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Toppmöller beurlaubt - Doll wird Nachfolger

Die Fans wollten ihn behalten, doch der Vorstand warf ihn raus. „Außer Toppi könnt Ihr alle gehen“, riefen die Anhänger des Hamburger SV nach der bitteren 0:2-Demontage gegen Arminia Bielefeld.

dpa HAMBURG. Die Fans wollten ihn behalten, doch der Vorstand warf ihn raus. "Außer Toppi könnt Ihr alle gehen", riefen die Anhänger des Hamburger SV nach der bitteren 0:2-Demontage gegen Arminia Bielefeld.

Eine Stunde nach Mitternacht erfuhr Trainer Klaus Toppmöller in einem persönlichen Gespräch von Vorstandschef Bernd Hoffmann, dass er nach 359 Tagen beim Bundesliga- Letzten beurlaubt ist.

Kurz danach traf sich das Gremium mit Regionalliga-Trainer und Ex-Nationalspieler Thomas Doll, um mit ihm als Chefcoach die neue harte Linie festzuzurren. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange mit dem Trainer gesprochen. Aber wir konnten unsere Augen vor den Ergebnissen und dem Tabellenstand nicht verschließen", begründete Hoffmann bei einer Pressekonferenz den erneuten Trainerwechsel nach 33 Spieltagen.

Am 23. Oktober 2003 hatte Toppmöller Kurt Jara abgelöst, der HSV war damals Dreizehnter. "Die Situation ist dramatisch, wir sind alle sehr enttäuscht. Aber am Ende ist der Trainer verantwortlich für die schlechten Leistungen der Mannschaft", sagte Hoffmann. Toppmöller, der bis zu seinem Vertragsende am 30. Juni 2005 weiterhin seine Bezüge erhält, verabschiedete sich von den Spielern. "Ich hoffe, die Führung bleibt cool. Ich bin Löwe, ich bin ein Kämpfer und habe noch nie im Leben aufgegeben", hatte der 53-Jährige nach dem Spiel gesagt und einen Rücktritt ausgeschlossen. Nach der sechsten Saisonniederlage rechnete Toppmöller aber kaum mehr mit einem Verbleib an der Elbe. Seine Beurlaubung wollte er nicht kommentieren.

Der 38 Jahre alte Doll, der die Amateure an die Spitze der Regionalliga-Nord geführt hat, soll zu Wochenbeginn erstmals das Training der Profis leiten. "Er bringt Leidenschaft mit und ist eine Identifikationsfigur. Wer da nicht mitzieht, wird auf die Tribüne gesetzt", verkündete der sichtlich mitgenommene Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der persönliche Konsequenzen angesichts der sportlichen Misere ausschloss. "Mir persönlich tut das alles sehr, sehr leid. Toppmöller ist ein hervorragender Mensch und ein exzellenter Trainer." Am Ende hat Toppmöller auch das Vertrauen der von ihm oft gescholtenen Mannschaft gefehlt. Und im Aufsichtsrat hatte er sich durch die verbalen Rundumschläge schon lange in Misskredit gebracht.

Die Verpflichtung des Jung-Trainers sei "keine wirtschaftliche Entscheidung. Wir sind überzeugt, dass Thomas Doll ein guter Trainer ist", meinte Hoffmann. Doll, der in der Saison 1990/91 vom damaligen DDR-Rekordmeister BFC Dynamo an die Elbe kam und nochmals von 1998 bis 2001 für die Hanseaten stürmte, gilt als akribischer Arbeiter und Planer. Schon einmal hatte der Mecklenburger den HSV vor großem Schaden bewahrt. Im Juni 1991 war er für eine Ablösesumme von 17 Mill. Mark (8,9 Mill. Euro) zu Lazio Rom nach Italien gewechselt und hatte damit dem hochverschuldeten Hamburger Verein das Überleben gesichert. Sein Cheftrainer-Vertrag für die Bundesliga läuft vorerst bis Saisonende. Der bisherige Assistent Ralf Zumdick wird auch Doll weiter zur Seite stehen.

"Wir können uns alle auf die Visitenkarten drucken lassen, dass wir Toppmöller rausgeschmissen haben", sagte Torhüter Martin Pieckenhagen mit sarkastischem Unterton und griff seine Mitspieler hart an: "Er lebt Fußball und wir treten ihm jede Woche in den Arsch. Viele sind mit sich zufrieden, das ist das Problem." Von nun an wolle er sich das Verhalten auch im Training nicht mehr bieten lassen: "Ich habe die Schnauze voll, hier wird ein anderer Wind wehen, ich werde nicht mehr mit jedem Kumpel sein. Sonst stehen wir am Ende mit 20 Punkten da, und wissen gar nicht, warum wir abgestiegen sind." Nicht zu übersehen war gegen Aufsteiger Bielefeld, dessen Torschützen Owomoyela (57. Minute) und Buckley (65.) das Schicksal von Toppmöller besiegelt hatten, die Verunsicherung der HSV-Profis, die sich zum wiederholten Mal trotz guten Beginns aufgaben.

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