Toshiba reduziert Umsatzprognose – NEC wieder in der Gewinnzone
Japans Elektronikriesen auf Erholungskurs

Noch herrscht bei Japans Technologiekonzernen Flaute. Die Unternehmen erwarten ein schweres zweites Halbjahr. Dennoch scheinen die Sanierungen bei den meisten die Rückkehr in die Gewinnzone zu ermöglichen. Analysten beklagen jedoch, dass den Unternehmen überzeugende Wachstumsstrategien immer noch fehlen.

TOKIO. Als Japans Elektronikriesen am vergangenen Freitag ihre Zahlen vorlegten, machten die Konzerne Hoffnung auf eine baldige Wende. Zwar stellen sich die Konzerne auf Nachfrageprobleme in der zweiten Jahreshälfte ein, doch für das Gesamtjahr (31. März) rechnen sie wieder mit Gewinnen. Der Konzentrations- und Sanierungskurs, bei dem die Produktlinien gestrafft wurden, zahlt sich aus.

Toshiba und NEC, die Freitag als erste der Branche ihre Halbjahreszahlen vorgelegt haben, halten an ihren Jahresprognosen fest. Die Umstrukturierungen und Einsparungen machen sich dort deutlich bemerkbar. In der kommenden Woche werden die Branchenriesen Sony und Matsushita, bekannter für die Marke Panasonic, ebenso wie Sharp, Sanyo und Mitsubishi Electric zeigen, ob sie ihre Ziele halten können. Dem größtem Elektronik-Hersteller des Landes, Hitachi, machen offenbar stagnierende Aufträge zu schaffen, weshalb er im Gesamtjahr weniger Gewinn machen soll als zunächst angekündigt.

In den vergangenen anderthalb Jahren haben Japans Elektronikriesen zehntausende Stellen gestrichen, Fabriken geschlossen und sind aus verlustträchtigen Geschäften ausgestiegen. Vor allem im Halbleitergeschäft haben die Konzerne Strukturen geändert.

Toshiba, weltgrößter Notebook-Hersteller und Japans zweitgrößter Chipproduzent, schaffte operativ die Wende zurück in die Gewinnzone, reduzierte jedoch seine Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjahr um 3,5 % auf 5,65 Billionen Yen (47 Mrd. Euro). Durch Einsparungen und einen gestiegenen Umsatz bei Halbleitern und PC schaffte es Firmenpräsident Tadashi Okamura, operativ mit 2,9 Mrd. Yen (23 Mill. Euro) knapp in die Gewinnzone zu kommen - nach 98,4 Mrd. Yen (813 Mill. Euro) Verlust vor einem Jahr. Unter dem Strich jedoch fiel immer noch ein Verlust von gut 26 Mrd. Yen (215 Mill. Euro) an.

Die Aktienkurse der vier größten Elektronikhersteller sind derzeit auf dem tiefsten Stand seit fast 20 Jahren. Nachdem der Sanierungskurs erste Erfolge zeigt, fordern Analysten klarere Wachstumsstrategien. Toshiba, Hitachi oder Mitsubishi Electric hätten diese noch nicht in ausreichendem Maß geliefert, hieß es.

Toshiba profitiert unter anderem vom Rückzug aus den defizitären DRAM-Speicherchip-Aktivitäten, die im vergangenen Jahr die Bilanz gehörig verhagelt hatten. Dagegen ist der Konzern gemeinsam mit der südkoreanischen Samsung Electronics Marktführer bei gewinnträchtigeren Speicherchips für Handys oder Kleincomputer. So machte Toshiba im Chipgeschäft 18,4 Mrd. Yen (152 Mill. Euro) Gewinn nach 72 Mrd. Yen (595 Mill. Euro) Verlust im Vorjahreszeitraum.

Der größte Telekom-Gerätehersteller des Landes, NEC, macht mittlerweile wieder operativ wie unter dem Strich Gewinne - und dies trotz eines Umsatzrückgangs von 12 % auf 2,17 Billionen Yen (17,9 Mrd. Euro). Allerdings sind dafür unter anderem Verkäufe von Aktienpaketen anderer Firmen verantwortlich. Der Umsatz im Handymarkt fiel auf fast die Hälfte. Im Speichergeschäft fraßen die gut 10 Mrd. Yen (82 Mill. Euro) Verluste aus dem unter dem weltweiten Preisverfall leidenden DRAM-Geschäft die fast 20 Mrd. Yen (164 Mill. Euro) Gewinn im Geschäft mit Systemchips zur Hälfte wieder auf. NEC hat Teile der DRAM-Speicherchip-Aktivitäten mit Hitachi in ein Gemeinschaftsunternehmen (Elpida Memory) überführt. Im Frühjahr wird auch Mitsubishi Electric dazustoßen. NEC gilt als der schwächste unter den japanischen Elektronikriesen.

Branchenstar ist weiterhin Sony. Das Unternehmen, das seine Zahlen am Montag vorlegt, hatte als einziger der Elektronikriesen im vergangenen Geschäftsjahr keine Verluste geschrieben. Der Umbau zum integrierten Multimedia-Konzern ist jedoch kostspielig. Der der Jahresprognose zu Grunde gelegte konservative Wechselkurs von 115 Yen zum Dollar dürfte jedoch Luft geben, die Prognosen einzuhalten. Matsushita, dessen Zahlen am Mittwoch folgen, hatte im vergangenen Quartal den Rückkehr in die Gewinnzone geschafft.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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