Tour de France
Nur Armstrong glaubt an Ullrich

Lance Armstrong will zum fünften Mal das gelbe Trikot nach Paris tragen. Die Entscheidung fällt in den Bergen.

PARIS. Die Tour feiert ihren Mythos: Hundert Jahre Legenden, hundert Jahre Spektakel auf dem Fahrrad. Die ganze Welt erwartet, dass Lance Armstrong zum fünften Mal in Folge die 90. Tour de France (während der beiden Weltkriege fiel die Rundfahrt aus) gewinnt und zum hundertjährigen Jubiläum zu den großen Vier Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufsteigt. Der Amerikaner in Paris schert sich wenig um diese faszinierende Koinzidenz. "Die hundert Jahre sind ein netter Hinweis auf den Mythos. Für mich ist es die Tour de France 2003, und ich will sie gewinnen." Der Perfektionist als Pragmatiker.

Er und die anderen 197 Radprofis, die sich morgen am Fuße des Eiffelturms zum Prolog versammeln, hätten nur den Wettbewerb selbst im Sinn und würden losfahren, als ob es "die erste oder die letzte Tour" wäre. "Wenn ich in dreißig, vierzig Jahren meinen Enkeln von der Tour erzähle, werde ich nicht davon reden, dass ich das hundertjährige Jubiläum gewonnen habe - sofern ich das Glück habe, zu gewinnen."

Genauso sachlich und ohne Sentimentalitäten hält es der 31-jährige Texaner mit der magischen Fünf. "Ich denke nicht an den Rekord, sondern konzentriere mich Jahr für Jahr nur darauf, das Ding zu gewinnen. Wenn das dann bedeutet, dass ich den Rekord erreicht habe, fein. Dann fühle ich mich geehrt."

Das Tour-Organ "L?Equipe" hat zum hundertjährigen Jubiläum ein Klassement der hundert Tour-Helden zusammengestellt. Armstrong rangiert erst an siebter Stelle hinter Merckx, Hinault, Anquetil, FauUllrich, der mit der zusätzlichen Motivation des frischen Vaterglücks zu seiner sechsten Tour anreiste, sieht sich dennoch nicht als der große Gegenspieler des Supermannes. Seine Einschätzung: "Ich kann diese Tour nicht gewinnen."

Dem Widerspruch, warum ein ranker und schlanker Ullrich, der seit 1997 nicht mehr so gut in Form war, weniger Chancen haben soll als ein übergewichtiger, entgegnet der 29-jährige Kapitän des neuen Bianchi-Teams so: "Ich weiß ja nicht, ob ich drei Wochen ohne große Einbrüche durchstehe."

Weniger Bergankünfte, kürzer Zeitfahrten

Zum Jubiläum haben die Organisatoren die 3 427 Kilometer lange Strecke, auf der alle sechs Etappenziele von 1903 angefahren werden (Lyon, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Nantes und zurück nach Paris), gegenüber dem Vorjahr entschärft: Nur drei statt fünf Bergankünfte, kürzere Zeitfahren. Eine Maßnahme gegen Armstrongs Übermacht.

"Die Zeitabstände werden geringer werden", ahnt der US-Boy. "Das Rennen wird dadurch spannender, und das ist es, was die Organisatoren natürlich wollen. Das ist in Ordnung. Wenn man nicht in der Lage ist, auf den beiden Kletteretappen über den Galibier nach Alpe d?Huez und über den Tourmalet nach Luz-Ardiden den Unterschied herzustellen, dann hat man es eh nicht verdient die Tour zu gewinnen."sto Coppi, Gino Bartali und Louison Bobet. Indurain ist Achter. Vier Deutsche sind in der Ruhmesliste der Zeitung aufgeführt: 36. Jan Ullrich, 54. Erik Zabel, 72. Rudi Altig, 85. Dietrich Thurau.

Der unschlagbar scheinende Armstrong ist derweil froh, dass Jan Ullrich wieder da ist. "Die Tour, der Radsport und ich brauchen einen starken Ullrich", wiederholt er immer wieder und wird nicht müde, wahre Hymnen auf den Sieger von 1997 anzustimmen: "Ullrich ist eine Bedrohung für mich. Sein Status hat sich durch das Jahr Pause und den Frühling mit all dem Ärger um das Team für mich nicht geändert. Er ist ein großer Fahrer mit einem riesigen Talent und besitzt die Erfahrung des Tour-Siegers."

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