Totgesagte leben länger
Humor-Legende Bob Hope wird 100

Amerikas Witz-Heiligtum Bob Hope steht vor einem runden Geburtstag: 100 Jahre wird der Komiker nächste Woche. Für ihn ist das Alter bloß eine Zahl, allerdings in seinem Fall eine "verdammt hohe", findet der Greis.

HB/dpa NEW YORK. Die Nachricht von Bob Hopes Tod bezeichnete die "Washington Post" als "ziemlich übertrieben". Solch triefende Ironie war ganz nach dem Geschmack des Humoristen. Hope hatte gerade beim Frühstück gesessen, als in Washington ein Abgeordneter den Kongress wegen des vermeintlichen Ablebens der Ikone des amerikanischen Humors alarmierte. Der damals 95-Jährige ließ ausrichten, er könne die Meldung nicht ganz glauben. Der Abgeordnete war auf einen Hope-Nachruf hereingefallen, der versehentlich aus einem Agentur-Speicher in Umlauf geratenen war.

Am Donnerstag (29.5.) wird der Totgesagte 100 Jahre alt. Auch dafür findet sich im Arsenal des großen Witzboldes, der ungefähr seit der Prohibition alle nennenswerten Ereignisse in der US-Geschichte humorvoll kommentiert hat, ein passender Spruch: "Das Alter ist doch nur eine Zahl. Allerdings ist das in meinem Fall eine verdammt hohe Zahl." In der Öffentlichkeit lässt sich der Greis nicht mehr sehen. Selbst die prominentesten Hope-Jahrhundert-Partys müssen ohne den Fröhlichmacher der Nation auskommen.

Ein Bad in der Menge ist nicht mehr drin

"Meinem Vater geht es seinem Alter entsprechend gut", berichtete Hopes 63-jährige Tochter Linda. Doch ein Bad in der Menge sei nicht mehr drin. Rechtzeitig zum Jubiläum hat sie gemeinsam mit dem Witz-Methusalem ein Buch herausgebracht: "Bob Hope: My Life in Jokes". Die Recherche dafür sei immer wieder ergreifend gewesen: "So viel Geschichte, so viele Witze!"

Hope wurde in England geboren

Hope mag als der amerikanischste aller US-Komiker gelten, aber eine Portion des trockenen britischen Humors hat er wohl als Vierjähriger bei der Überfahrt im Gepäck gehabt. "England", witzelte er, "war der Schauplatz meines großartigsten Auftritts: Ich wurde dort geboren." In die Neue Welt sei die verarmte Familie gegangen, "weil man herausfand, dass ich zu Hause nicht König werden konnte". Schuhputzen, Zeitungen verkaufen, Boxen - das waren die ersten Jobs in Cleveland (Bundesstaat Ohio), mit denen Bob als Schüler Geld verdienen musste. Beifall und manchmal gar eine Münze bekam er fürs Charlie-Chaplin-Imitieren. So entdeckte der Bursche mit der urkomischen Visage, aus der das Kinn weit hervorsticht und die Nase einer Ski-Schanze gleicht, seine Freude daran, Menschen fröhlich zu machen.

Hollywood nahm den Komiker mit offenen Armen auf

Einige Jahre tingelte er mit Varieté-Gruppen durchs Land. Er lernte so viel er konnte und schaffte es, am Broadway kleinere Rollen in Musicals und Revuen zu bekommen. 1932 war er in New York bereits ein Operettenstar. 1935 hatte er eine eigene Radio-Blödelshow. Hollywood nahm den Komiker mit offenen Armen auf. Der Durchbruch zum Weltruhm kam dort 1940 mit "Road to Singapore", Auftakt einer ganzen Serie von Road-Movies, meist mit Bing Crosby als Partner. Insgesamt drehte Hope rund 70 Kinofilme.

Grundlage seiner Erfolge war harte Lacharbeit

Wie heilige Schreine wirken die beiden begehbaren Schränke in Hopes Villa in Toluca Lake (Kalifornien), wo er mit der 93-jährigen Dolores lebt, seiner Ehefrau seit 69 Jahren. Die Schubladen sind mit tausenden Seiten gefüllt, dicht beschrieben mit Witzen. Hope arbeitete nach einem peniblen System alle eigenen und fremden Gag-Ideen mehrfach durch, prüfte wieder und wieder den Heiterkeitseffekt und verwarf, was am Ende nicht leicht verständlich auf die Bühne zu bringen war.

Sein Spott machte vor niemandem halt

"Präsident Nixon versteht was von China. Er kann beim Chinesen ohne Karte bestellen." Doch der bekennende Republikaner, für den Amerika Gottes eigenes Land ist, blieb mit der Präsidentenkritik stets im patriotischen Rahmen. Im Zweiten Weltkrieg, am Weihnachtstag 1941, begann Hope seine ehrenamtliche Karriere als Truppenunterhalter. Die Tradition hielt er mehr als 50 Jahre aufrecht.

Auch US-Soldaten in Korea, Vietnam sowie 1991 im Irak bekamen Aufmunterungsbesuche des witzelnden Multimillionärs. "Clown des Pentagon" nannte ihn dafür die Moskauer Zeitung "Iswestija". In Amerika wird der Komiker so ernst genommen, dass zu seinem 99. die Veteranen-Kapelle auf dem Soldaten-Friedhof von Los Angeles seinen Namen erhielt.

Zum 100. ist die Hope-Mania überall. Reisebüros bieten Pilgertouren zu seinen Wirkungsstätten an. TV-Sender bringen Filme und Shows unter dem Motto "100 Years of Hope and Humor". In unzähligen Büchern wird kein Hope Fact ausgelassen: 17 Mal hat Bob die Oscars moderiert. Vier Mal hat er selber einen bekommen. Bob hat fast 50 Ehrendoktorhüte, obwohl er nie eine Uni besuchte. Und nun kommen in so gut wie allen 50 Bundesstaaten weitere Plätze, Straßen, Schulen und Militäreinrichtungen hinzu, die Bob Hope heißen. Ob ihm dazu noch ein Witz einfällt?

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