Top-Unternehmen trimmen ihre Portfolios auf Profit
Steigende Renditen machen Europas Konzerne attraktiver

Europas Unternehmen sind für die Zukunft gut gerüstet. Die Renditen liegen bei fast allen Spitzenreitern im zweistelligen Bereich.

Die Bilanz der Bilanzsaison ist ermutigend: 18 der größten 20 europäischen Konzerne haben im Jahr 2000 ihre Renditen gesteigert, in Deutschland waren es sogar 19 der 20 Top-Unternehmen. Bezogen auf das Eigenkapital, liegen die Renditen jetzt bei fast allen Spitzenunternehmen im zweistelligen Prozentbereich. Das zeigt die aktuelle Rangliste der 500 größten Unternehmen Europas von Handelsblatt und The Wall Street Journal Europe.

Trägt also die Shareholder-Value-Diskussion auf dem Alten Kontinent Früchte, oder - anders formuliert - zeigt der Druck der angelsächsischen institutionellen Anleger auf Europas Traditionskonzerne Wirkung? Durchaus: Trotz verbaler Gegenwehr haben inzwischen die Lenker der meisten großen Traditionskonzerne umgedacht.

So gibt etwa ein jahrzehntelang notorisch renditeschwacher Riese wie Siemens heute allen Konzernteilen klare Renditeziele vor und scheut sich auch nicht, Bereiche abzustoßen, die zu weit hinterherhinken. Die einst behäbigen Energieriesen RWE und Eon haben sich der Konzentration auf das Kerngeschäft verschrieben und treiben sie konsequent voran.

Druck internationaler Großanleger zeigt Wirkung

Auch wenn die Gewinnsprünge etwa bei den Autokonzernen vor allem durch die gute Konjunktur und bei den Energieriesen in erster Linie durch den enormen Ölpreisanstieg zu erklären sind - unter dem Strich zeigt der Druck der internationalen Großanleger Wirkung.

Doch gerade für viele deutsche Konzerne ist der Weg noch weit. Sie hinken bei der von den Märkten geforderten Konzentration auf das Kerngeschäft hinterher und werden dafür an der Börse deutlich schlechter bewertet als ausländische Konkurrenten. Beispiel Metro: Der Einzelhandelsriese ist etwa nur halb so viel wert wie die kaum umsatzstärkere niederländische Ahold-Gruppe. Oder Bayer: Der Konzern leistet erbitterten Widerstand gegen die von institutionellen Anlegern geforderte Aufteilung in Chemie- und Pharmageschäft. Die Folge: Er wird an der Börse nur mit einem Bruchteil der dreistelligen Milliardensummen bewertet, die kleinere reine Pharmagruppen wie Novartis oder Glaxo-Smithkline auf die Waage bringen. Für die Konzernlenker bedeutet das, dass ihnen der Weg zu internationalen Großfusionen per Aktientausch versperrt ist.

Trennung von Randbereichen

Auch wenn das Dogma von der Konzentration auf das Kerngeschäft erste Risse bekommt - solange die Märkte diese Strategie fordern, können sich die Konzerne kaum entziehen. In Deutschland wird die Unternehmensteuerreform 2002, die den Verkauf von Firmenbeteiligungen von der Steuer befreit, die Konzerne zu einem konsequenteren Vorgehen bei der Trennung von Randbereichen ermutigen.

Das bedeutet, dass in den kommenden Monaten eher kleine und mittelgroße Übernahmen zu erwarten sind als die Mega-Mergers, die das vergangene Jahr bestimmten. Finanzinvestoren und Konkurrenten aus der Industrie haben bereits ein Auge auf die Geschäftsbereiche geworfen, von denen sich deutsche Konzerne trennen wollen. Wenn sich die deutsche Industrie dann verschlankt hat, dürften auch wieder mehr Großfusionen auf der Tagesordnung stehen. Und die Renditen werden sowohl von den steuerfreien Verkäufen als auch von den klareren Konzernstrukturen profitieren.

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