Tore-Klau durch Unparteiische
Deutsche Elf hat keine Angst vor falschem Pfiff

Südkoreas Heimvorteil könnte auch den Schiedsrichter beeinflussen, meint Oliver Kahn - und hat die Lösung für einen möglichen Tore-Klau parat: "Dann schießen wir eben noch eins."

dpa SEOGWIPO/SÜDKOREA. Die Sorge vor einem erneuten Gastgeber- Bonus wollte das deutsche Team nicht leugnen, doch auch falsche Pfiffe sollen Oliver nicht aus der Bahn werfen. Zwar hat der Weltverband Fifa für das WM-Halbfinale gegen Südkorea in dem Schweizer Urs Meier einen seiner Top-Schiedsrichter nominiert. Trotzdem wollte im DFB-Lager keiner ausschließen, dass die euphorische Atmosphäre im fast 64 000 Zuschauer fassenden Stadion von Seoul auch die eine oder andere Entscheidung beeinflussen könnte. "Wir müssen auch damit rechnen, dass die eine oder andere Situation natürlich gegen uns entschieden wird. Aber das ist normal. Das bezeichnet man doch auch als Heimvorteil", warnte Kapitän Oliver Kahn sein Team vor.

"Da darf man sich nicht provozieren lassen, da muss man versuchen, eiskalt weiterzuspielen und sich nicht mit dem Schiedsrichter anzulegen", forderte der Welttorhüter des Jahres 2001 die Kollegen auf, kühlen Kopf zu bewahren. Italiener und Spanier, denen in den K.o.-Spielen gegen die Gastgeber insgesamt drei reguläre Treffer aberkannt worden waren, hatten sich über die Unparteiischen stark erregt. "Vielleicht haben sie sich darüber zu viele Gedanken gemacht. Das wird uns nicht passieren", versprach Kahn in Seogwipo.

Selbst vom gefürchteten Tore-Klau dürfe sich niemand mental beeinträchtigen lassen: "Dann muss ich sagen: Okay, wenn das nicht zählt, dann machen wir eben zehn Minuten später noch mal eins, oder eben nach einer Stunde noch eins." Auch Rudi Völler weiß, dass der Referee am Dienstag in der "roten Hölle" nicht ganz frei von der riesigen Begeisterung eines ganzen Volkes bleiben könnte. "Das ist schwierig", sagte Völler, gab aber seiner Mannschaft den einfachen Ratschlag: "Wir müssen unser Spiel durchsetzen."

Urs Meier brachte der deutschen Mannschaft im bislang einzigen Spiel unter seiner Leitung kein Glück: Am 28. April 1999 verlor die DFB-Elf das Freundschaftsspiel in Bremen gegen Schottland 0:1 - wegen eines Stromausfalles musste die Partie kurz vor der Halbzeitpause auch noch für 15 Minuten unterbrochen werden. Auch die Leverkusener Nationalspieler verbinden eher schlechte Erinnerungen mit dem Schweizer: Der selbstständige Geschäftsmann aus Wuerenlos leitete das verlorene Champions-League-Finale gegen Real Madrid (1:2).

Seit 1994 ist Meier Fifa-Schiedsrichter und war auch bei der WM 1998 zwei Mal im Einsatz. Beim Turnier in Asien trifft der 43-Jährige in den südkoreanischen Gastgebern auf alte Bekannte. In der Vorrunde pfiff er bereits das 1:1 Südkoreas gegen die USA - und machte sich dabei beim Heimteam nicht nur Freunde. "Das US-Tor war Abseits", hielt ihm Trainer Guus Hiddink eine Fehlentscheidung vor.

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