Top-Manager so pessimistisch wie noch nie
Politik stürzt Unternehmer in ein Stimmungstief

Die Konjunkturaussichten der deutschen Wirtschaft haben sich im Dezember erneut eingetrübt. Ökonomen und Manager sind sich in der Ursachenforschung einig: Die Steuer- und Abgabenpolitik der Bundesregierung.

HB DÜSSELDORF. Zumindest ein Wirtschaftszweig in Deutschland trotzt auch jetzt der Konjunkturflaute - die Schattenwirtschaft. Sie wird im kommenden Jahr um 7 % auf ein Rekordniveau von 380 Mrd. Euro steigen. Das sagt eine Untersuchung des Schwarzarbeit-Experten Prof. Friedrich Schneider vorher. "Damit ist die Schattenwirtschaft der mit Abstand boomendste Wirtschaftszweig in Deutschland", sagte Schneider in Berlin. Eine Trendwende sei angesichts zusätzlicher Abgabenbelastungen nicht in Sicht. Inzwischen mache Schattenwirtschaft 16,5 % des Bruttoinlandsproduktes aus.

Für den Rest der Wirtschaft sieht es weniger rosig aus. Gut vier von fünf Führungskräften rechnen damit, dass sich die Standortbedingungen in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern. Das ergab der Handelsblatt Business-Monitor für Dezember, eine regelmäßige Befragung der deutschen Top-Entscheider. Neben dem drohenden Irak-Krieg speist sich ihr Pessimismus aus hausgemachten Quellen: Inzwischen kritisieren die Top-Manager zu 90 % die Arbeit des rot-grünen Kabinetts als sehr schlecht oder schlecht. Gleiches gilt für die persönlichen Leistungen des Kanzlers und des Finanzministers.

Die 800 befragten Unternehmen fahren ihre Investitionsplanungen für 2003 auf breiter Front zurück und forcieren stattdessen den Stellenabbau. Selbst der Dienstleistungssektor dürfte 2003 als Jobmotor ausfallen. Insgesamt ergeben sich die schlechtesten Werte seit Beginn des Business-Monitors vor dreieinhalb Jahren. Damit steigt die Gefahr, dass die Prognosen der Konjunkturforscher für 2003 vielleicht erneut zu optimistisch ausgefallen sind.

Investions- und Beschäftigungsklima

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Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) hat seine Prognose bereits drastisch gesenkt. Verantwortlich dafür sei vor allem die einengende Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Die Finanzpolitik werde das Wachstum und die Beschäftigung schwächen, hieß es im neuen IfW-Konjunkturbericht. Für 2003 rechnet das Institut nur noch mit einem Wachstum von 1,0 % statt bisher 1,8 %. Auch der Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus rechnet nach dem deutlichen Produktionsrückgang für 2003 allenfalls mit einem minimalen Wachstum.

Einen konjunkturellen Lichtblick bietet allerdings die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom 5. Dezember. Sie hat die Aussichten für den Euro-Raum deutlich verbessert, ergab die Dezember-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei 309 Finanzanalysten. Knapp ein Drittel der befragten Experten rechnet damit, dass weitere Zinssenkungen der EZB bevorstehen. Diese Einschätzung wurde am Mittwoch durch Interview-Äußerungen der Notenbankpräsidenten von Irland und Deutschland gestützt.

Quelle: Handelsblatt

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