Tornados und Hitzerekorde
Wetter-Kapriolen in Deutschland

Der Sommer spielt verrückt: Am Tag erreichen die Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein Spitzenwerte, abends fegen Tornados übers Land. Bei den ersten schweren Sommerstürmen in diesem Jahr wurden in der Nacht zum Dienstag mehrere Menschen verletzt, Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt.

HB/dpa HAMBURG. Wirbelstürme schlugen eine Schneise der Verwüstung und hinterließen Millionenschäden. Die Bundeswehr-Maschine von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wurde vom Blitz getroffen. "Passiert ist nix, es hat ein bisschen geruckelt", sagte ein Augenzeuge am Dienstag.

Für Baden-Württemberg gaben die Meteorologen am Nachmittag eine neue Unwetterwarnung heraus: Es bestehe extreme Gefahr durch Blitzschlag und schwere Sturmböen, kündigte der Deutsche Wetterdienst in Stuttgart an. Der Seewetterdienst in Hamburg gab Sturmwarnung für die Ostseeküste.

Tornados in Deutschland nicht vorhersagbar

Wirbelstürme treten nach Expertenangaben hier zu Lande oft überraschend auf. "Tornados sind in Deutschland fast nicht vorherzusagen", sagte der Leiter des Medienservice-Zentrums des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Friedrich, der dpa in Offenbach. Die Meteorologen könnten lediglich eine Unwetterwarnung herausgeben und darin ankündigen, dass mit tornadoähnlichen Erscheinungen gerechnet werde.

Bei dem schweren Unwetter am Montagabend waren allein in Berlin sechs Menschen verletzt worden. Im Stadtteil Spandau deckte der Sturm großflächig Dächer ab, darunter 300 Quadratmeter Dachfläche eines 14- geschossigen Wohnhauses. "Die Feuerwehrmänner haben an ihrem Leistungslimit gearbeitet", sagte Klaus Krzizanowski, Personalratsvorsitzender bei der Berliner Feuerwehr. Vorübergehend herrschte der Ausnahmezustand. Die Sturmböen erreichten bis zu 133 Stundenkilometer, die Temperaturen sanken innerhalb weniger Minuten von 28 auf 18 Grad.

S-Bahnverkehr kam zum Erliegen

In Brandenburg wurden mindestens sieben Menschen verletzt. Zwischen Potsdam und Berlin kam der S-Bahn-Verkehr wegen eines umgestürzten Baumes vorübergehend zum Erliegen. Über Norderstedt nördlich von Hamburg fegte ein Tornado hinweg. Trotz erheblicher Schäden wurde niemand verletzt. Auch im Osten und in der Mitte Deutschlands wütete der Sturm.

Plötzlich auftretende Tornados haben bereits in der Vergangenheit Menschenleben gefordert und mehrfach Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Bei diesem Wetterphänomen greift aus der Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch in Bodennähe herab. Dessen drehende Windbewegung erzeugt eine Trombe mit einem Durchmesser von 20 bis 400 Metern, in deren Innerem der Druck stark abnimmt. Es kann von einer Minute bis zu mehreren Stunden dauern und kleine Gegenstände in größere Höhen emportragen. In europäischen Breiten löst sich das Phänomen aber in der Regel nach wenigen Minuten wieder auf.

Hitzerekorde sind nicht zu erwarten

Wo ein Wirbelsturm genau auftrete, lasse sich nicht exakt vorhersagen, sagt Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Die Tornados hier seien erheblich kleiner als in den USA. Dort könnten sie bis zu zwei Stunden lang über einem Gebiet der Größe Hessens toben. In Deutschland hingegen dauerten die Tornados nur wenige Minuten. Sobald eine schwarze Wand am Himmel aufziehe, gelte: "Auto in der Garage und nicht unter einen Baum parken, Rollläden runter lassen und in den Keller gehen." Mehr noch: "Wenn schon ein Rüssel aus den Wolken rauskommt, sofort in den Keller!"

In den nächsten Tagen soll es laut Meteorologen sommerlich warm bleiben. Hitzerekorde wie am Montag sind aber vorerst nicht zu erwarten. "In dieser Woche wird es nicht mehr so bullig heiß", sagte Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Der Montag war mit Temperaturen um 30 Grad in nahezu ganz Deutschland der bisher heißeste Tag des Jahres. Karlsruhe hielt dabei mit 37,2 Grad den Rekord. Spitzenreiter in Europa war Palma de Mallorca mit 39,5 Grad.

Am Mittwoch bringt Hoch "Franziska" in der Mitte und im Süden viel Sonne und Temperaturen zwischen 24 und 28 Grad, am Oberrhein werden 30 Grad erreicht. Im Norden ist es bei dichten Wolkenfeldern mit 18 bis 23 Grad kühler. Es bleibt aber überwiegend trocken. Vor allem südlich der Donau und am Oberrhein können sich erneut Gewitter bilden, wie der Wetterdienst Meteomedia in Bochum meldete.

Am Donnerstag scheint auch im Norden wieder häufiger die Sonne, die Temperaturen steigen auf 20 bis 25 Grad. Im Süden bleibt es bei viel Sonne und Höchstwerten zwischen 25 und 30 Grad. Vor allem südlich der Donau und am Oberrhein können sich erneut Gewitter bilden, wie Meteomedia ankündigte.

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