Tokioter Ministerium: Industrieproduktion fällt stärker als erwartet
Japan und USA belasten Aussichten der Weltwirtschaft

Unmittelbar vor dem Jahreswechsel trüben sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft weiter ein. Neue schlechte Nachrichten kommen aus Japan und den Vereinigten Staaten.

HB DÜSSELDORF. Die schlechten Neuigkeiten aus großen Volkswirtschaften der Welt reißen nicht ab. Negative Daten für die Vereinigten Staaten stehen der Erwartung einer weichen Landung der US-Wirtschaft zwar nicht entgegen, in Japan jedoch schwindet die Hoffnung auf einen anhaltenden Aufschwung. Rezessionsfurcht greift um sich.

Nach Angaben des japanischen Industrieministeriums fiel die Industrieproduktion im November überraschend stark um 0,8 % zum Vormonat. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem saisonbereinigten Rückgang von nur 0,2 % gerechnet. Der Yen gab am Mittwoch im asiatischen Handel zum Euro und Dollar deutlich nach.

"Es ist eine weitere schlechte Nachricht, die die Wirtschaft mit ins neue Jahr nimmt", sagte Robert Feldman von Morgan Stanley Dean Witter. Die Zahlen deuteten auf eine zunehmend schlechtere Lage im Unternehmenssektor hin, hieß es bei Bankvolkswirten. Der Unternehmenssektor hatte in den vergangenen Monaten die Erholung getragen. Im Oktober war die Industrieproduktion noch um 1,6 % gegenüber dem Vormonat gewachsen.

Schon am Dienstag hatten eine steigende Arbeitslosenquote sowie sinkende Verbraucherausgaben und Einzelhandelsumsätze die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung in Japan gedämpft.

Rückläufige Exporte sowie eine Abkühlung der Weltwirtschaft könnten die Produktion weiter dämpfen, hieß es bei Analysten. "Schaut man sich die Ausfuhr-Situation und die Binnenkonjunktur an, bleibt nicht viel Raum für einen Anstieg der Industrieproduktion", sagte Noriko Hama vom Mitsubishi Research Institute.

In dieses Bild passt, dass sich die Zeichen für eine Abkühlung der US-Wirtschaft mehren. Der vom Conference Board veröffentlichte Index der Frühindikatoren ist im November erneut gefallen. Der Index liegt nun bei 105,3 Punkten, nach 105,5 Punkten im Oktober. Das sind 0,4 Punkte weniger als vor einem Jahr. Volkswirte hatten den Rückgang in dieser Größe erwartet. Ken Goldstein vom Conference Board sagte, der Indikator weise auf ein "signifikant schwächeres" Wachstum in den ersten sechs Monaten 2001 hin. Das Minus sei aber kein Zeichen für eine größere Kontraktion der US-Wirtschaft. Goldstein erwartet nach wie vor für 2001 ein nur abgeschwächtes Wachstum.

Im Mittelpunkt der US-Sorgen steht der private Verbrauch, der in den vergangenen Jahren eine treibende Kraft der Konjunktur war. Auch kräftige Verkäufe in der Vor-Weihnachtswoche verliehen dem schwachen Einzelhandel keine entscheidenden Impulse mehr. Nach dem Redbook-Bericht des privaten Forschungsinstituts Instinet Research konnten die Einzelhandelsverkäufe im Dezember gegenüber November nicht mehr zulegen.

Mit den schlechteren Perspektiven in den USA und in Japan trüben sich auch die Aussichten für die Weltkonjunktur und für die exportgetriebene Wirtschaft Euro-Lands ein. Die USA und Japan erwirtschafteten 1999 zusammen etwa 45 % des Bruttoinlandsprodukts der Welt.



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