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Tod von Husseini drängt Nahost-Konflikt in den Hintergrund

Der überraschende Tod eines prominenten palästinensischen Politikers hat den blutigen Nahost-Konflikt am Donnerstag in den Palästinensergebieten vorübergehend in den Hintergrund gedrängt. Der 60-jährige Faisal Husseini, der für die Palästinenser lange Zeit als Symbol für den Widerstand gegen Israel galt, war am Morgen in Kuwait an einem Herzanfall gestorben.

dpa JERUSALEM/RAMALLAH. Die Gewalt im Westjordanland und im Gazastreifen forderte unterdessen auch am Donnerstag wieder ein Opfer. Militante Palästinenser erschossen nach israelischer Darstellung einen jüdischen Siedler; es war der vierte innerhalb einer Woche.

Die israelische Regierung gab Palästinenserpräsident Jassir Arafat die Erlaubnis, den Leichnam des Politikers mit einem jordanischen Hubschrauber von Amman (Jordanien) nach Ramallah im Westjordanland zu überführen. Husseini übte das Amt eines "Ministers für Jerusalem" aus. Offiziell nahm die israelische Regierung zum Tode Husseinis nicht Stellung. Er soll am Freitag in der Nähe der berühmten Al Aksa Mosche auf dem Tempelberg begraben werden. Unmittelbar nach Bekanntwerden von Husseins Tod ordnete Arafat eine dreitägige Staatstrauer in den Palästinensergebieten an.

Die SPD in Berlin erklärte, mit Hussein habe das palästinensische Volk und besonders das arabische Jerusalem einen seiner großen Männer verloren. Israel habe mit ihm einen Partner verloren, der zwar unerbittlich auf die Erfüllung der Rechte des palästinensischen Volkes gepocht habe, der aber kompromissbereit und berechenbar gewesen sei, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gernot Erler.

Ein israelischer Siedler wurde in seinem Auto von einer Kugel tödlich im Kopf getroffen, als er an einem arabischen Dorf nahe der Stadt Tulkarem vorbeifuhr. Jüdische Siedler schossen darauf bei Nablus auf zwei Palästinenser und verletzten sie. Sie wurden von der israelischen Polizei festgenommen.

Der ultra-rechte israelische Minister Awigdor Liebermann forderte die Regierung Ariel Scharon am Donnerstag auf, die palästinensische Autonomiebehörde durch einen Einmarsch der israelischen Armee "innerhalb von 48 Stunden zu stürzen". Scharon selbst sagte in einem Telefonat mit US-Außenminister Colin Powell, die Lage in der Region sei für Israel durch die palästinensischen Attacken "inakzeptabel" geworden. "Wir können so nicht mehr lange weiter machen", erklärte Scharon nach Rundfunkberichten. Massive Kritik kam vom ehemaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der ein aggressives militärisches Eingreifen Israels in den Palästinensergebieten forderte.

In der Nacht zum Donnerstag hatten sich israelische und palästinensische Offiziere sowie Vertreter der Geheimdienste beider Seiten bei einem neuen Treffen erneut nicht auf Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt einigen können. Sie vereinbarten jedoch ein neues Gespräch. Inzwischen hat Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser neue Erleichterungen für die palästinensische Bevölkerung angekündigt. So sollen weitere 12 000 Palästinenser eine Arbeitsgenehmigung in Israel erhalten.

Kurz nach Bekanntwerden des Todes von Husseini schlossen in Ost- Jerusalem alle Geschäfte aus Respekt vor dem Politiker, der vor allem während der ersten palästinensischen Intifada (1987-1993) zu einem Symbol des Widerstandes gegen die israelische Besatzung wurde. Die palästinensische Autonomiebehörde würdigte Husseini als einen Mann, der "den größten Teil seines Lebens der Verteidigung der Sache der Palästinenser und Jerusalems widmete.

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