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„Tor-Phantom“ Mintal erlegt lahme „Wölfe“

Der hoch gelobte Tabellenführer verfiel nach dem Debakel in tiefe Depression, der wackere Aufsteiger genoss seine tolle Vorstellung in vollen Zügen - nur der „Mann des Tages“ hakte den 4:0 (3:0)-Sieg des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg in aller Nüchternheit rasch ab.

dpa NÜRNBERG. Der hoch gelobte Tabellenführer verfiel nach dem Debakel in tiefe Depression, der wackere Aufsteiger genoss seine tolle Vorstellung in vollen Zügen - nur der "Mann des Tages" hakte den 4:0 (3:0)-Sieg des 1. FC Nürnberg gegen den VfL Wolfsburg in aller Nüchternheit rasch ab.

"Wir haben drei Punkte, das ist das Beste", gab sich Marek Mintal nach seinem zweiten Dreierpack der Saison bescheiden. Doch selbst der sonst zurückhaltende "Club"- Trainer Wolfgang Wolf war nach der Gala-Darbietung seines "Tor- Phantoms", das nun mit neun Treffern die Torschützenliste der Fußball-Bundesliga anführt, nicht mehr zu bremsen: "Marek Mintal ist für uns nicht ersetzbar."

Wolfsburgs total deprimierter Trainer Erik Gerets ging nach der dritten Auswärtsniederlage hart mit seinem Team ins Gericht. "Was wir uns hier heute zusammen eingebrockt haben, ist eine Schande", sagte der Belgier - und ließ für die Tage im Vorfeld des anstehenden Spitzenspiels gegen den VfB Stuttgart ein heftiges Donnerwetter erwarten. "Das war ein Skandalspiel von uns."

Schon nach 58 Sekunden ebnete der Slowake Mintal dem "Club" den Weg zum zweiten Heimsieg, als er auf Vorarbeit seines starken Landsmanns Robert Vittek zur Führung einschoss. Nur sieben Minuten später folgte die Schlüsselszene: Nach einem Zweikampf versetzte Wolfsburgs Andres D'Alessandro dem Nürnberger Stürmer Markus Schroth einen Stoß in den Rücken - und sah zur Überraschung der 22 291 Zuschauer im Frankenstadion die Rote Karte. "Eine wirkliche Tätlichkeit war es meines Erachtens nicht", sagte Gerets. "Das kann man geben, muss man aber nicht geben", pflichtete auch Wolf bei.

Der Spitzenreiter musste fortan in Unterzahl agieren - und war gegen die kühl ihre Chancen nutzenden Hausherren ohne Chance. Nach knapp einer halben Stunde legte Mintal nach, unmittelbar vor der Pause traf Schroth nach schönem Zusammenspiel mit Ivica Banovic zum 3:0. Und nur vier Minuten nach dem Wechsel war erneut Mintal zur Stelle und machte den höchsten Bundesliga-Sieg der Nürnberger seit mehr als zehn Jahren mit seinem dritten Tor perfekt. "Wir haben Mintal 90 Minuten lang nicht in den Griff gekriegt", gestand Gerets. Der 27-Jährige hatte schon im Spiel beim Hamburger SV drei Treffer erzielt.

Die Spieler des als Überflieger angereisten VfL waren nach der Partie am Boden zerstört. "Wir haben nicht die Qualität, auf dem ersten Platz zu stehen", klagte Patrick Weiser, der nach einer schwachen Leistung schon zur Pause ausgewechselt worden war. "Wir vergeben wichtige Punkte und die Möglichkeit, uns oben festzusetzen", sagte Pablo Thiam - und warnte: "Wenn wir das nicht lernen, werden wir den ganz großen Schritt nach vorne nicht machen."

Dem Frust beim Tabellenführer stand die unbändige Freude der Franken über den vierten Saisonsieg gegenüber. "Das war ein schöner Tag für die Jungs, für die Club-Fangemeinde und für mich", sagte Wolf. "Wir haben hier heute im Stil einer Klassemannschaft gespielt - endlich mal." Zum 50. Mal hatte Wolf auf der Nürnberger Trainerbank gesessen und sein Dienstjubiläum ausgerechnet gegen den Verein gekrönt, bei dem er nach einer "wunderschönen Zeit" von fast fünf Jahren im März 2003 gehen musste - nach einem Unentschieden gegen Nürnberg. Doch Wolf wollte keine Schadenfreude aufkommen lassen: "Das tut mir schon ein Stück weit leid."

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