Top-Manager sind skeptisch
Starker Euro nicht in Sicht

Auch nach Einführung des Euro-Bargelds wird der Euro kaum an Stärke gewinnen. Diese Erwartung haben hiesige Top-Manager und Volkswirte bei Handelsblatt-Umfragen geäußert.

jh/kin/pw DÜSSELDORF. Zwei Drittel der deutschen Top-Manager (67 %) sehen keine Chance, dass der Euro auf Sicht von sechs Monaten die Parität zum amerikanischen Dollar erlangen wird. Das hat die repräsentative Befragung im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors ergeben. Von zusätzlich befragten 16 Ökonomen erwartet nur rund die Hälfte, dass der Euro-Kurs im Jahresverlauf 2002 die 1:1-Marke zum Dollar erreicht oder überschreitet.

Ende vergangener Woche kostete ein Euro 90,76 US-Cent. Damit hat die Einheitswährung seit ihrem Start am 1.1.1999 gut ein Fünftel ihres Wertes verloren. Der Abwärtstrend ist aber nach Ansicht der Ökonomen gestoppt. "Seit Frühjahr 2001 hat der Euro mit rund 90 US-Cent ein Niveau gefunden, wo er anscheinend hingehört", sagt Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank.

Die übliche Schwankungsbreite von plus/minus 10 % ließe so die Parität zum Dollar möglich erscheinen, ohne eine echte Aufwärtsbewegung anzuzeigen. "Ein mittelfristiger Trend nach oben ist nicht in Sicht", sagt Jürgen Pfister von der Commerzbank. Mit 95 Cent zur Jahresmitte 2002 werde der Euro allein seine Unterbewertung korrigieren.

Unter den deutschen Managern ist das Vertrauen in den Euro-Kurs immerhin ein wenig gestiegen. 28 Prozent der Entscheider erwarten mittlerweile, dass der Euro in den nächsten sechs Monaten in etwa die Dollar-Parität hält. Im Juni waren es nur 11 % gewesen

Politiker erhoffen sich einen stärkeren Wechselkurs, wenn die Bürger ab Januar das Euro-Bargeld in den Händen halten werden. Die Mehrzahl der Ökonomen mag daran indes nicht glauben. "Solche psychologischen Argumente sind wenig überzeugend", sagt Pfister. Zur Jahreswende prognostiziert die Umfrage einen nahezu konstanten Euro-Kurs von 92 US-Cent.

Maßgeblich bestimmt wird der Dollar-Kurs in den kommenden Monaten nach Ansicht der Ökonomen durch die Wachstumsaussichten in den Vereinigten Staaten: Je schneller die USA aus der Krise herausfinden, desto geringer sei das Potenzial des Euros. US-Finanzminister Paul O?Neill betonte in Singapur, die US- Wirtschaft werde bald eine spürbare Verbesserung zeigen und 2002 mit 3,2 % wachsen. Die im August auf 4,9 % gestiegene Arbeitslosenquote lässt Analysten aber zweifeln, ob die USA schon aus dem Gröbsten heraus sind. Euro-Optimist Ulrich Beckman von Deutsche Bank Global Markets sagt, für Anleger sei Euro-Land derzeit in jeder Hinsicht attraktiver als die USA. Alles spräche für den Euro, zumal die USA trotz aller Dementis offensichtlich ihr Interesse an einem starken Dollar verloren hätten.

Die Mehrheit der Volkswirte betont jedoch, die Wachstumskraft in den USA sei trotz der Krise immer noch größer als hier zu Lande. Das spräche gegen den Euro. "Nur wenn die USA einen ungewöhnlich schwachen und Euro-Land einen ungewöhnlich starken Aufschwung erleben", sagt Peter von Maydell von Credit Suisse First Boston, "kann der Euro die Parität erreichen."

Die Chancen dafür stehen nicht gut. Die EU-Kommission wird nach Informationen des Handelsblatts in Kürze ihre Wachstumsprognose 2001 für Euro-Land erneut senken. Eine Zwei vor dem Komma sei nur noch unter optimistischen Annahmen denkbar, heißt es in Kommissionkreisen. Damit passt die Behörde ihre Einschätzung der Mehrzahl der Prognosen an. Der amtierende EU- Ratsvorsitzende, Belgiens Finanzminister Didier Reynders, erwartet nur noch eine Wachstumsrate von 1,8 % bis 2,2 %.

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