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Torwart-Debatte in DFB-Elf geht weiter

Oliver Kahn verweigerte mit grimmigem Gesicht jeden Kommentar - sein Kontrahent Jens Lehmann wollte auch nach einem 45- Minuten-Einsatz den Frust nicht verbergen.

dpa WIEN. Oliver Kahn verweigerte mit grimmigem Gesicht jeden Kommentar - sein Kontrahent Jens Lehmann wollte auch nach einem 45- Minuten-Einsatz den Frust nicht verbergen.

Jürgen Klinsmanns in Österreich erstmals praktizierte "kleine Rotation" auf der Torhüter-Position hat das frostige Klima bei Deutschlands besten Ballfängern weiter verschlechtert. "Ich habe von etwas anderem geträumt, als mit 34 Jahren in Österreich eingewechselt zu werden", machte Lehmann klar, dass er nach der EM in Portugal mit einer anderen Trendwende in der Torwart-Frage gerechnet hatte: "Ich bin natürlich sehr unzufrieden mit der Situation."

Auch Kahn wirkte äußerst genervt, nachdem der 35 Jahre alte Münchner im Ernst-Happel-Stadion beim Stand von 1:1 seinen Platz räumen müssen. Zwar hatte Neu-Bundestrainer Klinsmann seine ursprünglich völlig neutrale Ausgangsposition bei der Definition seiner Nummer eins dahin gehend modifiziert, dass er Lehmann als "Herausforderer" und Kahn als "Verteidiger" der Stammposition einstufte. Doch schon im ersten Praxis-Test zeigte sich die ganze Sensibilität des Themas. "Das war heute für mich ein bisschen Training, um mich auf Sonntag vorzubereiten", ordnete Lehmann seinen 19. Länderspiel-Einsatz als Vorspiel auf die nächste Premier-League-Partie mit dem FC Arsenal ein.

Über die Absprachen mit Klinsmann wollte Lehmann nur so viel sagen: "Ich bin so informiert, dass ich die Chance habe zu spielen, wenn ich gute Leistungen bringe." Der Wahl-Engländer hätte lieber "ein ganzes Spiel" gemacht statt ein halbes: "Aber ich bin Jürgen Klinsmann jetzt nicht böse." Dass sich der Bundestrainer alle Möglichkeiten offen halte, sei nachvollziehbar. "Und ich muss jetzt nicht wissen: 'He Lehmann, du bist jetzt die Nummer eins.' Das wird mein Leben nicht glücklicher oder unglücklicher machen", so der Kahn- Kontrahent.

Unter Klinsmann-Vorgänger Rudi Völler hatte Kahn noch eine Sonderstellung und den Status der unverrückbaren Nummer eins genossen. Der neue Mann nahm als erste Aktion dem "Titan" die Kapitänsbinde ab und kündigte jene viel diskutierte Rotation an. Dass der Ex-Kapitän sogar mit Rücktritt gedroht habe, falls er sich ohne klar zugestandenen Vorteil in eine offene Konkurrenz mit Lehmann und "Kronprinz" Timo Hildebrand begeben muss, wies Klinsmann als Fabel zurück. "Hat er nicht. Im Gegenteil, er will Weltmeister 2006 werden", berichtete Bundestrainer von einem Gespräch mit Kahn. Die Fortsetzung der Debatten sind für den 8. September beim Spiel gegen Brasilien programmiert.

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