Ton im Streit um Atomprogramm verschärft
Nordkorea weist Uno-Inspektoren aus

Im Streit um sein Atomprogramm hat Nordkorea die beiden im Land tätigen UNO-Inspektoren am Freitag zur Ausreise aufgefordert. Ein Verbleiben der Inspektoren in Nordkorea sei nicht länger gerechtfertigt, heißt es in einem Brief Nordkoreas an die die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), der Reuters vorlag.

Reuters SEOUL. Die USA riefen den kommunistischen Staat dazu auf, sein Atomwaffenprogramm auf nachprüfbare Weise zu stoppen. Die IAEA sieht nach einer Ausweisung ihrer Inspektoren keine Möglichkeit mehr, nordkoreanische Atomanlagen zu überwachen.

In dem nordkoreanischen Brief hieß es weiter, die Aufgabe der Inspektoren in Yongbyon sei zu einem natürlichen Ende gekommen. Die Inspektoren sollen einen Reaktor überwachen, in dem waffentaugliches Plutonium hergestellt werden kann. Nordkorea hatte die Wiederaufnahme des Programms damit begründet, nach dem Ausbleiben von US-Heizöllieferungen auf diesem Weg Strom gewinnen zu müssen.

Die USA befürchten nach eigenen Angaben, Nordkorea könne mit Hilfe der Atomanlage in Yongbyon und zweier weiterer Kraftwerke 55 Atombomben im Jahr bauen. Der Reaktor in Yongbyon war 1994 im Rahmen des mit den USA geschlossenen Abkommens stillgelegt worden. Damals hatte sich Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogrammes verpflichtet. Im Gegenzug hatten die USA dem Land kostenlose Heizöllieferungen und Hilfe beim Bau zweier Leichwasserreaktoren zur zivilen Nutzung zugesagt. Nachdem Nordkorea im Oktober US-Angaben zufolge eingestanden hatte, sein Atomprogramm wieder aufgenommen zu haben, suspendierten die USA die Heizöllieferungen.

USA fordern Zerstörung des Atomwaffenprogrammes

Die USA forderten Nordkorea auf, "sein Atomwaffenprogramm in nachweisbarer Weise zu zerstören". Mit der Ankündigung, die Inspektoren auszuweisen, habe Nordkorea ein weiteres Mal gegen die Vereinbarungen mit der IAEA verstoßen, sagte eine Sprecherin des US-Präsidialamts weiter. Die USA lehnten Gespräche mit Nordkorea ab. Man werde nicht "mit Verhandlungen auf Drohungen und gebrochene Vereinbarungen antworten", sagte sie. Die USA und seine Verbündeten suchten nach einer friedlichen Lösung, fügte sie hinzu.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, in der Regierung von Präsident George W. Bush gebe es Befürchtungen, der Konflikt mit Nordkorea könne den Eindruck erwecken, Nordkorea sei eine größere Gefahr als Irak. Dies könne die Position der USA im Konflikt mit Irak schwächen, hieß es. Bush hatte Nordkorea, Irak und Iran vorgeworfen, nach Massenvernichtungswaffen zu streben und die drei Länder als "Achse des Bösen" bezeichnet.

Die IAEA bestätigte, Nordkorea habe die Behörde schriftlich zum Abzug seiner Inspektoren aufgefordert. Mit einer Ausweisung verliere die Behörde die letzte Möglichkeit, das Atomprogramm Nordkoreas zu überprüfen, teilte IAEA-Chef Mohamed ElBaradai mit. Zuvor hat Nordkorea in den vier Nuklearanlagen des Landes bereits die meisten der von der IAEA angebrachten Siegel gebrochen und Überwachungskameras abgebaut. ElBaradei erarbeite gemeinsam mit seinem Team ein Antwortschreiben an Nordkorea, sagte ein Sprecher.

Ton verschärft

Nordkorea verschärfte seinen Ton gegen die USA. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA warf den USA vor, das politische System Nordkoreas stürzen zu wollen. Die Forderungen nach einem Ende des Atomprogramms seien nur das Vorspiel für einen Überraschungsangriff der USA.

Russland warf den USA eine Mitschuld an der jüngsten Krise vor. Die USA, die Europäische Union (EU), Japan und Südkorea, hätten Vereinbarungen über die Energieversorgung in Nordkorea nicht eingehalten. Das habe dazu geführt, "dass Nordkorea ohne Energie dasteht", sagte Atomenergieminister Alexander Rumjanzew. Zudem sagte er, Nordkoreas Industrie sei nicht in der Lage, Atomwaffen zu bauen.

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