Top-Terrorist bin Laden ist verschwunden
Jagd auf Taliban-Chef Omar

Der vor zehn Tagen aus der früheren Taliban-Hochburg Kandahar geflohene Chef der radikal-islamischen Bewegung in Afghanistan, Mullah Mohammad Omar, hat sich nach Angaben seiner Gegner in den Bergen der Provinz Helmand versteckt. In zwei oder drei Tagen würden Truppen in das Gebiet entsandt, um Omar zu ergreifen, sagte der Geheimdienstchef der neuen Verwaltung Kandahars, Hadschi Gullalai, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Wo sich der Moslem-Extremist Osama bin Laden aufhalte, wisse er nicht. Auch den USA verfügen nach eigenen Angaben über keine sicheren Erkenntnisse über den Aufenthaltsort bin Ladens.

Reuters KANDAHAR. Mullah Omar habe sich in ein Höhlengebiet in der Nähe des Bergdorfes Baghran rund 160 Kilometer nordwestlich Kandahars zurückgezogen, sagte Gullalai. "Mit vielen Fahrzeugen und Waffen sowie rund 500 Mann ist er dorthin gegangen." Gullalai war als Frontkommandeur an der von den USA unterstützten Offensive der Bürgerkriegskämpfer gegen Kandahar beteiligt. Nach der Kapitulation der Taliban Anfang Dezember hatte Mullah Omar die Stadt mit unbekanntem Ziel verlassen. Die USA werfen Omar vor, bin Laden und dessen El-Kaida-Organisation Unterschlupf in Afghanistan gewährt zu haben.

Anti-Taliban- und US-Einheiten durchsuchten auch am Montag die Bergregion Tora Bora nach bin Laden und den Angehörigen der El Kaida. Aus US-Regierungskreisen verlautete, rund 2000 bin-Laden-Anhänger befänden sich in der Region, die an Pakistan angrenzt, auf der Flucht. Seit Tagen war berichtet worden, dass bin Laden die Flucht ins Nachbarland gelungen sei.

Am Sonntag hatten die Taliban-Gegner unterstützt von US-Luftangriffen die El-Kaida-Rückzugsgebiete in der Region eingenommen. 19 gefangen genommene Kämpfer wurden am Montag Journalisten vorgeführt.

US-Außenminister Colin Powell sagte, die Suche nach bin Laden werde unvermindert fortgesetzt. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Moslem-Extremist getötet oder gefangen genommen worden sei. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, El Kaida stelle weiter ein Bedrohung für Afghanistan dar, solange sich noch Mitglieder der Organisation im Land aufhielten. Zum genauen Aufenthaltsort Bin Ladens lägen ihm keine Erkenntnisse, vor fügte Rumsfeld hinzu.

Gute Sicherheitslage in Kabul

Der US-Sondergesandte James Dobbins kündigte unterdessen an, eine Vorhut der geplanten internationalen Schutztruppe (ISAF) werde rechtzeitig zur Amtsübernahme der Übergangsregierung am Samstag in der Hauptstadt Kabul sein. Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass es sich um eine sehr große Zahl von Soldaten handeln werde. Die Sicherheitslage in Kabul sei relativ gut. Rumsfeld hatte am Sonntag erklärt, die Truppe werde höchstens 5000 Mann umfassen. Die Führung der Truppe soll voraussichtlich Großbritannien übernehmen. Der britische Premierminister Tony Blair sagte. Das britische Kontingent solle bis zu 1500 Mann stark sein. Er gehe davon aus, dass die britischen Soldaten nur einige Monate in Afghanistan blieben. Ein exakter Zeitrahmen sei jedoch noch nicht gesetzt. Der Bundestag soll nach Auffassung von Bundeskanzler Gerhard Schröder noch vor Weihnachten über den deutschen Beitrag zu der internationalen Schutztruppe abstimmen.

Die USA eröffneten unterdessen ihre Botschaft in Kabul wieder, die nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Januar 1989 vor Beginn der Bürgerkriegswirren geschlossen worden war. Erstmals seit fast zwölf Jahren wurde wieder das Sternenbanner auf dem Botschaftsgelände gehisst. Dobbins sagte, mit der Wiedereröffnung der Botschaft nähmen die USA ihr diplomatisches, wirtschaftlichen und politisches Engagement in Afghanistan wieder auf.

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