Totalausfall trotz Sicherheitspuffer möglich
Steueroptimierte Zertifikate mit eingebauter Sicherheit

Erst kam das Garantiezertifikat. Dann folgte das Garantiespannenzertifikat. Was unter Steuer- und Risikoaspekten zu beachten ist.

Viele Dinge des Lebens könnten noch schöner sein, wenn es die Finanzämter nicht gäbe. Zum Beispiel die Geldanlage. Wer sein Geld sicher und dennoch rentierlich unterbringen will, wird sich irgendwann mit Garantiezertifikaten beschäftigen. Die Emittenten dieser Schuldverschreibungen - in der Regel Banken - versprechen die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der Laufzeit und lassen den Käufer des Zertifikats zusätzlich an der Entwicklung eines bestimmten Aktienindex oder eines zuvor definierten Aktienkorbes teilhaben. Am Ende der Laufzeit vereinnahmt der Käufer des Zertifikates im günstigsten Fall einen stattlichen Kursgewinn. Bis hierhin zeigt das Produkt keine Schwäche. Doch jetzt kommt der Fiskus. Der betrachtet Garantiezertifikate als Finanzinnovationen, die Kursgewinne sind demnach auch nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerpflichtig - im Gegensatz zu den Gewinnen vergleichbarer Garantiefonds, die allerdings in der Regel gegenüber den Zertifikaten den Nachteil höherer Nebenkosten aufweisen.

Die für den Anleger ungünstige steuerliche Behandlung der Garantiezertifikate hat die Finanzbranche nicht ruhen lassen. Die Anbieter haben sich auf die Suche nach dem steueroptimierten Garantiezertifikat gemacht und sind mit dem Garantiespannenzertifikat fündig geworden - sehr wahrscheinlich jedenfalls. Sie bieten mittlerweile eine Vielzahl dieser Produkte an. Die Emittenten garantieren bei Garantiespannenzertifikaten nicht die 100-prozentige Rückzahlung des Kapitals. In der Regel sind Kursrückgänge nur bis zu 20 oder 25 Prozent abgesichert.

Ein Beispiel: Am Ende der Laufzeit des Zertifikates ist der Referenzindex um 24 Prozentpunkte auf 76 Prozent des Wertes vom Ausgabetag gefallen. Wenn der Sicherheitspuffer 25 Prozent beträgt, hat der Anleger keinen Verlust. Er bekommt sein Kapital voll zurückgezahlt. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn der Referenzindex auf 60 Prozent des Wertes vom Ausgabetag abgesackt ist. Bei den Verlusten, die den Sicherheitspuffer überschreiten, sitzt der Anleger mit im Boot - und zwar meist sogar überproportional. Bei einem 25-prozentigen Sicherheitspuffer verliert der Anleger in der Regel ab dem 26. Prozentpunkt 1,33 Prozent vom Ausgangswert für einen Prozentpunkt Verlust - im Extremfall ist somit also auch ein Totalausfall möglich.

Kursgewinn soll steuerfrei bleiben

Emissionshäuser der Garantiespannenpapiere sind sich sicher, dass bei positiver Entwicklung des Referenzindex oder des Aktienkorbes der Kursgewinn nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei bleibt. Hundertprozentig verlassen oder im Ernstfall gar berufen kann sich der Anleger auf diese Einschätzung der Emissionshäuser freilich nicht. Die Finanzbehörden haben zu dem Thema noch nicht Stellung bezogen. Zunächst aber deutet vieles darauf hin, dass der Gewinn, der mit den Produkten erzielt wird, nach Ablauf der Spekulationsfrist nicht versteuert werden muss.

Garantiespannenzertifikate sind besonders dann interessant, wenn der Markt aus einer Baisse kommt und mit extremen Rückschlägen zunächst nicht mehr zu rechnen ist. Dann dürfte ein Sicherheitspuffer von 20 oder 25 Prozent ausreichen. In der aktuellen Börsensituation spricht also vieles für ein Garantiespannenzertifikat.

Nicht leicht zu durchschauen

Allerdings sind die einzelnen Produkte nicht immer ganz leicht zu durchschauen. Die Anbieter haben bei vielen Neukonstruktionen ihrer Phantasie freien Lauf gelassen, es empfiehlt sich ein genaues Studium der Prospekte. Immer häufiger wird einfach alles mit allem kombiniert.

Weil sich die Frage der steuerlichen Bewertung bei den Garantiespannenzertifikaten nicht abschließend beantworten lässt, ist eine Bank noch einen Schritt weiter gegangen. Das Zauberwort heißt "Sofia". Es steht hier nicht für die Tristesse der bulgarischen Hauptstadt, sondern für "System optimierter Finanz-Anlagen". Das sehr komplizierte Produkt funktioniert so: Neben dem nicht kapitalgarantierten Zertifikat, dem "Sofia Best of World 2007", kann der Anleger ein weiteres Produkt, eine Wertpapierversicherung, erwerben. Die Versicherung kostet beim Kauf des Zertifikates zwei Prozent vom Nennwert des Zertifikates. Sie steht für den Schaden gerade, der entsteht, wenn das Zertifikat in den Keller rutscht. Es tritt somit durch die Kombination aus Zertifikat und Versicherung der gleiche wirtschaftliche Effekt ein wie bei einem Garantiezertifikat: Der Anleger erhält auch bei hohen Kursverlusten sein Kapital zurück. Da bei dem - getrennt von der Versicherung zu betrachtenden - Zertifikat jedoch die Möglichkeit des Totalverlustes besteht, sind Gewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei. Die Frage, wie der Eintritt des Versicherungsfalls steuerlich zu bewerten ist, lässt man bei der Landesbank Berlin allerdings bewusst offen.

Das Institut jedenfalls freut sich über den Erfolg. "Die Nachfrage war sehr rege. Das Modell hat das Zeug zur Serie", sagt Frank Klingelhöfer von der Landesbank Berlin.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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