Tokios Börse legt kräftig zu
Öffentliche Mittel für Japans Banken möglich

Nach der kürzlichen überraschenden Ankündigung der Bank von Japan, direkt aus den Portfolios der Banken Aktien aufkaufen zu wollen, verdichteten sich am Freitag Anzeichen für eine neue Runde öffentlicher Mittel für die unter Bergen fauler Kredite ächzenden Institute.

dpa/HB TOKIO. In Reaktion darauf legte Tokios Börse zum Wochenschluss kräftig zu: Der für die japanischen Finanzhäuser wichtige marktbreite Topix-Index stieg um 2,44 % auf 936,22 Punkte. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte zog um 2,25 % auf 9530,44 Zähler an.

Am kommenden Montag endet die erste Hälfte des japanischen Geschäftsjahres. Für die Banken ist es zugleich der Tag der Wahrheit: Dem Gesetz nach müssen sie dann ihre gigantischen Aktienpakete zum aktuellen Marktpreis bewerten und damit möglicherweise hohe Buchverluste ausweisen. Am selben Tag will Regierungschef Junichiro Koizumi eine wenn auch wohl eher kleine Kabinettsumbildung vornehmen, um den Reformkurs zu stärken. Zwar erklärte sein Regierungssprecher, es sei noch keine Entscheidung über neue Finanzspritzen für die Banken gefallen. Laut japanischen Medien wollte Finanzminister Masajuro Shiokawa jedoch seinen Kollegen beim G7-Treffen am Freitag in Washington entsprechende Vorstellungen seiner Regierung erläutern.

Bankentitel schossen am Freitag in Tokio um mehr als 4 Prozent nach oben. Brokerwerte legten in Erwartung, dass es in den nächsten Wochen mit der Börse aufwärts gehen könnte, sogar um 7 % zu. Offenbar wird davon ausgegangen, dass die Regierung sich nun klarer darüber geworden ist, wie dringlich eine Bewältigung der die gesamte Wirtschaft belastenden Problemkredite der Banken ist. Den Anstoß dazu hatte die Bank von Japan mit ihrem beispiellosen Vorstoß gegeben, zur Entlastung der Banken und Börse Teile der Aktienpakete der Banken zu kaufen.

Zwar ist der umstrittene Plan noch alles andere als konkret. Die eigentliche Zielrichtung scheint aber ohnehin gewesen zu sein, die Regierung zu den längst überfälligen Reformen anzustoßen. Die Zentralbank sprach von einer "letzten Chance" zur Lösung der Krise. Die Regierung will nun im Oktober mit verstärkten Maßnahmen aufwarten, um im Einklang mit der Bank von Japan den andauernden Preisverfall und die Sanierung der faulen Bankkredite anzugehen. Die Problemkredite will man angeblich bis 2004 in den Griff bekommen und den Strukturreformkurs über die nächsten sechs Monate beschleunigen.

Medienberichten zufolge könnte selbst der Chef der Finanzaufsichtsbehörde, Hakuo Yanagisawa, zu einer neuen und damit dritten Runde öffentlicher Hilfen nach 1998 und 1999 für die Banken bereit sein - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. So dürften sie lediglich dafür eingesetzt werden, Verluste der öffentlichen Auffanggesellschaft für Problemkredite der Banken (RCC) abzudecken, wenn die RCC von den Banken gekaufte faule Kredite weiterverkauft.

Bisher hatte Yanagisawa stur behauptet, Japans Banken seien in keiner Krise und bräuchten keine neuen Gelder zur Rekapitalisierung. Eine Finanzspritze für die Banken über eine "RCC-Lösung" könnte laut Kommentatoren Yanagisawa denn auch helfen, das Gesicht zu bewahren. Nachdem bereits über sein Ausscheiden aus der Regierung spekuliert worden war, hieß es am Freitag, Regierungschef Koizumi werde ihn am kommenden Montag im Rahmen der Kabinettsumbildung wohl doch im Amt lassen. Auch sein Finanzminister Shiokawa sowie Wirtschaftsminister Heizo Takenaka dürften demnach der Regierung weiterhin angehören.

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