Tour-Hoffnungen schwinden
Zabel will „kein Messer mehr am Hals“

Er hat sich mit seinen Verletzungen durch die Alpen und Pyrenäen geschleppt. Der linke Arm von Erik Zabel ist nach seinem Sturz von Lyon von Schorf verkrustet und schillert rosa-rot. "Ich will nur noch Paris sehen", sagte der 33-jährige Berliner am zweiten Tour-Ruhetag in Pau. Seine Augen schauen müde. Vom Grünen Trikot, das er bis 2002 sechs Mal in Folge bis Paris trug, hat sich Zabel als Viertplatzierter der Punktwertung "so gut wie verabschiedet".

HB/dpa PAU. Die Chancen auf seinen ersten diesjährigen und insgesamt 13. Etappensieg gehen nach den bisherigen Erfahrungen in den Massensprints in Richtung Null. "Im Vorjahr hatte ich auch gedacht, Typen wie McEwen kommen nicht über die Berge und habe mich getäuscht", meinte Zabel, der ohne große Illusionen weiter fährt: "Ich schätze mal, Cooke und McEwen werden das Grüne Trikot unter sich ausmachen. Ich habe kein Problem, mir das aus der Distanz anzuschauen." Beide wären auch ein heißer Tipp für die 17. Etappe heute in Bordeaux, dem L'Alpe d'Huez der Sprinter.

Dort gewann Zabel schon zwei Mal. Ein kleines Schlaglicht auf die Klasse des Telekom-Kapitäns, der kurz vor der Tour nach fast zwei Jahren die Führung der Weltrangliste verloren hatte. International wird seine Qualität so hoch eingeschätzt, dass er unter den 100 bedeutendsten Radsportlern, die die 100 Jahre Tour de France prägten, nur 15 Ränge hinter Jan Ullrich als erster Nicht-Toursieger eingestuft wurde. Die Erfolge des deutschen Meisters sind Legende: vier Mal Mailand - San Remo, Paris - Tours, Amstel Gold Race, HEW Cyclassics, Gesamt-Weltcup, Etappensiege bei der Tour, Vuelta, Tour de Suisse.

Die neue Nachdenklichkeit des Erik Zabel hat eingesetzt, seit er merkte, dass bei ihm nicht mehr alles so blitzschnell wie früher vonstatten geht und er zu Beginn des Jahres zum verlängerten Arm der Teamleitung im Rennen gemacht wurde. "Ich setzte mir nicht mehr das Messer an den Hals, um bei den Zwischensprints der Tour um jede Häuserecke dabei zu sein. Das hat mich ein Jahr meiner Karriere gekostet." Die unbarmherzige Hatz und Hetze überlässt er jetzt immer mehr anderen.

Der Unfall des Spaniers Joseba Beloki, der inzwischen nach seinem schweren Sturz kurz vor Gap nach mehreren Operationen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hat ihm ein weiteres Mal zu denken gegeben: "Da geht es nicht um eine Platzierung oder um das Podium. Da geht es um die Gesundheit. Die Tour ist wichtig, aber in dem Fall ist das egal", sagte der Familienvater, der sich in einer Kurve in Lyon Schürfwunden und Prellungen am Arm, an den Beinen und Schnittwunden in den Handflächen zuzog: "Erfolg und Niederlagen liegen so nahe beieinander".

Doch Zabel konnte auch von großem Glück berichten: "Ich hatte Tränen in den Augen und große Schwierigkeiten, die letzten sechs Kilometer ins Ziel zu schaffen. Das war in zehn Jahren Tour eigentlich erst der zweite schwerere Zwischenfall."

Ob mit oder ohne aktuellen Erfolg wie im Moment in Frankreich, eines hat sich für Zabel nicht geändert: Er kann nicht aus dem Schatten von Jan Ullrich treten. Das war sogar im Vorjahr der Fall, als der Tour-Sieger von 1997 nur außerhalb des Sports Schlagzeilen produzierte. Auch damit hat sich Zabel längst abgefunden. Genauso wie Ullrich sich vielleicht damit arrangieren muss, dass er nicht an Lance Armstrong vorbeikommt.

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