Tommy Haas meutert
Streit um Beckers Einsatz im Daviscup

Im deutschen Tennis bahnt sich gut zwei Wochen vor dem Daviscup-Abstiegsspiel gegen Venezuela eine neue Kontroverse an. Nach dpa-Informationen spielt Kapitän Michael Stich mit dem Gedanken, den 34-jährigen Boris Becker in die Mannschaft zu holen. Für diesen Fall erwägt Thomas Haas einen Verzicht auf seinen Einsatz vom 20. bis zum 22. September in Karlsruhe.

HB NEW YORK/HAMBURG. "Ich finde es besser, wenn Boris als Zuschauer mitkommt", sagte der 24-jährige Hamburger nach seinem Ausscheiden im Achtelfinale der US Open in New York.

"Ich werde dies im Moment nicht kommentieren. Die Mannschaft ist noch nicht nominiert, aber wir müssen etwas für das deutsche Tennis tun", erklärte Michael Stich zu den Spekulationen am Mittwoch der dpa. Anfang vergangener Woche war der Kapitän zu einem Kurzbesuch in New York, um mit den deutschen Daviscup-Aspiranten Kontakt aufzunehmen.

Aus dem Umkreis von Becker war am Mittwoch zu hören, dass er durchaus Interesse an einem Einsatz habe und sich topfit fühle. Haas selbst würde erstmals nach seinem Daviscup-Boykott in Karlsruhe antreten, mit Becker im Team aber wohl kaum. "Ich habe mich mit Rainer Schüttler darüber unterhalten, und wir sind beide der gleichen Meinung", erklärte der derzeit beste deutsche Tennis-Profi. Auf die Frage, ob beide nicht antreten würden, wenn Becker spielt, antwortete Haas: "Eventuell."

Was zunächst wie ein PR-Gag klingt, hat offenbar einen ernsthaften Hintergrund. "Ein Auftritt von Boris Becker wäre für die Veranstaltung und für die Zuschauer sicher eine Bereicherung", meinte der Pressesprecher der Deutschen Tennis-Bundes (DTB), Toralf Bitzer. "Die Entscheidung liegt jedoch allein bei Kapitän Stich." Ein Auftritt Beckers würde dem Zitterspiel gegen Venezuela sicher zu neuem Glanz verhelfen - wenn Stich es schafft, die Interessen aller deutschen Spieler zu einen. Die Aktivitäten dokumentieren auch den neuen Schulterschluss der früheren Rivalen Becker und Stich, die konstruktiv an der Zukunft des deutschen Tennissports mitarbeiten wollen. Am Montag will Kapitän Stich sein Team für Karlsruhe nominieren.

Erste Gedankenspiele um einen Einsatz im Daviscup-Doppel hatte es bereits im August bei einem Schaukampf der beiden deutschen Tennis- Größen Stich und Becker in Berlin gegeben. "Dafür, dass ich fünf Jahre nicht gespielt habe, war Boris manchmal ein bisschen zu schnell", kommentierte Stich nach der Niederlage, ein gemeinsames Doppel im Daviscup schloss er aus. Auf die Frage, ob er sich einen Doppel-Einsatz vorstellen könne, hatte Becker in Berlin auf Stichs Verantwortung verwiesen. Der wiederum hatte erklärt, es sei wohl besser, den "Nachwuchs" im Daviscup einzusetzen.

Seine ansteigende Form und Fitness will Boris Becker nun am Samstag bei einem Schaukampf gegen John McEnroe im Rahmen der US Open präsentieren. Nach der schwachen Leistung des Doppels von David Prinosil und Haas-Ersatz Michael Kohlmann bei der Erstrunden- Niederlage im Daviscup im Februar gegen Kroatien (1:4) wäre ein Einsatz gegen Venezuela aber auch sportlich durchaus vorstellbar.

Mit einer Nominierung von Becker würde einer der erfolgreichsten deutschen Daviscup-Spieler sein Comeback bei den Profis geben. Bei 66 Einsätzen von 1985 bis 1999 für Deutschland ging Becker 54-mal als Sieger vom Platz. Zuletzt spielte er im Erstrundenspiel 1999 in Frankfurt gegen Russland (2:3) im Doppel an der Seite von David Prinosil und verhalf dem deutschen Team zu einem allerdings bedeutungslosen Punkt. Im Dezember 1999 war Boris Becker nach gut zwei Jahren als Teamchef der deutschen Daviscup-Mannschaft zurück getreten.

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