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Ton zwischen Israeli und Palästinenser verhärtet sich

Bei Zusammenstößen bei Nablus im Westjordanland erschossen jüdische Siedler nach Angaben von Augenzeugen einen Palästinenser, durch Schüsse palästinensischer Polizisten wurden vier Israeli verletzt.

afp JERUSALEM. Zwei Tage nach der Übereinkunft von Scharm el Scheich hat sich der Ton zwischen Israeli und Palästinenser wieder verschärft. Beide Seiten beschuldigten sich am Donnerstag gegenseitig, die Vereinbarungen zur Beendigung der Gewalt nicht einzuhalten. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat warf Israel vor, mit Militärsperren und Blockaden "auf krasse Weise" gegen die Vereinbarung zu verstoßen. Israel sprach von einer "zweifelhaften Umsetzung" der Übereinkunft durch die Autonomiebehörde. Innenminister Schlomo Ben Ami warnte vor möglichen Anschlägen eines palästinensisches Terrorkommandos in Jerusalem oder der Region von Tel Aviv. Bei Zusammenstößen bei Nablus im Westjordanland erschossen jüdische Siedler nach Angaben von Augenzeugen einen Palästinenser, durch Schüsse palästinensischer Polizisten wurden vier Israeli verletzt.

Erakat berichtete US-Vertretern, Israel halte die Blockade über eine Reihe von Palästinensergebieten aufrecht. Nach wie vor bewachten israelische Soldaten zudem die Zugänge zu palästinensischen Städten und Flüchtlingslagern. Nach Angaben seines Büros sprach Erakat mit dem US-Konsul in Israel, Ronald Schlicher, sowie telefonisch mit einer Reihe weiterer Vertreter des US-Außenministeriums, darunter auch dem Nahost-Gesandten Dennis Ross. Auch auf einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zum Nahost-Konflikt griffen sich Israeli und Palästinenser scharf an.

Gewaltsame Zusammenstöße wurden außer in Nablus auch in der Nähe von Jerusalem und im Gazastreifen gemeldet. Die Zahl der seit Beginn der Unruhen Ende September getöteten Menschen stieg auf 113. Die meisten der Opfer sind Palästinenser, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche. Bei einer Gas-Explosion in Bethlehem starben zwei Mitglieder der Leibgarde von Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt.

Zugleich gab es jedoch auch Zeichen der Entspannung. Am Morgen startete ein erstes Flugzeug vom palästinensischen Flughafen in Gaza, dessen Wiedereröffnung Israel im Zuge der Vereinbarung von Scharm el Scheich genehmigt hatte. Der Grenzübergang Karni im Gazastreifen wurde wieder geöffnet. In Hebron, der größten Stadt im Westjordanland, wurden mehrere Straßensperren aufgehoben und die Ausgangssperre gelockert. Mit dem Abbau einer Straßensperre bei Ramallah erfüllte Israel eine weitere Bedingung der Vereinbarung.

Israel setzte unterdessen die Fahndung nach den Lynchmördern fort, die vor einer Woche im Westjordanland zwei israelische Soldaten getötet hatten. Am Mittwoch hatte der israelische Geheimdienst in Ramallah bereits acht tatverdächtige Palästinenser festgenommen.

Auf dem Außenministertreffen der Arabischen Liga zur Vorbereitung des Gipfeltreffens der Organisation am Wochenende in Kairo kristallisierten sich nach Angaben von Teilnehmern zwei Positionen heraus. Demnach will Ägypten Israel ein "Ultimatum" zur Einhaltung der Vereinbarung stellen und - ebenso wie Jordanien - gegebenenfalls seine Beziehungen zum jüdischen Staat "überdenken". Dagegen drohten Syrien und Libanon mit dem Abbruch der Beziehungen zu Israel. Saudi-Arabien wolle eine Kompromissposition einnehmen. Ein enger Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, Danny Jatom, äußerte die Hoffnung auf einen "mäßigenden Einfluss" Ägyptens bei dem Gipfel.

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