Tour de France
"Der Kapitän ist bereit"

Lance Armstrong hofft bei der Tour de France auf den fünften Sieg in Folge. Zu seinen stärksten Konkurrenten zählt wieder Jan Ullrich. Erstmals gehen am Samstag gleich drei deutsche Teams an den Start.

HB/dpa PARIS. Ein einmaliges Jubiläum und ein turmhoher Favorit auf den fünften Sieg in Folge prägen die Feier zum 100. Geburtstag der Tour de France. Lance Armstrong startet am Samstag unter dem Eiffelturm zur Fortsetzung seiner Erfolgsserie, die der geheilte Krebspatient 1999 begann. Dabei sitzt der 31-jährige Texaner so fest im Sattel wie eh und je. Jan Ullrich, im Vorjahr wegen Knie- Operationen und Tabletten-Affäre nicht dabei, soll über insgesamt 3361 km auf 20 Etappen wenigstens ab und zu an der Vormachtstellung rütteln. Alle sechs Etappenorte der Pioniertage von 1903 sind auch diesmal im Tour-Programm.

Auch sportlich steht Altbewährtes bevor. Armstrongs Referenzen vor seiner neunten Tour sind wie immer die besten. Der in Spanien lebende Amerikaner, der Ullrich trotz 14-monatiger Inaktivität ab Januar 2002 zu seinen Hauptkonkurrenten zählt, gewann als letzten Härtetest die Rundfahrt Dauphiné Libéré in Südfrankreich. Dabei präsentierten sich er und sein Team, erweitert durch den kurzzeitigen Ullrich-Helfer Manuel Beltran aus Spanien, in allerbester Verfassung. "Der Kapitän ist bereit", betonte Armstrong.

Ullrichs augenblicklicher Leistungsstand nach der Zwangspause und zwei Teamwechseln unter chaotischen Begleiterscheinungen ist aller Ehren wert. Der fünfmalige Tour-Sieger Miguel Indurain und die nationalen Altmeister Dietrich Thurau und Rudi Altig trauen ihm bei der 90. Frankreich-Rundfahrt sogar den Sieg wie 1997 zu. Die reserviertere Selbsteinschätzung des gebürtigen Rostockers kommt der Realität aber sicher sehr viel näher. Auch wenn sie von der Taktik geprägt sein mag, um Druck zu vermeiden. "Ich möchte eine schöne Etappe gewinnen. Zu einem Sieg gegen Armstrong reicht es in diesem Jahr sicher noch nicht."

Bei der sechsten Tour zum fünften Mal Platz zwei: "Das wäre gigantisch", meinte Ullrich, dem die Sportzeitung "L'Equipe" in der Liste der 100 Fahrer-Persönlichkeiten, die die Tour-Historie begründeten, Rang 36 zuwies. "Platz zwei oder drei in Paris", traut ihm auch der frisch gekürte deutsche Meister, sein alter Team-Kollege Erik Zabel, zu.

"Armstrong und Ullrich - dann kommt eine Weile nichts." So lautet die Prognose des Telekom-Managers Walter Godefroot, der seine 30. Tour bestreitet, als Kurzformel. "Ullrich hat als einziger meiner Konkurrenten den Vorteil, dass er weiß, wie ein Tour-Sieg geht", so Armstrong, der auf dem Sprung steht, den exklusiven Vierer-Club der bisherigen Fünffach-Sieger aus Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Indurain zu erweitern. Der Spanier ist der Einzige, der die Sieges-Serie von 1991 bis 1995 ohne Unterbrechung schaffte.

Neben Ullrich könnten Armstrong am ehesten die Spanier Joseba Beloki und Aitor Gonzalez, sein früher Helfer Tyler Hamilton (USA) oder Giro-Gewinner Gilberto Simoni (Italien) das Leben schwer machen. Sicher erst in zweiter Linie kämen dafür der Telekom-Neuling Santiago Botero (Kolumbien) oder die bemerkenswerten Newcomer Iban Mayo (Spanien) und Michael Rogers (Australien) in Frage. Armstrong will sich mit folgender Methode wach halten: "Ich gebe nichts auf Zahlen und Rekorde. Ich werde so fahren, als sei es meine erste Tour."

Tour-Neuland betreten Ullrichs vor Monatsfrist gegründete Bianchi- Mannschaft und das Gerolsteiner-Team. Zusammen mit den arrivierten Telekom-Radlern, bei denen der vom Italiener Paolo Bettini gerade entthronte Weltranglisten-Spitzenreiter Zabel auf seinen 13. Etappensieg und das siebte Grüne Trikot aus ist, sind zum ersten Mal drei deutsche Teams am Start. 21 Alpen- und Pyrenäen-Pässe, 172 km Zeitfahren und drei Millionen Euro Preisgeld warten auf 17 deutsche Tour-Fahrer. So viele einheimische Profis - ein Indiz der gestiegenen Bedeutung dieses Sports in Deutschland - standen beim bedeutendsten Radsport-Ereignis noch nie am Start.

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