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Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger: Denn subventionierte Endgeräte werden uns noch eine Weile erhalten bleiben ... oder doch nicht?

Alles andere als ein Auslaufmodell: Nur durch subventionierte Endgeräte schaffen die Carrier den Technologiewechsel, meint Olaf Deininger

Habe kürzlich Post von Debitel bekommen. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Denn einmal im Monat schickt mir der Stuttgarter Service-Provider einen dicken Umschlag mit den Rechnungen für meine drei Handy-Verträge. Nur diesmal fand ich keine Rechnung im Umschlag, sondern einen Gutschein. Ich solle mir doch ein neues Handy anschaffen, oder zwei, so der Vorschlag der Company. Und damit das nicht so ein großes Loch in meine Haushaltskasse reißt, würden die sparsamen Schwaben sogar einen Teil der Anschaffungskosten übernehmen. Ich bräuchte nur den Gutschein in einem Mediamarkt meiner Wahl einlösen.

Wie, dachte ich, Stützungskäufe für die kränkelnde Hardware-Industrie? Denn bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die Telekommunikationsbranche von der Subventionierung der Endgeräte wegkommen will. Offenbar ein Trugschluss.

Am gleichen Tag eröffnete mir ein Mitarbeiter von Siemens nicht ohne Stolz, dass T-Mobile zwei Millionen ihres Modells M50 geordert habe. Wozu das denn? Der Markt ist doch gesättigt? Das M50 ist das preisgünstigste Java-Handy, das es zur Zeit zu kaufen gibt. Und wer seiner Kundschaft mobile Applikationen verkaufen will, für den Downlaod von Spielen, News, MMS usw. Rechnungen schreiben möchte, der muss sie zuerst mit Gerätschaften ausstatten, die solche Features auch technisch unterstützen. Das alte Gerät, das jetzt noch im Umlauf ist, kann das nämlich nicht. Und so versuchen die Carrier ihre stagnierenden und/oder rückläufigen ARPUs (durchschnittlicher Umsatz pro Kunde) dadurch zu retten, dass am Ende der mobilen Nahrungskette erst einmal die Möglichkeiten für Datentransfer technologisch geschaffen werden. Also werden uns die subventionierten Endgeräte noch eine Weile begleiten.

Beim nächsten Besuch im Mediamarkt marschierte ich dann am Handy-Balken auf und ab und studierte Geräte und Preise. Denn die Schwaben hatten, ganz ihre Art, noch eine kleine Kostenbremse in ihr Angebot eingebaut: Neues Gerät bekam ich nicht zum Tarif für Neukunden, sondern preislich in der Mitte zwischen Neukundenpreis und Preis ohne Vertrag. Also bin ich meinen alten Zeug dann doch treu geblieben.

Die Telcos werden immer weniger Geld für die Subvention von Endgeräten ausgeben müssen ... wenn auch aus anderen Gründen, meint Stephan Sempert.

Richtig ist: Telekom-Unternehmen investieren Milliarden in die Subvention der Endgeräte und damit in die Infrastruktur auf der Nutzerseite. Das kann in einem Markt, der mindestens was die Zahl der Nutzer angeht, weitgehend gesättigt ist, nicht mehr so weitergehen: Die schieren Telefongebühren geben es einfach nicht mehr her. Richtig ist auch: Spätestens wenn ab Herbst gilt, dass untreue Kunden auch noch die Telefonnummer mitnehmen können, wird das Stechen und Hauen um die Verträge sich verschärft fortsetzen. Und wer in diesem Rennen vorne liegen will, der sollte mindestens mal den einen oder anderen Zusatznutzen bieten: E-Plus hat mit i-Mode da sicher einen wichtigen Vorsprung zur richtigen Zeit.

Aber, so ist es nun einmal, für diese neuen Anwendungen braucht es neue Endgeräte. Und auch wenn sich damit gleichzeitig neue Einnahmequellen auftun, so lassen sich damit die Subvention in der Höhe wie sie bisher üblich nicht verdienen.

Also Ende für das so erfolgreiche Modell der Marktaufbereitung? Falsch. Denn die Telcos können denn Druck des Wettbewerbes locker weiterreichen: An die Gerätehersteller. Die werden dafür sorgen müssen, dass die Kosten für die Herstellung der Telefone drastisch runtergehen. Größenordnungen von 50% und mehr sind dabei alles andere als illusorisch. Voraussetzung dafür sind allerdings a) ein noch stärker differenziertes Angebot (das Wegwerf-Handy gibt es ja bereits, genauso wie die limitierte Platinausgabe) und b) eine für jeden offene, standardisierte Systemarchitektur. Nur wenn sich die Komponentenhersteller und Softwareentwickler auf eine genormte Plattform einschießen können, wird das Moorsche Gesetz auch für das mobile Telefon gelten.

Womit dann klar wird, warum der Wettbewerb von Nokia und Microsoft um die Vorherrschafft in der Definition genau dieser Architektur so ein entscheidender ist. Es liegt jetzt auch vor allem den Telcos und ihren Orders wer mit welcher Architektur den Standard setzen wird. Und ob wir auch in Zukunft alle zwei Jahre ein neues Handy in der Tasche haben.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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