Ton verschärft sich
Irak-Streit: SPD übt scharfe Kritik an US-Botschafter

Der Botschafter hatte die Bündnistreue der Deutschen in Zweifel gezogen. Das findet SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler "unerhört".

ddp BERLIN. Im Streit zwischen Deutschland und den USA um die Irak-Politik verschärft sich die Tonlage weiter. SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler kritisierte den US-Botschafter in Deutschland, Daniel Coats, scharf. Stiegler wertete dessen Zweifel an der Bündnistreue Deutschlands in den "Stuttgarter Nachrichten" als unerhört. Coats hatte gesagt, die Politik der Bundesregierung isoliere sie von der Hauptrichtung der Meinungen in der EU, und hinzugefügt, er habe Zweifel an der Enge der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Stiegler hielt dem entgegen: "Ein Bündnispartner kann und muss kritisch sein und seine Interessen wahren. Wir haben kein Interesse an einem Irak-Krieg."

Der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler hält dagegen der US-Regierung vor, sich international isoliert zu haben. "Der gerade zu Ende gegangene Weltgipfel in Johannesburg hat gezeigt, dass es in der Tat einen großen Unterschied gibt in der Auffassung zwischen der großen Mehrheit der Länder dieser Erde und der amerikanischen Regierung", sagte Erler der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Er hoffe sehr, "dass diese Lücke auch wieder kleiner wird". Die ungewöhnlich scharfe öffentliche Kritik von Coats erklärt sich der Fraktions-Vize mit der inneramerikanischen Debatte über einen Krieg gegen den Irak.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt wirft indes der Bundesregierung vor, die Hauptschuld an "ernsthaften Störungen" des Verhältnisses zu den USA zu tragen. Es sei legitim, in der Irak-Frage eine andere Position zu haben als US-Präsident Bush, sagte Gerhardt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Durch die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Bundesregierung in den letzten Monaten sei jedoch die Situation jetzt derart kulminiert. Auch Gerhardt betonte, man müsse den "amerikanischen Freunden" dringend davon abraten, im Alleingang im Irak zu intervenieren.

Der CDU-Außenpolitiker Wolfgang Schäuble warf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, mit einem "Alleingang" die europäische Position zu schwächen. Nicht einmal China und Russland verhielten sich in der Irak-Frage wie Deutschland. sagte Schäuble dem Berliner "Tagesspiegel".

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