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Tonys Pech auf dem Immobilienmarkt

Tony Blair muss einfach die Wahl gewinnen - er braucht den Job. Schließlich hat er sich auf dem Immobilienmarkt verspekuliert. 3,5 Millionen Pfund, also 5,1 Millionen Euro, hat der Prime Minister nach Zeitungsberichten im Oktober für ein geräumiges Stadthaus am Connaught Square bezahlt.

Tony Blair muss einfach die Wahl gewinnen - er braucht den Job. Schließlich hat er sich auf dem Immobilienmarkt verspekuliert. 3,5 Millionen Pfund, also 5,1 Millionen Euro, hat der Prime Minister nach Zeitungsberichten im Oktober für ein geräumiges Stadthaus am Connaught Square bezahlt. Das Haus ist nur ein paar Schritte vom Hyde Park und von der Einkaufsstraße Oxford Street entfernt - viel besser könnte es also nicht liegen. Doch es dauerte ein halbes Jahr, bis die Blairs endlich Mieter gefunden hatten, einen Kino-Regisseur und eine Filmproduzentin. Die allerdings zahlen statt der geforderten 15 000 Pfund im Monat nur 8000, wie Makler den Zeitungen steckten. Eine böse Pleite.


Die Blairs hatten einfach ein schlechtes Timing. Jahrelang waren Londoner Hausbesitzer quasi im Schlaf immer reicher geworden. "Buy to let", also Immobilien als Renditeobjekte, waren bei niedrigen Zinsen eine großartige Geldanlage. Doch die Zeiten sind vorbei. Schockiert mussten Immobilienbesitzer gerade zur Kenntnis nehmen, dass die Hauspreise im März zum ersten Mal seit vier Jahren nur noch einstellig gewachsen sind. Jämmerliche plus 7,9 Prozent, wo sie doch 15 Prozent im Jahr gewohnt waren!

Das Mitleid hält sich bei mir allerdings in Grenzen. Schließlich ist es nach wie vor das Wohnen, das London zur teuersten Metropole macht. Denn das Haus der Blairs ist ja keineswegs eine prunkvolle Villa am obersten Rand des Marktes, sondern ein relativ normales Stadthaus im Londoner Westen. Von diesen Häusern gibt es zwei Grundtypen: die bescheidenere, schmale mit fünf Zimmern kostet in Notting Hill - wo ich gerade übergangsweise ein Zimmer für 300 Pfund die Woche bewohne - runde 1,5 Millionen Pfund, die üppigere, breitere und höhere mit acht Zimmern über vier Millionen Pfund. Letztere ist nicht nur bei Pop- und Filmstars beliebt, sondern auch bei Bankern. Darum heißen die Stadtteile um den Hyde Park auch "Bonus Belt". Wer es sich leisten kann, kauft sich ein solches Haus, wie gerade bei mir in der Nähe, reißt es bis auf die denkmalgeschützte Fassade ab und baut dahinter eine komplett neue Villa nach eigenem Geschmack. Da kommt man dann schon mal auf zweistellige Millionenwerte.

Auf die Villa am Hyde Park verzichten wir dann also. Doch schon ein familiengeeignetes Reihenhaus oder eine Doppelhaushälfte mit guter Bahnanbindung am Stadtrand ist nur schwer für unter 3000 Pfund im Monat zu finden. Kalt und vor Gemeindesteuern natürlich. Also kann ich dem Krisenszenario der Investmentbank Lehman Brothers, die eine 17-prozentige Abwärtskorrektur der Hauspreise für möglich hält, durchaus etwas abgewinnen. Rein privat natürlich. Sorry, Tony.

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