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Toll Collect erwartet Maut-Start ohne Chaos - Auslandspläne

Das Maut-Konsortium Toll Collect erwartet nach der pannenreichen Vorgeschichte der LKW-Maut eine Einführung ohne größere Probleme. Drei Wochen vor dem geplanten Starttermin am 1.

dpa-afx BERLIN. Das Maut-Konsortium Toll Collect erwartet nach der pannenreichen Vorgeschichte der LKW-Maut eine Einführung ohne größere Probleme. Drei Wochen vor dem geplanten Starttermin am 1. Januar sagte Geschäftsführer Christoph Bellmer in einem dpa-Gespräch: "Wir fürchten auf den Autobahnen keine langen Staus. Es wird kein Chaos geben, schlimmstenfalls einige Behinderungen." Vor allem an den Grenzen wird ein reger Andrang von Lastern erwartet, die für das satellitengestützte Mautsystem noch keinen Bordcomputer haben. Als Vorsichtsmaßnahme sind mehr als 5 000 Helfer im Einsatz.

Ursprünglich sollte die Maut von durchschnittlich 12,4 Cent pro Kilometer bereits seit August 2003 erhoben werden. Wegen technischer Probleme musste das Konsortium um Telekom und Daimler-Chrysler den Start jedoch zwei Mal verschieben. Dem Bund entgingen auf diese Weise Einnahmen in Milliardenhöhe. Die endgültige Entscheidung über den Starttermin will das Bundesamt für Güterverkehr am Mittwoch bekannt geben. Bellmer gab sich überzeugt, dass Toll Collect grünes Licht bekommt. "Wir haben im Probetrieb gezeigt, dass das funktioniert."

Sorge bereitet weiterhin, dass bislang erst rund 260 000 Lastwagen mit so genannten On-Board Units (Obus) ausgestattet sind. Ursprünglich sollte der Start mit 500 000 Geräten erfolgen. Vor allem Fuhrunternehmer aus dem Ausland sind mit dem Einbau im Verzug. Die Laster ohne Obu müssen jetzt übers Internet oder an einem der 3 700 Kassenautomaten eingebucht werden. Viele Fahrer fürchten, dass sie an Grenzen und Raststätten in langen Staus stehen.

Dazu sagte Bellmer: "Wir erwarten, dass es an manchen Punkten durchaus Wartezeiten geben wird. Es wird auch Fahrer geben, die mal eine Viertelstunde warten müssen oder 20 Minuten. Aber es wird niemanden geben, der in 20 Kilometer langen Staus stehen wird." Das Konsortium hat insgesamt 50 Mautstellen ausgemacht, wo es längere Wartezeiten geben könnte. Dazu zählen beispielsweise die Grenzübergänge Kehl und Frankfurt (Oder), die Autobahn-Raststätte Aachen-Lichtenbusch sowie der Hamburger Hafen.

Um einen reibungslosen Start zu garantieren, hat Toll Collect vom 15. Dezember an rund um die Uhr ein zentrales Lagezentrum im Einsatz. An den Mautstellen selbst werden 5 200 Helfer postiert. Mautpflicht besteht dann in der Neujahrsnacht ab 00.00 Uhr. Wegen des Fahrverbots am Feiertags-Wochenende 1./2. Januar w

Bei einem erfolgreichen Start soll das Maut-System ins Ausland verkauft werden. Die beiden Konsortialpartner Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler bewerben sich bereits in Großbritannien, wo 2008 ein satellitengestütztes System eingeführt werden soll. Als weitere Interessenten in unmittelbarer Nachbarschaft nannte Bellmer Tschechien, Dänemark und die Benelux-Länder. Der frühere Telekom - Manager war erst nach dem Debakel im vergangenen Jahr zu Toll Collect gekommen.

In Deutschland wird das Konsortium nach eigenen Angaben bis 2019 keinen Gewinn machen. Grund dafür sind die hohen Anlaufkosten wegen der bisherigen Pannen, die sich nach Bellmers Angaben bereits auf "weit über eine Milliarde Euro" belaufen. Zudem verlangt der Bund von dem Konsortium wegen der verspäteten Einführung mehr als 4,5 Mrd. Euro Vertragsstrafe und Schadenersatz. Die Firmen weisen die Forderung zurück.

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