Topspiel in Wien
Schwere Tage für Trapattoni und Rehhagel

Die Qualifikation zur Europameisterschaft geht erst in die dritte Runde. Doch schon jetzt zittern einige Trainer vor den Spielen am Mittwoch um ihren Job.

HB/dpa HAMBURG. Prominentester Wackelkandidat ist Giovanni Trapattoni. Italiens Coach steht vor der Begegnung in Cardiff gegen Wales unter Dauerbeschuss. Täglich fordern die Zeitungen wie der "Corriere dello Sport" und "Tuttosport" seine Ablösung und haben schon seinen Vorgänger Dino Zoff als Nachfolger genannt. Trapattoni wird es nur wenig trösten, dass es Otto Rehhagel - ebenso wie er einst beim FC Bayern München tätig - als griechischer Nationaltrainer vor dem Spiel gegen Armenien nicht besser ergeht.

Die Trainer-Diskussionen finden auch in Irland und in Mazedonien statt. In Irland wird über eine Ablösung von Mick McCarthy spekuliert für den Fall einer Niederlage in Dublin gegen die Schweiz. Sein mazedonischer Kollege Nikola Ilijevski will nach dem England-Spiel in Southampton aus Verärgerungen über den Verband zurücktreten.

Das Topspiel am Mittwoch steigt in der Gruppe drei in Wien. Der verlustpunktfreie Tabellenführer Österreich trifft auf Gruppen- Favorit Niederlande. "Man braucht nur auf unsere Namen zu sehen, um zu erkennen, dass wir ein Topteam sind", sagte Defensivspieler Ronald de Boer. Allerdings fehlt dem Starensemble von Bondscoach Dick Advocaat, das in der Qualifikation zur WM 2002 kläglich gescheitert war, Torjäger Ruud van Nistelrooy von Manchester United. Europameister Frankreich will auf Malta seinen Aufwärtstrend nach der WM-Pleite fortsetzen.

Mit großen Verletzungssorgen hat Trapattoni zu kämpfen. Das letzte Aufgebot soll ihm den Job retten. Mit Christian Vieri (Inter Mailand), Filippo Inzaghi (AC Mailand) und Francesco Totti (AS Rom) fehlen die wichtigsten Offensivkräfte, Alessandro del Piero (Juventus Turin) kann nur eine Halbzeit spielen. Doch dies interessiert die Kritiker nicht. Vor allem Dino Zoff sitzt dem 63-Jährigen im Nacken. Der Weltmeister von 1982 war nach dem zweiten Platz bei der EM 2000 zurückgetreten, da ihn der Milan-Boss und heutige Ministerpräsident Silvio Berlusconi persönlich angegriffen hatte.

Trapattoni ist trotz aller Kritik überzeugt: "Wir werden zu alter Klasse zurückfinden." Verband und Spieler stehen hinter ihm. "Machen Sie ruhig weiter, Sie genießen unser Vertrauen", forderte Verbandschef Franco Carraro seinen Angestellten auf. Kapitän Fabio Cannavaro nannte die Kritik an Trapattoni "überzogen und seltsam. Der Trainer ist sympathisch, liebt seinen Job und ist absolut korrekt".

Auf Sympathiebekundungen muss Rehhagel verzichten. Die Zeitung "To Wima" zitiert "einige Spieler", die sich nach dem 0:2 in der Ukraine über die Taktik beschwert haben und ihm mangelnde Vorbereitung vorwarfen. Der 64-Jährige glaubt weiter an ein gutes Verhältnis zu seiner Mannschaft. "Sie haben absolutes Vertrauen zu mir - und ich zu ihnen. Wir werden gemeinsam kämpfen. Noch sind wir nicht raus", sagte Rehhagel der "Bild"-Zeitung (Dienstag-Ausgabe). Bei einer neuerlichen Niederlage gegen Armenien können die Griechen die EM abhaken. Noch aber hat der Trainer die Unterstützung von Verbands-Chef Wassilis Gagatsis: "Wir denken nicht daran, die Zusammenarbeit zu beenden."

Englands Spieler beschäftigten sich weniger mit dem Mittwochs- Gegner Mazedonien als vielmehr mit den rassistischen Vorfällen im Spiel am Samstag in der Slowakei (2:1). "Beschimpfungen durch Fans gehören zum Fußball, aber wenn sie rassistisch ausarten, ist die Linie überschritten", empörte sich Emile Heskey, der wie Ashley Cole in Bratislava wegen seiner Hautfarbe übel bepöbelt worden war. "Selbst die Sanitäter haben bei den Affengesängen mitgemacht", sagte Cole. Der slowakische Verband hat sich mittlerweile entschuldigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%