Tonband-Aufzeichnungen vorgestellt
Powell wirft Irak Verstöße vor und droht Konsequenzen an

US-Außenminister Colin Powell hat Irak schwerwiegende Verstöße gegen zentrale Abrüstungsauflagen der UNO vorgeworfen und dem Land indirekt einen Militärschlag angedroht. Vor dem UNO-Sicherheitsrat bezichtigte Powell die Führung im Irak zudem, Mitgliedern der Extremisten-Organisation el Kaida Unterschlupf zu gewähren.

Reuters NEW YORK. Powell warf der irakischen Regierung unter Präsident Saddam Hussein am Mittwoch vor, sie verstecke Waffen und Dokumente, täusche die Uno-Inspekteure und unternehme keine Anstrengungen zur Abrüstung. Die Uno habe Irak eine letzte Chance eingeräumt: "Bisher nutzt Irak diese letzte Chance nicht. Was auch immer vor uns liegt, wir dürfen nicht davor zurück schrecken", sagte er in Anspielung auf einen möglichen Krieg. International legten die Aktienmärkte nach der Rede offenbar wegen der Einschätzung zu, dass ein Alleingang der USA unwahrscheinlicher geworden ist und Powell mit seiner Rede eine "gewisse Entspannung" in die Krise gebracht habe. Vor der Sitzung hatten sich Deutschland und Frankreich gegen schnelle Entscheidungen über Konsequenzen aus dem Bericht ausgesprochen.

"Ich glaube, dass Irak weitere substanzielle Verstöße gegen seine Auflagen begeht", sagte Powell. Er verwendete in seinem Bericht die Begriffe der Uno-Resolution 1441, die Irak bei "schwerwiegenden Verstößen" mit "ernsthaften Konsequenzen" droht, möglicherweise also einem Angriff. "Irak hat sich selbst der Gefahr der schwerwiegenden Konsequenzen ausgesetzt."

In seinem rund 75-minütigen Bericht führte Powell im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Uno) in New York Tonbänder, Fotos, Satellitenaufnahmen und Berichte irakischer Überläufer vor, um die Vorwürfe zu untermauern. Er wollte damit auf eine schnelle Entscheidung des Sicherheitsrats über das weitere Vorgehen drängen und die Kritiker der US-Politik überzeugen, dass zur Entwaffnung Iraks ein Krieg nötig sein könnte. Er warnte, die Vereinten Nationen könnten sich selbst bedeutungslos machen, wenn sie auf Verstöße Iraks gegen ihre Auflagen nicht reagierten.

Videos und Tonbandaufnahmen vorgelegt

Powell spielte den anderen 14 Mitgliedern des Rates, in dem Bundesaußenminister Joschka Fischer den Vorsitz führte, ein Tonband vor, in dem seinen Angaben zwei irakische Offiziere über die Beseitigung von Beweisen eines Waffensprogramms sprachen. "Dies ist Teil einer Politik der Ausflüchte und Täuschungen, die zwölf Jahre zurück geht, einer Politik, die auf den höchsten Ebenen des irakischen Regimes festgelegt wurde", sagte Powell.

Weiter warf er Irak vor, über große Mengen chemischer Kampfstoffe zu verfügen. Nach einer sehr konservativen Schätzung gingen die USA von einer Menge von 100 bis 500 Tonnen aus, sagte Powell. Bereits diese Menge reiche für bis zu 16 000 Raketen aus. Saddam Hussein habe seinen Offizieren jüngst den Einsatz chemischer Waffen gestattet, wenn dies nötig sei.

Powell warf Irak zudem Verbindungen zur El-Kaida-Gruppe vor, die die USA für die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington verantwortlich machen. "Irak gewährt einem terroristischen Netz Unterschlupf, das von Abu Musab Sarkawi angeführt wird. Er ist ein Verbündeter von Osama bin Laden und dessen El-Kaida-Gruppe", sagte Powell. Einige Mitglieder seiner Gruppe könnten in Bagdad ungehindert operieren.

Powell zeigte dem Rat Satellitenfotos, die nach seinen Angaben zeigten, dass ein Munitionsbunker vor Eintreffen der Uno-Inspekteure gesäubert wurde, die dann nichts fanden. "Diese Sequenz von Ereignissen weckt den besorgniserregenden Verdacht, dass Irak einen Tipp (über die Inspektion) bekommen hatte."

Fischer sagte vor Powells Rede zu den angekündigten Beweisen: "Eine direkte Auswertung wird wohl nicht funktionieren, weil da müssen die Experten ran." Auch die französische Europaministerin Noelle Lenoir sagte vor der Sitzung des Sicherheitsrats, die Waffeninspektoren müssten die Informationen möglicherweise vor Ort verifizieren.

Deutschland und Frankreich setzen sich gemeinsam mit Russland und China, wie Frankreich im Sicherheitsrat Veto-Recht haben - für eine Fortsetzung der Inspektionen ein. Die USA und Großbritannien wollen Irak nur noch wenige Wochen Zeit lassen, sich den Abrüstungsforderungen der Uno zu unterwerfen.

Märkte legen zu

Nach Beginn der Rede von Powell haben die US-Börsen ihre Kursgewinne ausgebaut. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte rund eine halbe Stunde nach Rede-Beginn mit 0,9 % im Plus auf 8 084 Punkten, der technologielastige Nasdaq-Index kletterte 1,34 % auf 1 323 Zähler. Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte ebenfalls leicht zu. Händler bezeichneten die Powells Belege gegen Irak zunächst als dünn. Gold - ein traditionell gefragtes Investment in Krisenzeiten - verbilligte sich gegenüber seinen Tageshöchstständen auf 377 Dollar je Feinunze von 388 Dollar am Morgen.

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