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„Torwart-Gipfel“ als Schritt in die richtige Richtung

Beim einstündigen „Torwart-Gipfel“ hinter verschlossenen Türen gab es offiziell Lob von Jürgen Klinsmann, das erste Training des neuen Bundes-Torwarttrainers Andreas Köpke aber fand ohne Oliver Kahn statt.

dpa LEIPZIG. Beim einstündigen "Torwart-Gipfel" hinter verschlossenen Türen gab es offiziell Lob von Jürgen Klinsmann, das erste Training des neuen Bundes-Torwarttrainers Andreas Köpke aber fand ohne Oliver Kahn statt.

Direkt nach der Ankunft des Bayern-Keepers vom 3:1-Sieg in Bochum steckten die Trainer in Leipzig mit der derzeitigen Nummer 1, Herausforderer Jens Lehmann und Zukunftshoffnung Timo Hildebrand im heiß diskutierten Konkurrenzkampf um den Torhüter-Job bei der WM 2006 den weiteren Weg ab.

"Wir haben in aller Ruhe gesprochen", berichtete Bundestrainer Klinsmann. Missverständnisse seien in der Diskussion nicht auszuräumen gewesen. "Im Gegenteil: Ich habe die Torhüter gelobt, wie sie sich verhalten haben, nachdem sie pausenlos provoziert worden sind", erklärte Klinsmann, der Lehmann gegen Kamerun wie langfristig vereinbart ins Tor stellt, Reservist Kahn aber weiter "volle Rückendeckung" versprach.

Der Münchner Keeper verzichtete auf die erste Trainingseinheit unter Köpke und damit auch auf demonstrative Gesten, die nach dem Torwart-Gespräch auf eine plötzliche Entspannung in der sportlichen Auseinandersetzung mit Lehmann hindeuten könnten. Wie seine Münchner Kollegen Michael Ballack, Torsten Frings und Bastian Schweinsteiger stand für Kahn am Tag nach dem Bundesligaspiel in Bochum Pflege im Hotel auf dem Programm. Den Rest seines Personals bat Klinsmann zu einer ersten Übungseinheit ins Stadion "Am Bad" von Landesligist SSV Markranstädt. Dabei meldete sich der Dortmunder Christian Wörns trotz einer angebrochenen Nase spielfähig: "Ich bin fit." Nur Thomas Brdaric (Wolfsburg) und Frank Baumann (Bremen) mussten wegen kleiner Wehwehchen etwas kürzer treten.

Köpke, dem Klinsmann die Hauptrolle im Gespräch mit den Torhütern überlassen hatte, bezeichnete das Treffen als "ersten Schritt, um eine vernünftige Basis rein zu bekommen". Ein "offenes Miteinander" soll in den kommenden Monaten die Basis der Zusammenarbeit sein, unterstrich der Europameister von 1996. "Ich teile nicht die Meinung, dass Probleme auf uns zukommen", meinte Köpke. Der 35-jährige Kahn will sich dem Kampf stellen. "Ich habe nie etwas gegen einen gesunden Konkurrenzkampf. Was denken Sie, was bei der WM auf der Mannschaft für ein Druck lastet. Dagegen ist das, was Jens Lehmann und ich jetzt mitmachen, Pipifax", sagte er in eine ZDF-Kamera.

"Wir können diese Wechselspiele machen, weil wir diese Testspiele haben", hob Klinsmann vor dem 750. Länderspiel der DFB-Elf nochmals die besondere Situation ohne Pflichtspiele vor der WM im eigenen Land hervor. Köpke aber meinte mit Hinweis auf eine eigene schmerzliche Erfahrung vor der Weltmeisterschaft 1994, dass die endgültige Entscheidung über die Nummer eins nicht erst kurz vor dem Turnier fallen dürfe. "Das war schon sehr, sehr brutal", erinnerte er an das Votum gegen ihn und für seinen damaligen Rivalen Bodo Illgner. Der damalige Bundestrainer Berti Vogts hatte erst kurz vor dem Abflug in die USA seine Entscheidung getroffen.

"Derjenige, der bei der WM spielen wird, muss schon etwas eher Bescheid wissen", betonte Köpke, ohne sich auf eine Zeitspanne festzulegen. Auf keinen Fall werde es jetzt nach jedem Länderspiel eine Ansage geben, "wer die Nase vorn hat". Und trotz Mitsprache steht für ihn fest: "Jürgen Klinsmann ist der Bundestrainer und wird die letzte Entscheidung fällen müssen."

Vor dem ausverkauftem ersten Auftritt im neuen Leipziger Zentralstadion steht für Klinsmann eine wesentlich leichtere personelle Entscheidung im Vordergrund. Würde er den 21-jährigen Debütanten Moritz Volz (FC Fulham) zusammen mit seinem England- Kollegen Robert Huth (20), dem Hannoveraner Per Mertesacker (20) und dem Stuttgarter Philipp Lahm (21) aufbieten, gäbe es im Jubiläumsspiel gegen Kamerun die jüngste deutsche Verteidigung aller Zeiten.

Die Chancen von Volz stehen gut. "Moritz ist Stammspieler in Fulham, das spricht für seine Qualität", lobte Assistenzcoach Joachim Löw den jungen Mann, der schon mit 16 Jahren vom FC Schalke zum FC Arsenal gewechselt war. "Ich möchte einen guten Eindruck im Training und im Spiel hinterlassen. Im Konkurrenzkampf auf der rechten Abwehrseite möchte ich mir gute Chancen geben", äußerte Volz selbstbewusst.

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