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Tony Blair: Alles, was ein Politiker braucht

afp LONDON. Tony Blair hat alles, was der perfekte Politiker im Medienzeitalter braucht: Er wirkt jugendlich, ist intelligent, telegen, hat eine vollkommene Familie und eine starke christliche Überzeugung. Mit seinem Wahlsieg am Donnerstag dürften für ihn kaum noch Wünsche offen bleiben, schließlich kann er sich nun zu den erfolgreichsten Politikern der vergangenen Jahrzehnte zählen: Als erster Labour-Regierungschef in der Parteigeschichte könnte er nun eine zweite vierjährige Amtszeit bis zum Ende durchstehen. Blair ist populär - kein Zweifel. Trotzdem ist das Bild des erfolgsverwöhnten Medienstars nicht völlig ungetrübt. Viele Menschen haben den Eindruck, der 48-Jährige sei ein bisschen zu sehr an der Wirkung seiner Regierung in der Öffentlichkeit interessiert - zu Lasten der Frage, ob die Politik im Interesse Großbritanniens ist.

Dem aus einer konservativen Familie stammenden Blair gelang es nach der Übernahme des Parteivorsitzes 1994, Labour vom linken Rand in die Mitte hin zu orientieren. Mit einer Mischung aus rücksichtslosem Parteimanagement, enormem Darstellungstalent und einem unschlagbaren Gefühl dafür, was Mittelklasse-Wähler hören wollen, brachte er das Kunststück zu Wege. Sogar der Tory John Major, der 1997 mit Pauken und Trompeten die Wahl gegen Labour verlor, gestand Blair in seinen Memoiren "persönliche, politische und philosophische Stärken" zu.

Seine politische Karriere startete Blair, als er als junger Jurist seine spätere Frau Cherie Booth kennenlernte. Booth, selbst eine erfolgreiche Anwältin, stammt aus einer linksorientierten Familie. Die beiden heirateten 1980, bekamen drei Söhne und eine Tochter. 1983 gewann Blair im Wahlkreis Sedgefield im Norden Englands einen Sitz im Parlament. Dort schloss er sich dem Reformflügel der Labour-Partei an. Als John Smith 1994 an einem Herzinfarkt starb, fiel die Wahl der Modernisierer in der Partei auf Blair.

Nach seiner Wahl zum Premierminister 1997 gelang es ihm mit Hilfe von Finanzminister Gordon Brown, für Großbritannien eine bis dahin nicht gekannte wirtschaftliche Stabilität und Wachstum zu erreichen. Er setzte Regionalparlamente für Schottland und Wales durch, rang erfolgreich um eine Friedensregelung für Nordirland und hob die Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Verkehr an ohne massive Steuererhöhungen. Auch international machte Blair sich für Großbritannien stark, indem er eine produktive Partnerschaft mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton einging und sich nachdrücklich für eine militärische Intervention im Kosovo aussprach.

Allerdings hängt Blair der Ruf an, dass er aus Angst um Wählerstimmen Reformprojekte vor sich herschiebt. Einige Kritiker sprechen gar von einem "moralischen Vakuum" im Herzen der Regierung. Ein ehemaliger Freund und politischer Weggefährte, Ken Follett, wirft Blair vor, er versuche Probleme wie ein Anwalt zu lösen, indem er prüfe, was die Regeln sagen. "Er scheint nicht über starke innere Überzeugungen zu verfügen, die ihm eine sichere Entscheidung in einer moralisch komplexen Angelegenheit ermöglichen. " Blair selbst sieht das anders. Er formulierte sein politisches Credo einmal folgendermaßen: "Macht ohne Prinzipien ist unproduktiv, aber Prinzipien ohne Macht sind nutzlos."

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