Töchter deutscher Banken reden über Sozialpläne
Krisenschatten erreichen auch Luxemburg

2001 ging es ihnen noch gut, aber in diesem Jahr geraten auch die Banken und Investmentfonds im Großherzogtum - so zeigt sich immer deutlicher - in den Strudel der weltweiten Finanzkrise. Rückläufige Geschäftsergebnisse, Personalabbau und die Ankündigung von Sozialplänen drücken die Stimmung.

LUXEMBURG. Für das Geschäftsjahr 2001 legte der Finanzsektor des Großherzogtums Luxemburg noch erstaunlich günstige Ergebnisse vor - trotz Konjunktureinbruch, Börsencrash und eines sich dramatisch verschlechternden politischen Umfeldes. Die Erwartungen für 2002 werden dagegen mittlerweile von Woche zu Woche zurückgeschraubt.

Der Bankenplatz leidet dabei nicht so sehr unter dem von den EU-Mitgliedsländern verstärkten politischen Druck zur Aufgabe des strikten Bankgeheimnisses. Es ist die Finanzkrise in Deutschland und in anderen Ländern, die mit einiger Verspätung die Luxemburger Töchter einiger deutscher Banken in Mitleidenschaft zieht.

Mit einer Ausweitung der addierten Bilanzsumme um 11 % auf 721 Mrd. Euro und einer Steigerung der Nettoerträge um 18 % auf 2,93 Mrd. Euro liefen 2001 die Geschäfte in Luxemburg noch deutlich besser als an den meisten anderen Finanzplätzen. Das geht aus den Zahlen der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF hervor, die auf der Auswertung der Bilanzen von 189 Finanzinstituten - 13 weniger als im Jahr davor - basieren.

Luxemburger haben Angst um ihren Job

Inzwischen legen sich die Schatten der weltweiten Finanz- und Wachstumskrise und der tiefen Verunsicherung breiter Anlegerschichten auch auf das Großherzogtum, in dem das Wohlergehen von über 28 000 Menschen von der Finanzbranche abhängt. "Noch ist nicht absehbar, wann wir das Ende des Tunnels erreichen", warnt François Moes, der Vorsitzende der Luxemburger Bankenvereinigung ABBL. Zum ersten Mal grassiert auch am Bankenplatz Luxemburg die Angst um den Arbeitsplatz. "Die Lage ist schon dramatisch, wenn man bedenkt, wo wir herkommen. Schließlich ist es nicht lange her, dass die Finanzbranche in Luxemburg die Zahl ihrer Arbeitsplätze im Jahresdurchschnitt um bis zu acht Prozent ausbaute. Heute reden wir von rückläufigen Zahlen, von Einstellungsstopps und freiwilligen Abgängen." Sechs Banken, so schreibt die Luxemburger Presse, handeln gegenwärtig Sozialpläne aus. "Es ist mehr als wahrscheinlich, dass sie nicht die einzigen bleiben werden", vermutet Moes.

Dass darunter auch Töchter deutscher Banken sind, kommt nicht von ungefähr. Führende deutsche Geldhäuser haben in diesem Jahr ankündigt, dass sie konzernweit 30 000 bis 50 000 Stellen abbauen wollen. Den Anfang machte die HVB Luxemburg, die Tochter der Hypo-Vereinsbank. "Wir haben am 27. August dieses Jahres einen Sozialplan für 34 Mitarbeiter/innen abgeschlossen", sagte Ernst-Dieter Wiesner, Mitgeschäftsführer der HVB Luxembourg, zum Handelsblatt. "Es sind dies rund zehn Prozent der Belegschaft aus allen Bereichen der Bank. Wir reagieren damit auf den sich abzeichnenden Ertragsrückgang, insbesondere im Privatkundengeschäft." Die schwierigen Marktbedingungen seien bei der HVB Luxembourg durch Sachkosteneinsparungen allein nicht aufzufangen. Wiesner ist "zuversichtlich, die im Branchenvergleich nach wie vor gute Ertragslage der Bank damit zu stabilisieren und die verbleibenden Arbeitsplätze langfristig zu sichern."

Ohne mit Sozialplänen an die Öffentlichkeit zu gehen, ist auch bei der wesentlich größeren Dresdner Bank Luxembourg ein erheblicher Personalabbau im Gang. Er ist Teil der Eingliederung der Dresdner in den Allianz-Konzern, er ist aber auch eine Reaktion auf die sich verschlechternde Marktlage. Die Dresdner will über 100 Arbeitsplätze streichen.

Auswirkungen der Krise halten sich in Grenzen

Die Deutsche Bank Luxembourg komme dagegen nach den Worten ihres Chefs, Ernst Wilhelm Contzen, mit "kleineren Korrekturen aus, die sich im Rahmen der normalen Fluktuation halten", weil sie sich "in den letzten Jahren innerhalb des Deutsche-BankKonzerns gut positionierte und über schlanke und kostengünstige Strukturen verfügt."

Auch heimische Bankadressen, die längst als Teile europäischer Finanzkonzerne operieren, "strukturieren nicht erst seit diesem Jahr um und bauen Stellen ab", sagt ein Bankenaufseher. Die Banque Ge´ne´rale (BGL) gehört zur Fortis-Gruppe und die Cre´dit Europeén zu ING. Die Dexia BIL strich in diesem Jahr 200 Stellen. Wie die deutschen, amerikanischen oder französischen Bankentöchter in Luxemburg, konzediert BGL-Chef Jean Meyer, müssten auch die vormals heimischen Institute in größeren Finanzgruppen hinsichtlich ihrer Zuständigkeiten und bei den Arbeitsplätzen um mehr Spielraum für eigenständige Entscheidungen kämpfen.

Noch hält sich die Ansteckung des Großherzogtums von der globalen Wirtschafts- und Finanzmisere in Grenzen, glaubt Bankenprüfer Walter Koob von Price-Waterhouse-Coopers. Er sieht für das laufende Geschäftsjahr "zwar deutliche Ertragsrückgänge bei einigen deutschen Lux-Töchtern, doch auch zufriedenstellende Ergebnisse bei Instituten, die breit aufgestellt sind". Pflichten Luxemburgs Finanzaufseher bei: "Die Erträge von Banken, Fonds und sonstigen Finanzdienstleistern sind in den ersten drei Quartalen dieses Jahres zwar rückläufig, jedoch bleiben die Rückgänge im Rahmen", heißt es. Die Ergebnisse der Luxemburger Banken für 2002 würden schließlich auch davon abhängen, wie weit sie zur Abdeckung der Risiken ihrer Konzernmütter herangezogen würden.

Quelle: Handelsblatt

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