Totalschaden bei BVB - Schalke vor Scherbenhaufen
Der deutsche Fußball verspielt seinen guten Ruf

Nach dem kompletten Ausscheiden der deutschen Mannschaften in der 2. Runde des Uefa-Pokals hat der deutsche Fußball seinen guten Ruf verspielt. Borussia Dortmund erlitt beim FC Sochaux mit 0:4 einen sportlichen Totalschaden. Schalke 04 zog bei Bröndby IF Kopenhagen mit 1:3 nach Elfmeterschießen den Kürzeren.

HB SOCHAUX/KOPENHAGEN. 17 Monate nach dem Erreichen des WM- Endspiels hat der deutsche Fußball durch das komplette Ausscheiden in der 2. Runde des UEFA-Pokals den guten Ruf verspielt. "Wir sind dabei, unser Potenzial aus den 90er Jahren zu verspielen. Da müssen wir uns große Sorgen machen und höllisch aufpassen", meinte Gerd Niebaum, Präsident von Borussia Dortmund, nach dem "schwarzen Donnerstag". Der BVB erlitt beim FC Sochaux mit 0:4 einen sportlichen Totalschaden. Schalke 04 zog zwar bei Bröndby IF Kopenhagen erst nach einem 1:3-Elfmeter-Krimi den Kürzeren, steht aber ebenso vor einem Scherbenhaufen.

Seit der Saison 1998/99 konnte damit erstmals kein Bundesligist mehr in die dritte Uefa-Cup-Runde vordringen. Zuvor hatte bereits der 1. FC Kaiserslautern, Hamburger SV und Hertha BSC das Erstrunden-Aus ereilt. "Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn Werder Bremen oder Bayer Leverkusen den deutschen Fußball im Uefa-Cup vertreten hätten", meinte BVB-Chefcoach Matthias Sammer.

Der Katzenjammer einen Tag nach den K.o.-Schlägen könnte noch lange Kopfschmerzen bereiten. Denn im Kampf um einen weiteren Europacup-Startplatz hat die Bundesliga gegen die Konkurrenz stark an Boden verloren, da England, Frankreich, Italien und Spanien jeweils mit drei Clubs in Runde drei einzogen. Dort würde nur noch ein deutscher Verein mitmischen, wenn der Bayern München die Champions- League-Vorrunde nicht übersteht. Der VfB Stuttgart hat dagegen das Achtelfinale der "Königsklasse" bereits erreicht.

"Wir werden da wieder rauskommen"

"Solche Perioden gibt es immer. Ähnliche Diskussionen hat es früher auch in Italien oder Frankreich gegeben", sagte Dortmunds Nationalspieler Christian Wörns, "wir werden da wieder rauskommen." Allerdings kommen die Rivalen nicht nur aus den starken Ligen Europas. "Da gibt es Vereine, die keinen großen Namen haben und aus Polen oder sonst wo kommen", stellt Niebaum fest. Gemeint sind dabei Teams wie der tschechische Club FC Teplice, der Feyenoord Rotterdam eliminierte - oder eben der FC Sochaux.

Die höchste Niederlage auf europäischer Bühne seit 1987 hinterließ im Dortmunder Tross Spuren und Ärger. "Nach so einer Leistung können wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Zum Schluss haben wir um Gegentore gebettelt - das war dem guten Ruf von Borussia Dortmund unwürdig", schimpfte Sportdirektor Michael Zorc. Als wäre die heftige Kritik am Ausscheiden in der Champions-League-Qualifikation und im DFB-Pokal ohne Wirkung geblieben, ergab sich die Borussia in Sochaux fast widerstandslos. "Bei allem, was wir zuletzt durchgemacht

haben, war das ein erneuter Tiefschlag", klagte Sammer. Trainer Heynckes bleibt optimistisch

Schon nach vier Minuten war das Spiel entschieden. Ausgerechnet Geburtstagskind Gambino leistete sich eine "Notbremse", die mit der Roten Karte, einem Foulelfmeter und dem frühen 0:1 durch Pierre-Alain Frau (6.) bestraft wurde. Doch statt dem Gegner bis zum Schlusspfiff Paroli zu bieten, erstarrten die BVB-Stars in Lethargie - und waren mit dem 0:4 noch bestens bedient. "Wir müssen jetzt aufstehen und Charakter zeigen", forderte Manndecker Christian Wörns.

Beim FC Schalke hat sich nach dem K.o. die Situation ebenfalls zugespitzt. Doch Trainer Jupp Heynckes glaubt unverdrossen an das Ende der sportlichen Talfahrt. "Elfmeter-Schießen ist eine Lotterie. So auszuscheiden, ist immer besonders bitter. Wir müssen die Enttäuschung wegstecken und bis zum Spiel bei Hertha BSC am Sonntag psychisch und physisch regenerieren", sagte er.

Während der Trainer Durchhalte-Parolen ausgab, und Manager Rudi Assauer am Donnerstagabend aus dem Bröndby-Stadion flüchtete, redete Frank Rost Tacheles. "Wir sind in einer kritischen Phase", gab der Torhüter unumwunden zu, appellierte gleichzeitig aber eindringlich an den Mannschaftsgeist: "Wir müssen jetzt Gras fressen, an bessere Zeiten glauben und wieder aufstehen. Da müssen wir gemeinsam durch."

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