sektionen des U-Bootes sei eine Leiche entdeckt worden. Es werde versucht, den Toten mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboterarmes zu bergen.

Das norwegische Außenministerium teilte in Oslo mit, Russland habe Norwegen um Hilfe bei der Bergung der Mannschaft gebeten. Norwegen stehe dem Hilfeersuchen positiv gegenüber und werde sehen, was möglich sei. Aber jede Aktion mache den Einsatz eines anderen Schiffes notwendig. Zudem müsse eine neue Tauchergruppe die jetzt beschäftigten Männer ablösen. Auch müsse Russland norwegische Hilfe bezahlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%