Top-Favoriten straucheln gleich reihenweise
Der „fünfte Grand-Slam" hat eigene Gesetze

Venus Williams, Roger Federer, Andy Roddick oder auch Nicolas Kiefer - sie alle sind abgebrühte Profis im Millionen-Spiel des Tennis-Zirkus. Doch das Olympia-Aus, das sie vereint, lässt niemanden von ihnen kalt.

HB ATHEN. Das olympische Tennis-Turnier ist lediglich mit Edelmetall dotiert, doch die früh gescheiterten Schwerverdiener der Branche waren am Boden zerstört. "Das hier ist der Inbegriff des Sports", sagte Venus Williams, die knapp 14 Mill. Dollar Preisgeld angehäuft hat, nach ihrer Achtelfinal-Niederlage in Athen mit versteinerter Miene. "Ich bin fix und fertig", meinte ihr Landsmann Andy Roddick, der einen Tag nach seinem Sieg über Thomas Haas ausschied. Und Nicolas Kiefer weinte bitterlich, als sein "Kindheitstraum" von einer Einzel-Medaille platzte.

Das nur alle vier Jahre stattfindende "fünfte Grand-Slam-Turnier" hat eigene Gesetze. Statt ums große Geld geht es ums Prestige. Steffi Graf machte 1988 mit ihrem Olympiasieg den "Golden Slam" perfekt und schwärmt noch heute vom Wir-Gefühl in Seoul: "Olympia ist das Größte für mich." Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker siegte bei seiner einzigen Olympia-Teilnahme 1992 mit Michael Stich im Doppel und sagt über das Gold von Barcelona: "Es war ein absoluter Höhepunkt meiner Karriere."

Umso bitterer, wenn die vielleicht einmalige Medaillen-Chance ungenutzt bleibt. In Athen strauchelten die Top-Favoriten gleich reihenweise. Der Weltranglisten-Erste Roger Federer aus der Schweiz musste sich in der zweiten Runde dem Tschechen Tomas Berdych beugen. In Andy Roddick ging der zweite Gold-Favorit einen Tag später. Die Grand-Slam-Sieger Gustavo Kuerten, Marat Safin und Juan Carlos Ferrero kamen nicht einmal so weit. Im Viertelfinale stand in dem Chilenen Nicolas Massu nur ein Tennis-Profi mit Olympia-Erfahrung.

Der Weltranglisten-Zweite Andy Roddick kam über sein verpatztes Olympia-Debüt gar nicht hinweg: "Man kann nicht sagen: Ich versuche es nächstes Jahr wieder." Der sonst so abgebrühte "Haudrauf" aus Florida genoss das seltene Teamerlebnis in vollen Zügen, wohnte, anders als viele US-Stars im Olympischen Dorf und eilte, anders als Venus Williams, nach seinem Ausscheiden auch nicht sofort nach New York, wo er in zehn Tagen seinen Titel bei den US Open verteidigen will. "Ich werde noch ein paar Tage bleiben und die anderen Sportler anfeuern, so gut ich kann", versprach Roddick.

Bei den Spielen im Herren-Doppel und bei den Tennis-Damen wird er in den kommenden Tagen nicht mehr zu finden sein. Die Weltmeister Bob und Mike Bryan scheiterten am Mittwoch ebenso wie die zweifache Sydney-Olympiasiegerin Venus Williams, Lisa Raymond und Chanda Rubin. Erstmals seit der Rückkehr ins olympische Programm 1988 wird es damit keine Einzel-Medaille für die erfolgsverwöhnten amerikanischen Damen geben; und erstmals seit Steffi Grafs Triumph in Seoul wird die Tennis-Olympiasiegerin nicht aus den USA kommen.

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