Top-Manager Jan Mojto verlässt Medienkonzern
Kirch-Krise trifft Lokalsender

Die Rettung der mit 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Kirch-Gruppe läuft auf Hochtouren. Am Sonntag traf sich die Konzernspitze mit den Gläubigerbanken in München. Die defizitären Sender fahren unterdessen einen harten Sparkurs; beim Lokalfernsehen stehen Entlassungen an. Der Nachrichtenkanal N 24 senkt Programmkosten.

hps/jojo MÜNCHEN/BERLIN. Optimismus bestimmte die Gespräche zwischen der mit mindestens 6,5 Mrd. Euro verschuldeten Kirch-Gruppe und den Gläubigerbanken, darunter Hypo-Vereinbank, Dresdner Bank, Bayerische Landesbank und DZ-Bank. "Es geht voran", berichtete ein Kirch-Insider am Sonntag. Die zweite Gesprächsrunde unter Leitung des Düsseldorfer Sanierers Wolfgang van Betteray soll ein Gesamtpaket schnüren, um den Konzern (Sender, Produktion, Rechtehandel, Bezahlfernsehen) vor einer Pleite zu retten. Der Rettungsplan soll offenbar in zwei bis drei Wochen vorliegen.

Unterdessen wird offen über einen Verkauf von Sendern wie dem verlustreichen Deutschen Sportfernsehen (DSF) diskutiert. "Es gibt keine Planungen, das DSF zu schließen oder zu verkaufen", sagte gestern ein Kirch-Sprecher. Er fügte allerdings hinzu: "Es laufen allgemeine Gespräche mit den Banken. Hier ist aber noch keine konkrete Entscheidung getroffen worden."

Die Lokalsender stehen hingegen auf der Verkaufsliste. Ein drastischer Personalabbau steht bevor. Selbst wenn Kirch einen Käufer findet, müssen sich viele der 250 Mitarbeiter einen neuen Job suchen. Christian Böhmer, Geschäfsführer der TV-Kanäle in Berlin (TV Berlin), Hamburg (Hamburg 1) und München (TV München), plant, statt eines Vollprogramms nur noch zwei bis dreistündige Schleifen zu produzieren. Diese Blöcke mit lokalen Inhalten würden dann Tag und Nacht wiederholt. Offenbar soll allein TV München jedes Jahr 10 Mill. Euro Verlust schreiben.

"Wir müssen komplett neu herangehen", sagte Böhmer dem Handelsblatt, "die momentane Konstruktion ist nicht aussichtsreich." Gegenwärtig führe er zusammen mit Kirch Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten. Auch der defizitäre Nachrichtensender N 24 durchforstet derzeit sein Programm nach Sparpotenzialen. "Nach jetzigem Stand findet aber kein Arbeitsplatzabbau statt", sagte ein Insider. Erst vor wenigen Tagen musste Geschäftsführer Ulrich Ende den Berliner Sender verlassen. N 24 beschäftigt 270 Mitarbeiter und produziert die Nachrichten für Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1.

Auch der über viele Jahre als Nachfolger von Leo Kirch gehandelte Jan Mojto verlässt den Konzern in wenigen Wochen. Er wird sich mit einer eigenen Firma namens EOS (Events on Screen) selbstständig machen. Mojto nimmt einige seiner engsten Mitarbeiter mit, hieß es aus Firmenkreisen. Der 53-Jährige ist Vizechef der Kirch Media und für Filmproduktion und Filmrechtehandel zuständig. Wegen seiner exzellenten Kontakte galt der Manager - seit mehr als 20 Jahren bei Kirch - lange Zeit als unverzichtbar. Mojto hatte vergangenes Jahr den Machtkampf mit Kirch-Vize Dieter Hahn verloren. Auch aus der neuen Position als Aufsichtsratschef der mit Kirch Media verschmolzenen Pro Sieben Sat 1 Media AG wurde nichts. Die Fusion wurde abgesagt.

Mojto hatte für Kirch prestigeträchtige Filmprojekte wie die 21-teilige Reihe "Die Bibel" betreut. Das neueste Mega-Projekt "Napoleon" für 41 Mill. Euro wird im November im ZDF zu sehen sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%