Tote bei Anschlägen
Clinton besucht erstmals Kolumbien

Der Besuch des US-Präsidenten wurde von Rebellen-Angriffen überschattet. Der "Plan Colombia" steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzung.

afp BOGOTA/WASCHINGTON. Überschattet von Angriffen der Guerilla hat US-Präsident Bill Clinton am Mittwoch erstmals Kolumbien besucht. Bei seinen Gesprächen mit Staatschef Andrés Pastrana in der Stadt Cartagena wollte Clinton der kolumbianischen Regierung vor allem seine Unterstützung für den umstrittenen «Plan Colombia» zusichern.



Washington stellt für das insgesamt 7,5 Milliarden Dollar (16,5 Milliarden Mark) schwere Paket zur Drogenbekämpfung und der Aussöhnung mit den linksgerichteten Rebellen-Gruppen 1,3 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Mark) zur Verfügung. Mindestens zwölf Menschen starben bei Angriffen der linksgerichteten Rebellen in mehreren Provinzen Kolumbiens im Vorfeld des Clinton-Besuchs. Die Proteste richteten sich gegen den «Plan Colombia», der nach Auffassung der Opposition zu einer Militarisierung der Gesellschaft beiträgt.



Clinton landete unter starken Sicherheitsvorkehrungen in Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste. 5000 kolumbianische Soldaten und 500 US-Sicherheitskräfte sollten dafür sorgen, dass dem US-Präsidenten bei seinem ersten offiziellen Besuch in dem südamerikanischen Staat nichts zustößt. Zuletzt hatte mit George Bush 1990 ein US-Präsident Kolumbien besucht. Clinton und Pastrana aßen zunächst gemeinsam zu Mittag, bevor sie einige der von der UN-Kulturorganisation UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte Sehenswürdigkeiten in der Stadt besichtigten. Anschließend wollten sie zu dem politischen Teil des rund zehnstündigen Besuchs übergehen.



Der «Plan Colombia» sieht neben der Bekämpfung des Drogenhandels auch den Versuch vor, einen tragfähigen Frieden mit den Rebellen auszuarbeiten. Neben dem Militärsektor, auf den zwei Drittel der US-Hilfe für den Plan entfallen, soll das Geld auch Verbesserungen im Justizwesen zugute kommen. Kolumbiens Präsident Pastrana hatte Ende Juni zudem versprochen, 300 Millionen Dollar der Gesamtsumme für den sozialen Bereich zu verwenden. Für das Budget des «Plan Colombia» will Bogotá vier Milliarden Dollar aufbringen, den Rest soll die internationale Gemeinschaft übernehmen.



Mit dem Geld aus Washington sollen Kampfhubschrauber und moderne Waffen angeschafft sowie US-geführte Ausbildungsprogramme für kolumbianische Soldaten finanziert werden. Die Guerilla kritisiert das Paket als «moderne Form der Aufstandsbekämpfung». Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen warnten vor einer militärischen Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten Kolumbiens.



Die Guerilla protestierte mit mehreren Anschlägen gegen den Besuch von Clinton. Die Polizei machte die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) für die Sprengstoffattacken auf drei Bankfilialen sowie eine Autobahn am Dienstag (Ortszeit) verantwortlich. Zudem seien bei FARC-Angriffen aus Protest gegen den Clinton-Besuch in verschiedenen Regionen des Landes zwölf Menschen getötet worden, hieß es. Die Gewalttaten wurden wenige Stunden vor dem Eintreffen Clintons verübt. In dem blutigen Konflikt zwischen Rebellen, rechten Paramilitärs und Armee wurden in Kolumbien seit 1964 mehr als 120.000 Menschen getötet. Mehr als zwei Millionen Menschen flohen aus den Kampfgebieten.

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