Tory-Chef Hague zurückgetreten
Labour erringt absolute Mehrheit in Großbritannien

Mit deutlicher Mehrheit haben die britischen Wähler Premierminister Tony Blair den Regierungsauftrag für die kommenden vier Jahre erteilt. Nach Auszählung von 641 der 659 Wahlkreise entfielen auf Blairs Labour Party 412 Sitze, die oppositionellen Konservativen erhielten 166 Sitze.

ap LONDON. Die Liberaldemokraten kamen auf 52 Mandate, die übrigen elf gingen an kleinere Regionalparteien. Während Blair sich am Freitag bei den Wählern bedankte, zog der konservative Parteivorsitzende William Hague die Konsequenzen aus der Niederlage und kündigte seinen Rücktritt an.

Auf die Labour Party entfielen den ersten Auszählungen zufolge 42,3 % der Wählerstimmen, auf die Konservativen 32,6 %. 18,5 % der Wähler entschieden sich für die Liberaldemokraten. "Sie haben uns heute Abend einen historischen Augenblick beschert", sagte Blair vor jubelnden Anhängern. Damit spielte er darauf an, dass in der 100-jährigen Geschichte der Partei erst zwei Labour-Regierungschefs wiedergewählt wurden. Seinen eigenen Wahlkreis Sedgefield in Nordostengland gewann der 48-Jährige erneut mit deutlicher Mehrheit. Mit seiner Frau Cherie besuchte der Wahlsieger am Freitag protokollgemäß Königin Elizabeth II. im Buckingham-Palast.

Die Wahlbeteiligung sank mit etwa 59 % auf den niedrigsten Wert seit 1918. Blair hatte die Themen Bildung und Gesundheit in den Mittelpunkt seines Kampfs um die zweite Amtszeit gestellt und versicherte, er werde seine Versprechen einhalten. "Unser Mandat ist es, die begonnene Arbeit fortzusetzen", sagte er in London. "Wir werden in Schulen, Krankenhäuser und die Polizei investieren."

Hague: Ein klarer Bruch ist das Beste

Krisenstimmung herrschte dagegen bei den Konservativen. Hague erklärte vor dem Hauptquartier der Tories, ein klarer Bruch sei jetzt das Beste, um der Partei einen Neuanfang zu ermöglichen. Bereits in der Endphase des Wahlkampfs hatte Hague angekündigt, persönlich die Verantwortung für das Wahlergebnis übernehmen zu wollen. Bis zur Wahl eines Nachfolgers will er noch im Amt bleiben.

Kritiker warfen Hague vor, es sei ihm nicht gelungen, die Konservativen im Wahlkampf klar zu positionieren. Die Tories hatten die Ablehnung des Euros in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs gestellt. Seinen Wahlkreis im nordenglischen Yorkshire konnte Hague verteidigen.

In Nordirland, wo über 18 Sitze für das Londoner Unterhaus entschieden wurde, galt die Wahl als Test für das Friedensabkommen von 1998. Dort standen gemäßigte Republikaner und Unionisten den radikaleren Parteien gegenüber. Ergebnisse wurden erst am Freitagabend erwartet. Bei einem Zwischenfall wurden am Donnerstagabend zwei Polizisten und eine junge Frau verletzt. Ein Mann schoss vor einem Wahllokal in Draperstown, 100 Kilometer westlich von Belfast, auf die Polizisten. Die Behörden vermuten, dass der Täter einer Splittergruppe der antibritischen Untergrundorganisation IRA angehört.

Britisches Pfund weiter auf Talfahrt

Unmittelbar nach dem Rücktritt von Hague fiel das britische Pfund im New Yorker Devisenhandel auf einen Kurs von rund 1,38 Dollar, den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Analysten erklärten dies mit Spekulationen, Großbritannien werde nach einem Labour-Sieg letztlich der Europäischen Währungsunion beitreten.

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