Top-50 Unternehmen konnten die Erlöse um 23 % steigern
US-Biotech: Die Starken werden stärker

Die amerikanische Biotech-Industrie strotzt weiterhin vor Kraft und Zuversicht. Die führenden Unternehmen der Branche dürften auf absehbare Zeit ihre starke Position verteidigen, womöglich sogar noch ausbauen.

DÜSSELDORF. Dafür sprechen nicht zuletzt die Geschäftsdaten der führenden 50 US-Biotech-Firmen. Diese Gruppe repräsentiert - gemessen an der Gesamtzahl aller Biotechfirmen - zwar nur einen kleinen, dafür aber besonders gewichtigen Ausschnitt aus der Branche. Die Top-50 der US-Biotechbranche haben nach unseren Berechnungen im vergangenen Jahr ihre Erlöse im Durchschnitt um rund 23 % gesteigert und wachsen damit in etwa doppelt so schnell wie die Pharmabranche insgesamt. Rund ein Drittel dieser Unternehmen ist inzwischen profitabel und verbucht dabei einen positiven Cash-Saldo. Das heißt sie erwirtschaftet im laufenden Geschäft bereits mehr liquide Mittel als sie verbrauchen. Der Cash-Überschuss der Spitzenunternehmen ist inzwischen so hoch, dass damit der Cash-Bedarf der nachfolgenden 30 - 50 Unternehmen mehr als kompensiert werden könnte. Würden sich die führenden 50 US-Biotechunternehmen zusammenschließen, würde daraus ein wachstumsstarker und äußerst innovativer Pharmakonzern entstehen, der finanziell komplett auf eigenen Beinen steht, also nicht mehr auf weitere Mittelzuflüsse vom Kapitalmarkt angewiesen wäre.

Tabelle der US-Unternehmen

Im 1. Quartal 2001 stiegen die Umsätze der Top50 im Schnitt um rund 24 %. Getragen wird die Entwicklung sowohl von kräftig steigenden Medikamenten-Verkäufen als auch von höheren F+E-Zuschüssen aus der Kooperation mit großen Pharmakonzernen. Der Kreis der profitablen US-Biotech-Unternehmen dürfte sich im laufenden Jahr um mindestens vier bis fünf Kandidaten vergrößern. Dafür sprechen die Quartalszahlen wie auch die Erwartungen vieler Analysten und Branchenkenner. Insgesamt scheint in der Branche jedoch die Neigung zu dominieren, zulasten der Betriebsergebnisse weiterhin stark in den Ausbau von Forschung und Technologie zu investieren. Das addierte operative Ergebnis der führenden 50 Unternehmen verbesserte sich nach unseren Berechnungen um rund 14% auf 575 Mill. $ und wird dabei vor allem von den bereits hochprofitablen Unternehmen Amgen, Genentech, Alza, Biogen und Medimmune getragen. Der addierte Nettogewinn verdoppelte sich auf 410 Mill. $.

Diese divergierende Entwicklung reflektiert unter anderem die inzwischen enorme Liquidititäts-Ausstattung der US-Biotechbranche. Die führenden 50 Unternehmen dürften im laufenden Jahr deutlich mehr als 1 Mrd. $ an Zinseinnahmen verbuchen. Von den mehr als 30 Mrd. Dollar neuer Mittel, die im vergangenen Jahr in die US-Branche flossen, hat die Gruppe der Top-50-Unternehmen knapp die Hälfte kassiert. Sogar einige Unternehmen, die bereits schwarze Zahlen schreiben (wie Idec oder Gilead), nutzten die Gunst der Börseneuphorie, um ihre Kassen kräftig aufzufüllen. Das hat unter anderem dazu beigetragen, dass die Spitzengruppe mit der Rekordsumme von 25 Mrd. $ Liquidität in das Jahr 2001 starten konnte. Selbst die Unternehmen, die noch keine eigenen Pharmaprodukte vermarkten und Cash verbrauchen, reichen die vorhandenen Mittel nach unseren Berechnungen noch für durchschnittlich gut acht Jahre. Die amerikanischen Biotechfirmen schwimmen damit regelrecht im Geld. Bei etlichen Unternehmen decken die Zinseinnahmen einen Großteil der Forschungsausgaben.

