Tofu, Pudding & Co.
Wie gelangen gentechnisch veränderte Stoffe in Lebensmittel?

adx BERLIN. Seit dem Beginn der modernen Gentechnik in den 70er Jahren ist in zahlreichen Versuchen das Erbgut von Nutzpflanzen verändert worden, etwa um Erträge zu steigern oder deren Widerstandskraft gegen Schädlinge zu verbessern. Vorreiter sind hier besonders die USA: 1996 pflanzten dort Farmer auf großen Flächen gentechnisch manipulierte Kulturen von Sojabohnen, Mais, Raps und Baumwolle an. Ein Jahr später wurde in der Europäischen Union (EU) der Anbau der ersten so genannten transgenen Maissorte (Bt-Mais) zugelassen. In Deutschland sorgten in der Vergangenheit vor allem Versuche mit genmanipuliertem Raps für Kontroversen.

In Lebensmitteln spielt Gentechnik in erster Linie bei solchen Produkten eine Rolle, die mit Soja und Mais hergestellt werden. Gerade die gelbe Kolbenpflanze ist Spitzenreiter bei den transgenen Sorten: Allein in den USA sind zwölf verschiedene Maisarten zugelassen. Nach der im April in Kraft getretenen neuen EU-Regelung dürfen die wichtigsten US-Sorten auch auf den europäischen Markt gebracht werden.

Während weltweit der meiste Mais als Viehfutter Verwendung findet, wird er in Europa vor allem zu Stärke verarbeitet und findet sich unter anderem in Backwaren, Pudding, Suppen, Saucen oder als Füll- und Bindemittel wieder. Verzuckerte modifizierte Stärke versüßt zudem diverse Erfrischungsgetränke.

Auch der Löwenanteil der Sojaproduktion geht ins Viehfutter. Hierzulande wurde die Bohne als Eiweiß-Ersatz für Vegetarier und Milcheiweiß-Allergiker bekannt: Seit einigen Jahren erfreuen sich Fleischersatz in Würstchenform, pflanzliche Brotaufstriche und Tofu wachsender Beliebtheit. Bestandteile des Sojaöls sind auch als Zusatzstoffe für die Lebensmittelindustrie interessant.

Mit der neuen EU-Verordnung werden genveränderte Anteile in Lebensmitteln bis zu einem Schwellenwert von einem Prozent toleriert. Die Hersteller oder Importeure müssen allerdings ihre Bemühungen nachweisen, Rohware mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) zu vermeiden. Bei dieser Toleranzgrenze "zufälliger" und "unbeabsichtigter" Bestandteile stellt die EU in Rechnung, dass Mais und Soja mit dem Etikett "gentechnik-frei" nicht mehr garantiert werden könne. Diese Einschätzung erscheint realistisch: Allein in den USA werden bereits zu rund 60 % gentechnisch veränderte Mais- und Sojasorten angebaut.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%