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Topterrorist Sarkawi angeblich in Kirkuk

Der mit 25 Mill. Dollar Kopfgeld gesuchte Topterrorist Abu Mussab al-Sarkawi ist nach Einschätzung der Koalitionstruppen in der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk untergetaucht.

dpa BAGDAD. Der mit 25 Mill. Dollar Kopfgeld gesuchte Topterrorist Abu Mussab al-Sarkawi ist nach Einschätzung der Koalitionstruppen in der Nähe der nordirakischen Stadt Kirkuk untergetaucht.

Der Kommandierende der multinationalen Truppen in Kirkuk, US-General Lloyd Miles, sagte am Dienstag, es gebe Erkenntnisse darüber, dass der Jordanier sein Quartier von Falludscha in den Norden Iraks verlegt habe. Die US-Regierung hatte im Sommer die Belohnung für Hinweise, die zu Sarkawis Festnahme oder Tötung führen, von zehn auf 25 Mill. Dollar erhöht.

Wie ein Sprecher des US-Militärs in Bagdad bekannt gab, wurden bei einer Razzia in sunnitischen Dörfern rund um Kirkuk 38 mutmaßliche Terroristen verhaftet. Bei ihnen seien größeren Mengen Waffen und Munition gefunden worden.

In Mikdadija, rund 100 Kilometer nordöstlich von Bagdad, wurde ein hochrangiger sunnitischer Geistlicher am Dienstagmorgen beim Verlassen seines Hauses von Unbekannten erschossen. Das berichtete der irakische Fernsehsender "Al Iraqia". Das Opfer, Scheich Galeb al-Suheir, sei Mitglied des Islamischen Rates der Rechtsgelehrten, der höchsten sunnitischen Instanz im Irak, gewesen. Bereits am Montag war ein Mitglied dieses Gremiums in der nordirakischen Stadt Mossul erschossen worden.

Unterdessen hat die irakische Übergangsregierung bei der internationalen Irak-Konferenz breite Unterstützung für die geplanten Wahlen am 30. Januar erhalten. Gleichzeitig mussten die Regierung in Bagdad und die USA jedoch Kritik an ihrem harten Kurs gegenüber den Aufständischen und friedlichen Oppositionsgruppen einstecken. Die zweitägige Konferenz in dem ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich endete am Dienstag mit der Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung. An ihr nahmen die Außenminister der Nachbarstaaten des Irak, die Außenminister der G-8-Staaten, Iraks Übergangsregierung sowie Vertreter der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga, der EU, Chinas und der Organisation der Islamischen Konferenz teil.

Auch die Militäroffensive in der Rebellenhochburg Falludscha wurde von vielen Delegierten weniger positiv beurteilt als sie US-Außenminister Colin Powell darstellte. In der Abschlusserklärung forderten die Konferenzteilnehmer alle Seiten auf, "die Anwendung übermäßiger Gewalt zu vermeiden". Powell erklärte dagegen, die irakische Regierung habe mit Unterstützung der ausländischen Truppen Städte wie Falludscha und Samarra unter ihre Kontrolle gebracht, "die vorher in der Hand von Terroristen waren".

Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte die Einbeziehung aller wichtigen politischen und ethnischen Gruppen in den Wahlprozess, um der ausufernden Gewalt Herr zu werden. "Die Entscheidungen fallen nicht auf dem militärischen Feld, sie fallen auf dem politischen Feld", sagte Fischer am Rande der Konferenz. Die Übergangsregierung habe die Aufgabe, ein möglichst breites Spektrum von Gruppen in den politischen Prozess einzubinden. Terrorgruppen müssten jedoch isoliert und Anhänger des früheren Diktators Saddam Hussein ausgeschlossen werden. Vor allem die sunnitischen Araber, die unter Saddam Hussein die Führungsschicht bildeten, fühlen sich im neuen Irak unberücksichtigt.

UN-Generalsekretär Kofi Annan erinnerte die Übergangsregierung an ihre "Verpflichtung, im ganzen Land für Recht und Ordnung zu sorgen". Niemand könne von der Regierung verlangen, dass sie Terroristen nachgebe. "Trotzdem sollte sie vielleicht die langfristigen Folgen ihrer Aktionen für den Übergangsprozess in Betracht ziehen", fügte er warnend hinzu. Annan betonte, die wegen der Sicherheitsprobleme geringe Zahl von UN-Mitarbeitern im Irak bedeute nicht, dass sich die Vereinten Nationen aus der Verantwortung stehlen wollten.

Iraks Außenminister Hoschiar Sebari sagte zu einem Vorschlag des arabischen Golfstaates Bahrain, in Bahrain eine zweite Irak-Konferenz zu organisieren, an der auch Oppositionsgruppen teilnehmen: "Die irakische Regierung lehnt dies nicht prinzipiell ab." Der beste Ort für eine derartige Konferenz sei jedoch die irakische Hauptstadt. Beobachter aus dem Irak merkten allerdings an, dass es schwierig wäre, diese Gruppen, von denen die meisten die US-Militärpräsenz ablehnen, zu einem Treffen in einer von den Amerikanern gesicherten Zone in Bagdad zu bewegen.

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