Die enorme Cash-Position gibt den Branchenführern nun zum einen die Möglichkeit, ihre Forschung noch weiter voranzutreiben und ihre Produkte stärker als bisher in eigener Regie weiterzuentwickeln. Das führt in der Tendenz unter anderem dazu, dass neue Wirkstoffe erst in einer späteren Phase an die Pharmaunternehmen auslizenziert werden. Immer häufiger sichern sich Biotech-Unternehmen bei diesen Deals auch eigene Vermarktungsrechte.

Ihre starke Cash-Position versetzt die Branchenführer zum anderen auch in die Lage, aktiver als bisher die Konsolidierung in der Branche voranzutreiben. Die Konzentration der Finanzierungsmittel könnte sich damit als zusätzlicher Hebel dafür erweisen, die Starken der Branche noch stärker zu machen.

In welchem Umfang die US-Firmen diese Möglichkeiten nutzen werden, um sich eigene Pharmaaktivitäten zu erwerben, bleibt indessen abzuwarten. Bisher konzentrieren sich Fusionen innerhalb der US-Biotechbranche eher auf Transaktionen, die auf eine Ergänzung der Produkt-Pipeline oder der Technologie-Plattform zielten. Ein typisches Beispiel dafür ist die kürzlich besiegelte Übernahme von Aurora Bioscience durch Vertex Pharmaceuticals.

Produkt-Pipeline verheißt Wachstum

Für ein weiterhin kontinuierliches Wachstum der US-Biotech-Branche spricht vor allem das Produkt- und Entwicklungs-Portfolio der Unternehmen. Die führenden US-Biotech-Firmen erzielen schon heute erhebliche Umsätze mit Pharmaprodukten aus eigener Entwicklung, die im Laufe der 90er Jahre auf den Markt kamen. Für viele dieser Biotech-Medikamente besteht noch Spielraum, die Einsatzbereiche (Indikationen) zu verbreitern und damit zusätzliche Umsätze zu erschließen. Ferner dürfte sich der Nachschub aus den Labors in den kommenden Jahren tendenziell eher noch verbessern. Für eine Reihe von Neuentwicklungen, darunter Produkte von Imclone, Aviron, Genentech und Millenium wird eine Marktzulassung im laufenden Jahr erwartet.

Die führenden 50 Firmen verfügen derzeit über mehr als 200 potenzielle Medikamente in der klinischen Entwicklung, davon etwa ein Drittel in der abschließenden Phase III und annähernd zwei Dutzend in der Zulassungsphase. Selbst wenn man relativ hohe Ausfallraten unterstellt, dürften daraus genügend Neuzulassungen hervorgehen, um die bisherigen Dynamik der Branche aufrecht zu erhalten. Dies gilt umso mehr als inzwischen ein immer größerer Anteil der Produkte von den Biotech-Firmen selbst vermarktet wird.

Die Verhandlungsposition der Branche gegenüber "Big Pharma" hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. Das führte unter anderem dazu, dass Biotech-Unternehmen nicht nur höhere Lizenzgebühren aushandeln, sondern sich auch in wachsendem Umfang Co-Marketing-Rechte sichern konnte. Als wegweisend in dieser Hinsicht gelten unter anderem die Allianzen die Aventis mit Millenium und Bayer mit Curagen vereinbarten. In beiden Fällen teilen sich die Partner sowohl die Entwicklungskosten als auch die Vermarktungsrechte für Medikamente, die aus der Kooperation hervorgehen. Die Effekte dieser veränderten Machtbalance zwischen Biotech und Pharma wird im operativen Geschäft der Unternehmen erst in einigen Jahren zu erkennen sein.

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